Appell an Stadt und Landkreis

Seebrücke ruft Göttingen zur Hilfe auf - Flüchtlinge sollen von griechischen Inseln geholt werden

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Eine Demonstration der Seebrücke in Göttingen im Jahr 2018.

Der Verein Seebrücke appelliert an die Stadt und den Landkreis Göttingen, minderjährige Flüchtlinge von den griechischen Inseln aufzunehmen.

Göttingen – Mehr als 41 000 Geflüchtete lebten zurzeit in überfüllten Lagern auf den Ägäis-Inseln und litten unter Hunger, Kälte und Krankheiten, heißt es in einem am Montag bekanntgemachten Offenen Brief der Seebrücke an Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Landrat Bernhard Reuter (beide SPD): „Es sind Bedingungen, die wir uns kaum vorstellen können, doch für diese Menschen, die in Europa Schutz suchen, sind sie seit Jahren Realität.“

Seebrücke: "Ein Europa des nationalen Egoismus"

Die menschenunwürdigen Bedingungen seien das direkte Ergebnis jahrelanger europäischer Politik. „Statt eines Europas der Solidarität, erleben wir ein Europa des nationalen Egoismus, in dem viele Mitgliedsstaaten kein Interesse zu haben scheinen, dem unerträglichen Leiden der Schutzsuchenden Einhalt zu gebieten“, heißt es weiter im Brief.

Zahlreiche Städte und Bundesländer signalisieren Bereitschaft Geflüchtete auftzunehmen

Auch wenn auf nationaler Ebene nicht gehandelt werde, hätten sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Städte und Bundesländer bereit erklärt, Geflüchtete aufzunehmen. Auch in Niedersachsen habe Innenminister Boris Pistorius diese Bereitschaft signalisiert. Bisher werde jedoch die Aufnahmebereitschaft durch das Bundesinnenministerium blockiert. 2019 haben sich Stadt und Landkreis Göttingen zu „Sicheren Häfen“ erklärt. Damit verbunden seien ein klares Bekenntnis zur Solidarität mit Geflüchteten und zur Hilfe.

Stadtverwaltung: Aufnahmekapazitäten in Göttingen nicht ausgeschöpft

Die Stadtverwaltung habe wiederholt bestätigt, dass die Aufnahmekapazitäten in Göttingen nicht ausgeschöpft seien, erklärte die Seebrücke. Köhler und Reuter sollten deshalb öffentlich erklären, dass Stadt und Landkreis bereit seien, eine Gruppe minderjähriger Geflüchteter aufzunehmen. Der Offene Brief wurde von zahlreichen Organisationen und Einzelpersonen mitunterzeichnet.

Grüne Stadtratsfraktion: "Holt die Kinder nach Deutschland!"

Die Grüne Stadtratsfraktion Göttingen bekräftigt die Forderungen der Seebrücke. „Holt die Kinder nach Deutschland!“, sagt Thomas Harms, mit dem Verweis auf den Bundesvorsitzenden Robert Habeck, der das im Dezember gefordert hatte. Harms, früherer Lagerpastor im Grenzdurchgangslager Friedland, betont: „Ich selbst konnte mir vor Ort ein Bild von dem Grauen machen, das die Geflüchteten dort tagtäglich erleben.“

Mehmet Tugcu: "Kinder erleben keine Kindheit"

Mehmet Tugcu von den Grünen verweist im Schreiben darauf, dass die Kinder auf den griechischen Inseln keine Kindheit hätten. „Wenn Europa, Deutschland und auch Göttingen es ernst meinen mit der Würde des Menschen, dann müssen wir handeln. Nicht nur, weil es unsere Pflicht ist, sondern auch, weil alles andere schlicht unerträglich wäre“. 

Flüchtlinge in Göttingen: Streit um Unterbringung

 Für kurze Zeit haben Aktivisten dasFriedtjof-Nansen-Hauses in Göttingen besetzt. Damit wollen sie für eine menschenwürdigere Unterbringung von Geflüchteten protestieren.

Am Aktionstag des Bündnisses Seebrücke demonstrieren hunderte Menschen in Göttingen und anderen Städten in Niedersachsen für eine humanere Flüchtlingspolitik.

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