Damit Strom nicht zum Luxusgut wird

Seit fünf Jahren berät die Energieagentur Region Göttingen mit kostenlosem Stromspar-Check

+
Setzen sich für den Umweltschutz durch Stromsparen aus: (von links) Christel Wemheuer, Ute Wetzel, Marcel Riethig, Norbert Pirskalla, Petra Broistedt, Bernd Sander, Doreen Fragel und Rainer Wendland mit kleinen Stromsparhilfen in den Händen.

Seit fünf Jahren bietet die Energieagentur Region Göttingen einen kostenlosen Stromspar-Check für Bezieher von Sozialleistungen und Geringverdiener an. Daran beteiligen sich auch die Stadt Göttingen und der Landkreis.

Stromsparen ist Luxus. Was zunächst paradox klingt, macht auf den zweiten Blick Sinn: Die Anschaffung eines neuen energie-effizienten Kühlschranks oder einer sparsamen Waschmaschine, können sich viele Südniedersachsen nicht leisten. Auch neue Wärmedämmungen oder Fenster kosten viel Geld.

Deshalb bietet die Energieagentur der Region Göttingen seit fünf Jahren einen kostenlosen Stromsparcheck für Bezieher von Sozialleistungen oder Geringverdiener an. Nun zogen die Protagonisten des Projektes ein Resümee. Und das fiel äußerst positiv aus. „Es ist ein wunderbares Projekt, das Soziales und Umwelt miteinander verbindet“, sagte Doreen Fragel, Geschäftsführerin der Göttinger Energieagentur.

Knapp 1300 Haushalte (505 im Landkreis, 787 in Göttingen) mit geringem Einkommen hat das fünfköpfige Stromspar-Team unter Leitung von Ute Wetzel seit Anfang 2014 beraten. „Aber es ist nicht nur die Beratung, wir haben auch etwa 15 000 Stromsparhilfen verbaut“, erklärte Fragel.

Das Ergebnis: Auf rund 973 000 Euro (403 000 im Landkreis und 570 000 in Göttingen) summieren sich die Einsparungen über die Lebensdauer der Stromsparhilfen, wenn man alle besuchten Haushalte berücksichtigt. Das vermeide den Ausstoß von gut 1500 Tonnen Kohlendioxid (600 t im Landkreis, 920 t in Göttingen), so Fragel.

Göttingens Erste Kreisrätin und stellvertretende Vorsitzende der Energieagentur, Christel Wemheuer, sagte: „Die Stromspar-Beratung ist wichtig, man kann mit dem persönlichen Handeln viel verändern. Das Projekt ist absolut zielführend, es lebt aber auch von den Mitarbeitern.“

Das Lob ging an die Adresse von Ute Wetzel und ihr Team. Ihr Job ist nicht immer ganz einfach. Denn es kann schwierig sein, Menschen davon zu überzeugen, dass ihr eigenes Verhalten – beispielsweise das Dauerlüften mit eingeschalteter Heizung oder ähnliches – große Auswirkungen auf die Stromrechnung haben kann. Hinzu kommen häufig Sprachprobleme.

„Deshalb versuchen wir, das plastisch darzubieten, und greifen auf bildliche Darstellungen zurück. Für die Beratung nehmen wir uns ganz viel Zeit“, sagt Wetzel.

Dafür gab es auch von der Göttinger Sozialdezernentin Petra Broistedt ein dickes Lob: „Danke für ihre Arbeit, Sie machen einen richtig tollen Job.“

Und den sollen und wollen sie auch weiter machen. Das Projekt läuft offiziell allerdings im März 2019 aus. Doreen Fragel und ihre Mitstreiter hoffen auf eine Fortsetzung: „Danach soll es zunächst drei weitere Jahre laufen.“ Offiziell entschieden sei das aber noch nicht.

Arbeit gäbe es für das Stromspar-Team jedenfalls genug. „Etwa 13 000 Menschen leben in Göttingen von Sozialleistungen. Das sind potenzielle Kunden des Stromspar-Checks, für die jeder Euro und jeder Cent überlebenswichtig ist“, erklärte Broistedt. Und deshalb betonte sie auch: „Es ist ein gutes Projekt, das die Stadt Göttingen nur unterstützen kann.“

Das sieht auch Marcel Riethig, Sozialdezernent des Landkreises, so: „Im Gegensatz zur Weltpolitik sind wir im Kleinen in Sachen Umwelt sehr gut aufgestellt.“ Das hier eingesetzte Geld sei sinnvoll. Wie bei den Kühlschränken: Der Landkreis hat Gutscheine im Wert von 150 Euro für die Anschaffung eines Gerätes mit der Energieeffizienzklasse A+++ herausgegeben – die allerdings nur eingelöst werden können, wenn die Entsorgung des alten Kühlschranks nachgewiesen wird. Über 200 davon seien eingelöst worden.

Weitere Infos gibt es hier und hier.  

Kontakt: Ute Wetzel, Tel. 0551 / 38421321,wetzel@energieagentur-goettingen.de

Hintergrund

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es den bundesweiten Stromspar-Check, in dem der Deutsche Caritasverband und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) die Reduktion von Kohlendioxid und die Energiekosten als Armutsfaktor miteinander verknüpft haben. Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium. In Göttingen läuft das Projekt seit Anfang 2014. Es beteiligen sich die Stadt und der Landkreis sowie verschiedene Wohlfahrtsverbände. (ana)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.