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Semesterbeginn in Göttingen: Hoffnung auf viele „Alt-Studierende“

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Von: Thomas Kopietz

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Älterer Mann hält ein Vorlesungsverzeichnis für Wintersemester 2022/23 in der Hand.
Pralles Programm: Uwe Remmers zeigt das Vorlesungsverzeichnis Wintersemester 2022/23 der „Universität des Dritten Lebensalters“ (UDL) in Göttingen. Remmers ist Vorsitzender des Vereins, der die rund 150 Veranstaltungen organisiert. © Thomas Kopietz

An der Uni Göttingen steht das neue Wintersemester in den Startlöchern. Die Universität des dritten Lebensalter hofft auf viele „Alt-Studierende“.

Göttingen – Sich im Alter die Welt der Wissenschaft erschließen, den eigenen Horizon erweitern – und das ohne Leistungs- und Prüfungsdruck: Das ermöglicht die „Universität des Dritten Lebensalters (UDL)“ in Göttingen seit mehr als 25 Jahren –bis zu 850 Wissbegierige besuchten im Wintersemester die Veranstaltungen – im Sommer waren es etwa 650 – vor Corona. Dann kam der Einbruch. Jetzt startet die UDL in das Wintersemester 2022/23 – und hofft auf viele „Alt-Studierende“.

Das sagt der Vorsitzende des Vereins „Universität des dritten Lebensalters“, Uwe Remmers. Die „UDL“ hat für das Wintersemester etwa 150 Veranstaltungen im Angebot. Eine Planungssicherheit dafür, ob und wie die Vorlesungen und Seminare stattfinden werden, gibt es aber nicht, wie Remmers anfügt. Man wisse nicht, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie, aber auch die Energiekrise im Herbst und Winter verursachen werde.

Start des Wintersemesters in Göttingen: Auch die „Universität des Dritten Lebensalters“ geht los

Ziel ist, die Veranstaltungen möglichst in Präsenz stattfinden zu lassen. Das in den Corona-Jahren entwickelte Online-Format, live und per interaktiver Zoom-Konferenz sowie eine Hybrid-Lösung als Mix Präsenz/Online soll aber beibehalten werden.

Letzteres half dabei, dass die UDL – wie die große Uni – 2020 und 2021 weiterlaufen konnte, auch wenn die Anmeldungen und Teilnehmerzahl auf 250 sanken.

Etwa die Hälfte aller UDL-Studierenden – sie sind älter als 50 Jahre – kommt aus dem Göttinger Stadtgebiet, zu gut 20 Prozent aus dem Landkreis Göttingen und etwa 15 Prozent aus dem Raum Northeim/Uslar, aber auch aus dem Raum Kassel, Goslar und Werra-Meißner-Kreis.

„Die Online-Formate waren besonders bei den Teilnehmern aus dem weiteren Umland beliebt“, sagt Remmers, der aber betont: „Wichtig sind die Präsenzveranstaltungen, der direkte Austausch, das Kennenlernen, die Treffen. Online-Formate erfüllen den sozialen Aspekt nicht“, sagt der UDL-Vorsitzende. Besonders in den Seminaren, die vom Dialog zwischen Dozenten und Hörern leben, sei die Präsenz in den Hörsälen und Seminarräumen wichtig.

Diese stellt die Uni Göttingen der UDL zur Verfügung. Davon zweigt sie sich eine Nutzungsgebühr von der Hörergebühr – 125 Euro pro Semester – ab. Diese könne mann nicht senken, sagt Remmers. Sie garantiert den Fortbestand der UDL-Angebote. Weitere Einnahmquellen hat der Verein nicht, es gibt keine Zuschüsse. „Wir finanzieren alles aus den Hörergebühren.“

Die 125 Euro seien aber ein günstiges Angebot, denn damit könne man ja theoretisch alle oder zumindestens mehrere UDL-Veranstaltungen besuchen. Das tun in besonderem Maße Frauen: 2019 waren 61 Prozent aller UDL-Studierenden Frauen, gegenüber 39 Prozent Männern.

„Alt-Studierende“ zahlen 125 Euro pro Semester

Gespannt ist Uwe Remmers, ob die Teilnehmerzahlen in dem jetzt startenden Wintersemester wieder aus dem Corona-Knick herauskommen. Generell sei ja eine zurückhaltende Buchung auch bei anderen Veranstaltungen wie Konzerten und Theater zu spüren.

Zum Höchststand von 850 Hörenden will der Verein zurückkehren, das ist und bleibt trotz aller Unsicherheiten das Ziel, auch aus wirtschaftlichen Gründen. Denn die UDL bezahlt damit alles, auch die Dozentinnen und Dozenten.

Das Programm jedenfalls steht. Und es ist vielschichtig und spannend, reicht von international und politisch-wirtschaftlich ausgereichteten Themen in China und Kanada über „Friesische Dorfkirchen so groß wie Dome“, „Gestalten des Mittelalters“ bis zur Einführung in die praktische Philosophie oder in die Festkörperphysik sowie „Moral in Zeiten der Krise – die Zeit drängt“.

„Universität des Dritten Lebensalters“ richtet sich an Menschen mit und ohne Abitur

Das Konzept der UDL war vor zwei Jahrzehnten das selbe wie heute: Älteren Menschen mit und ohne Abitur soll sowohl der Zugang zu UDL-eigenen Veranstaltungen unterschiedlichster Fachrichtungen, als auch zu Lehre und Forschung der Uni Göttingen ermöglicht werden. Das kam an.

Die Teilnehmer-Zahlen stiegen stetig von 76 im ersten Winter-Semester 1995/96 über 430 im WS 2002/2003 Nach fünf Jahren gründete sich dann die UDL, die fast einzigartig in ihrer Struktur ist. Nur in Frankfurt/Main gibt es mit der „U3L“ eine ähnliche, von der Universität unabhängige Einrichtung.

Das Vorlesungsverzeichnis der UDL gibt es in Buchhandlungen für drei Euro. Weitere Infos gibt es unter uni-goettingen.de/udl. Anmeldungen für das laufende Semester nimmt die UDL jederzeit verwaltung.udl.uni-goettingen.de entgegen.

Das Büro ist in der ehemaligen PH am Waldweg 26, Öffnungszeiten Mo, Mi und Fr 11 bis 12 Uhr, Tel. 0551/39 21 28 4.

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