Sex-Überfall nach Party: Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafe

Göttingen. Im Prozess gegen einen 24-jährigen Physik-Studenten aus Varel (Kreis Friesland) haben die Verfahrensbeteiligten vor dem Landgericht Göttingen ihre Plädoyers gehalten.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich der Angeklagte der sexuellen Nötigung und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht.Der 24-Jährige habe im September 2015 bei einer Partyveranstaltung in der Nähe des Göttinger Klinikums eine Studentin von hinten am Hals gepackt, gewürgt, zu Boden gerissen und gezwungen, sexuelle Handlungen zu erdulden.

Die Studentin habe dadurch sowohl körperliche als auch erhebliche psychische Schäden erlitten. Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Die Verteidigung plädierte auf eine niedrigere Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Der Angeklagte habe eine „schreckliche Tat“ begangen und damit „zwei junge Leben zerstört“, sagte Rechtsanwalt Jens Beeck. Sein Mandant leide unter dieser Tat und habe viele Fragen aufzuarbeiten.

Zuvor hatte Rechtsanwalt Steffen Hörning als Nebenklagevertreter die massiven psychischen Folgen geschildert, unter denen die Studentin seit der Tat zu leiden hat. Die 28-Jährige lebe in ständiger Angst und traue sich abends nicht mehr ohne Begleitung aus dem Haus.

Auch bei ihrer aktuellen Arbeit auf der Intensivstation des Uni-Klinikums sei sie stark beeinträchtigt. Seine Mandantin habe bei dem Überfall Todesangst ausgestanden. Das mache es ihr schwer, mit dem Tod konfrontiert zu werden.

Anwalt Hörning verwies darauf, dass in dem Prozess unklar geblieben sei, was den bislang unbescholtenen und in geordneten Verhältnissen lebenden Angeklagten zu der Tat getrieben habe. Diese Ungewissheit hinterlasse bei ihm ein „Scheiß-Bauchgefühl“, sagte er. „Irgendetwas ist da, was bearbeitet werden muss.“

Laut dem Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen liegt bei dem Angeklagten weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine psychiatrische Erkrankung vor. Der 24-Jährige sei zur Tatzeit durch massiven Alkoholgenuss in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt gewesen. Er habe aber gewusst, dass das, was er tat, verboten war.

Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, dass er sich dafür schäme, an dem Abend die Kontrolle über sich verloren zu haben. Er wisse, dass er das nicht wieder gut machen könne.

Rubriklistenbild: © Jelinek/nh

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