Uni Göttingen

Sexuelle Belästigungen: Zwei Göttinger Professoren sollen ihre Posten verlieren

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Das Verwaltungsgericht Göttingen an der Berliner Straße: Hier sind die Klagen gegen die beiden Professoren der Uni anhängig.

Sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz sind auch im akademischen Milieu anzutreffen. Das zeigen zwei „MeToo“-Verfahren, die beim Verwaltungsgericht Göttingen anhängig sind.

Die Universität Göttingen hat dort gegen zwei Professoren eine Disziplinarklage erhoben mit dem Antrag, die Wissenschaftler aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen. Die Hochschule wirft den Professoren wiederholtes sexuelles Fehlverhalten gegenüber Studentinnen und Doktorandinnen vor, damit seien sie nicht mehr tragbar.

Der erste Fall war im Rahmen einer ersten Verhandlung im Frühjahr bekannt geworden. Derzeit ruht dieses disziplinarrechtliche Verfahren, weil gegen den betreffenden Professor auch ein Strafverfahren läuft. 

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat den 55-Jährigen wegen 21 Straftaten angeklagt, unter anderem wegen Freiheitsberaubung sowie sexueller Nötigung und Belästigung. Der frühere Institutsleiter soll gegenüber zwei Doktorandinnen und einer Mitarbeiterin sexuell übergriffig geworden sein und zwei von ihnen sogar geschlagen haben.

Jetzt ist ein zweiter „MeToo“-Fall bekannt geworden, der ebenfalls beim Verwaltungsgericht Göttingen gelandet ist. Auch hier geht es um den Vorwurf, dass ein Professor seine Stellung ausgenutzt und wiederholt Studentinnen und Doktorandinnen sexuell belästigt haben soll. 

Die Universität hatte noch vor Erhebung der Disziplinarklage gegen den Professor ein Verbot der Führung der Dienstgeschäfte ausgesprochen und ihm außerdem ein Hausverbot erteilt. Dies wollte der Wissenschaftler nicht hinnehmen und zog vor Gericht – allerdings ohne Erfolg: Das Verwaltungsgericht Göttingen lehnte seinen Eilantrag auf vorläufigen Rechtsschutz ab (Aktenzeichen 1 B 123/17).

Die Universität hatte in dem Verfahren darauf hingewiesen, dass die  Gleichstellungsbeauftragte bereits seit 2012 wiederholt Hinweise auf unerwünschtes sexuelles Verhalten erhalten habe. Der Professor hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen und als bloße Unterstellungen bezeichnet. Er habe sich zu keinem Zeitpunkt sexuell übergriffig verhalten.

Das Gericht kam in dem Eilverfahren zu dem Schluss, dass – anders als von dem Antragsteller behauptet - nach Aktenlage nicht erkennbar sei, dass es sich um eine Intrige handele. Die Zeugenaussagen legten nahe, dass der Professor in unangemessener Weise mit seinen ihm zur Ausbildung unterstellten Mitarbeiterinnen umgegangen sei, indem er sich sowohl in körperlicher als auch in verbaler Hinsicht grenzüberschreitend verhalten habe. 

Der Verbleib auf seinem Dienstposten würde die Fähigkeit der Universität, die weiblichen Angehörigen effektiv vor zu befürchtenden Übergriffen auf ihre körperliche Unversehrtheit zu schützen, in Frage stellen. Deshalb sei sein Eilantrag abzulehnen. Der Professor hat inzwischen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg eingelegt. Dieses hat sich noch nicht mit dem Fall befasst.

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