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Sexueller Missbrauch: Dritter Prozessanlauf vor dem Landgericht

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Von: Heidi Niemann

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Herbststimmung am Landgericht Göttingen: Dort muss sich ein 29-Jähriger verantworten.
Herbststimmung am Landgericht Göttingen: Dort muss sich ein 29-Jähriger verantworten. © Bernd Schlegel

Wegen sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person steht ein 29-Jähriger vor dem Landgericht Göttingen – der dritte Anlauf in diesem Verfahren.

Göttingen – Wegen sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person muss sich ein 29-jähriger Doktorand vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Es ist bereits der dritte Anlauf in diesem Verfahren.

Bei einem ersten Prozess hatte das Landgericht im November 2017 den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Die Richter sahen es damals als erwiesen an, dass er im Dezember 2015 eine Kommilitonin nach einer Studentenparty frühmorgens in ihrem WG-Zimmer in Göttingen missbraucht hatte.

Der Angeklagte legte dagegen Revision ein und hatte Erfolg: Im Juni 2018 hob der Bundesgerichtshof das Urteil auf. Im Oktober 2019 startete ein neuer Prozess vor dem Landgericht, der jedoch kurz darauf wieder ausgesetzt wurde. Danach dauerte es drei weitere Jahre, bis das Gericht nun einen neuen Prozess terminierte. Damit sind inzwischen knapp sieben Jahre seit dem angeklagten Vorfall verstrichen. Auch der nunmehr dritte Prozess vor dem Landgericht startete holprig. Der Verteidiger des 29-Jährigen beantragte eine Fristverlängerung, um die Besetzung der Kammer überprüfen zu können. Das Gericht lehnte dies ab.

Das ursprünglich vor der 2. großen Strafkammer angesiedelte Verfahren findet jetzt vor der 16. großen Strafkammer statt. Diese sei 2021 neu gegründet worden, um die anderen Strafkammern zu entlasten, bei denen viele Haftsachen anhängig gewesen seien, erläuterte der Vorsitzende Richter Matthias Koller. Der neuen Kammer seien insbesondere Altverfahren übertragen worden. Die Kammer ist mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen besetzt, außerdem ist aufgrund eines entsprechenden Präsidiumsbeschlusses auch noch eine Ergänzungsrichterin beigeordnet.

Auf Antrag der Nebenklage wurde noch vor Verlesung der Anklage die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen, weil darin Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich der Zeugin zur Sprache kommen würden, deren öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde. Erst zur Urteilsverkündung ist die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

In dem ersten Prozess war die Öffentlichkeit lediglich für die Dauer der Vernehmung der Nebenklägerin ausgeschlossen gewesen. Dabei war der Kammer jedoch ein Verfahrensfehler unterlaufen, der ausschlaggebend dafür war, dass der Bundesgerichtshof das Urteil wieder aufhob. Das Landgericht hat für den neuen Prozess bei einer aussagepsychologischen Sachverständigen ein sogenanntes Glaubwürdigkeitsgutachten in Auftrag gegeben. (Heidi Niemann)

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