Fernsehklassiker auf der Bühne

Silvester-Inszenierung: Vier perfekte Dinner im Theater im OP

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Dinner for one im Göttinger Theater im OP: Dabei überzeugten Daniella Wood als Miss Sophie und René Anders als Butlers James.

Göttingen. Diese Silvester-Inszenierung hat den Zuschauern richtig gut gefallen: Viermal wurde im Göttinger Theater im OP am letzten Tag des Jahres der Klassiker „Dinner for one“ gegeben.

Das Ensemble hat bewiesen: Was im Fernsehen seit Jahrzehnten erfolgreich läuft, kann auch auf der Bühne gut sein.

Für das richtige Ambiente sorgt das ThOP-Team schon beim Einlass. Passend zur Feststimmung zum Jahreswechsel bekommen die Gäste ein Glas Sekt oder Orangensaft – zur Begrüßung. Weil die leeren Gläser in den Sitzreihen schnell stören, zeigt einer der Besucher im ausverkauften Saal seine Butler-Qualitäten und trägt einen Schwung geleerter Gläser rechtzeitig vor Stück-Start zurück zum Ausschank.

Mit Geige (Wong Tsz), Klavier (Gregor Kilian), Cello (Hannah Barthel), Klarinette (Dominique Schlaak) und Schlagzeug (Daniel Adler) übernimmt das „Dinner for One Quintett“ mit dem Lied „Charmaine“ von Ernö Rappée und Lew Pollack aus dem Jahre 1926 stimmungsvoll die Eröffnung der sehr kurzweiligen halben Stunde.

Einsamer Geburtstag

Als Conférencier beschreibt Jürgen Bittrich souverän die wohl allen Zuschauern bekannte Situation bei dem einsamen Geburtstag der betagten Miss Sophie. Weil ihre Freunde längst nicht mehr auf Erden weilen, muss Butler James alle Rollen übernehmen – und damit auch deren Anteil an alkoholhaltigen Getränken. Und was wäre die Show ohne den Tiger. Auch im ThOP spielt sein Fell eine unfallträchtige Rolle.

Die Inszenierung des kurzen Stücks von Lauri Wylie für das ThOP hat Karin Reilly übernommen. Dabei hat sie sich eng an die Fernsehproduktion des NDR aus dem Jahr 1963 gehalten. Und das Konzept ist aufgegangen: Warum Dinge ändern, die funktionieren? Jeder Stolperer des Butlers James sitzt auch bei ThOP-Darsteller René Anders, manchmal scheint es, als hätte er den Ehrgeiz, den nicht mehr ganz so jugendlichen Freddie Frinton an Artistik übertreffen zu wollen.

Zwischenapplaus

Immer wieder heimst Anders Zwischenapplaus ein. Lautstarke Lacher erntet er für manchen besonders gelungenen Hüpfer, den immer wieder schmerzhaften Hackenschlag oder griffige Sprüche wie „I kill that cat“ nach seinem Fehlgriff zur Blumenvase. Würdevoll wie ihr berühmtes Vorbild May Warden nimmt die ThOP-Diva Daniella Wood die Glückwünsche ihrer „Freunde“ entgegen. „Es muss unglaublich schwer sein, ein Stück zu spielen, das jeder schon 20-mal gesehen hat“, kommentiert einer der Zuschauer zum Abschluss. Im Theater im OP ist das Wagnis gelungen. Alle vier Vorstellungen waren ausverkauft.

Gemäß dem immer wiederkehrenden Spruch „The same procedure as every year“ mögen sich „Dinner-for-one-Fans“ fragen, ob sie im kommenden Jahr am Silvesterabend wieder im Theater im OP sein werden. Ob es dort – gemäß dem wohlbekannten Spruch – Pläne zur Wiederaufnahme des Stücks gibt, liegt allerdings bislang völlig im Dunkeln.

Von Ute Lawrenz

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