Slomka und Uni-Kinderklinik werben für sportliche Wohnzimmer-Safari

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Kinderturnstiftung und Sozialpädiatrisches Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten zusammen: Die Stiftung verteilt an und über das SPZ Faltplakate, die Eltern Anleitungen für leichte Bewegungsübungen mit Kindern geben. Von links: Daniela Hennigs (SPZ, Physiotherapie), Mirko Slomka (Kuratoriumsmitglied Stiftung), Dr. Markus Röbl (Oberarzt SPZ), Dorothea Rosenbrock (Ergotherapie, SPZ), Olaf Jähner (Geschäftsführer Kinderturnstiftung) und Prof. Dörte Detert (Heilpädagogin)

Göttingen. Kinder bewegen – das ist das Ziel der Niedersächsischen Kinderturnstiftung. Eine Motivation zum Bewegen bietet das Plakat Wohnzimmer-Safari. Dabei soll die heimische Stube zum Erlebnissportraum werden. Partner der Aktion ist das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Das Wohnzimmer ist nicht der Ort, an dem Mirko Slomka normalerweise dem Sport oder seiner Arbeit nachgeht. Der Fußball-Trainer ist in großen Stadien zu Hause. Das hindert den Kurator der Kinderturnstiftung aber nicht daran , auch auf der kleinen Bühne für Bewegung zu werben.

So am Mittwoch in der Uni-Klinik, wo das SPZ als Besonderheit ein Adipositas-Programm für übergewichtige Jugendliche anbietet. „Wir wollen die Jugendlichen für die Bewegung begeistern, es geht dabei nicht um Leistung“, sagt Physiotherapeutin Daniela Hennigs. Kein einfaches Unterfangen, denn oft seien die Kinder durch Negativ-Erlebnisse im leistungsorientierten Schul- oder Vereinssport frustriert, oder es mangele gar an motorischen Fähigkeiten. „Manche haben nie zuvor Federball gespielt, auch, weil es die Eltern nicht können oder vorleben.“ Im SPZ setzt man dort an: „Wir können die Kinder bei uns mit einer Stunde Bewegung nicht schlank machen, aber wir können das Bewusstsein verändern“, schildert Oberarzt Dr. Markus Röbl.

„Die Familie kann dazu maßgeblich beitragen, aber auch Kitas oder Schulen“, sagt Dörte Detert, Hochschulprofessorin für Heilpädagogik in Hannover. Das Faltplakat Wohnzimmer-Safari hilft dabei: „14 einfache Übungen für das Wohnzimmer sind ein niederschwelliges Angebot. Man benötigt keine Sporthalle, keine Geräte.“

Auch dem prominenten Motor der Kinderturnstiftung, Mirko Slomka, gefällt die Aktion: „Bei der Safari können Impulse gesetzt werden, die wir früher permanent hatten, täglich nach der Schule, wenn wir gelaufen, geklettert sind oder Fußball gespielt haben.“

Doch nicht nur Bewegung ist für Slomka bedeutend: „Die Ernährung ist sehr wichtig.“ Nicht nur für Profi-Fußballer, bei denen es daran auch gelegentlich hapere. In der Göttinger Adipositas-Gruppe gibt es eine Ernährungsberatung – auch für die Eltern. Der Bedarf der Patienten jedenfalls ist groß, und es werden laut Röbl immer mehr übergewichtige Kinder. „Es gibt sehr viele Bedürftige, aber wir können nur wenige betreuen. Dabei sein können auch nur die, die wirklich wollen“, sagt Röbl. Die Wohnzimmer-Safari jedenfalls soll unterstützend helfen: „Das können wirklich alle machen, wir werden auf jeden Fall darauf hinweisen.“ Und nicht nur Mirko Slomka wünscht sich, dass die Wohnzimmer wieder zu (bewegten) Sport- und Kinderwelten werden – nicht nur an der Spiele-Konsole.

Drei Fragen an...

Mirko Slomka ist Sportlehrer und Fußball-Trainer, arbeitete auch beim FC Schalke 04, Hannover 96 und dem Hamburger SV. Momentan ist er ohne Verein. Als Kuratoriumsmitglied unterstützt er die Arbeit der Niedersächsischen Kinderturnstiftung – auch die Plakataktion „Wohnzimmer-Safari“.

Herr Slomka, warum engagieren Sie sich für die Stiftung? 

Mirko Slomka: Wenn es eine Stiftung gibt, die nachhaltig die Bewegung von Kindern fördern möchte, dann ist es sinnvoll aus Vorstandssicht Leute dazuzuholen, die im Sport unterwegs sind und etwas bewegt haben. Die Mischung ist im Kuratorium sehr gut gelungen. Das Herantreten an mich war sehr professionell.

Sie machen doch sicher auch mit, weil Sie ein Sportbegeisterter sind... 

Slomka: Ich stehe voll dahinter, Kinder zur Bewegung zu bringen. Ich habe in meiner Kindheit auf einem Dorf die Zeit mit viel Bewegung verbracht. Für uns gab es nichts anderes als nachmittags rauszugehen, zu klettern, zu balancieren, zu rennen und alle Vereinsangebote zu nutzen, die es gab: Fußball, Tennis, Tischtennis, Turnen. Ich habe immer versucht, all das weiterzugeben – auch an meine Kinder. Wir sind so eine sportliche Familie geworden.

In der Zwischenzeit hat sich viel verändert...

Slomka: Wir leben in einer Zeit, da mehr Fußball an der PlayStation als draußen auf dem Platz gespielt wird. Deshalb müssen wir gemeinsam daran arbeiten, und bewegte Kinderwelten gestalten – auch in Wohnzimmern, wo so etwas Sport noch an Bildschirmen stattfindet. Das hinterlässt Spuren bei den Kindern. Wir wollen helfen, diese Probleme, die hier an der Uni Göttingen in der Adipositas-Gruppe deutlich werden, zu verhindern.

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