Reportage

So läuft ein Besuch im Deutschen Theater Göttingen unter Corona-Bedingungen

Blick in den Zuschauerraum des Deutschen Theaters Göttingen zu Corona-Zeiten.
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Blick in den Zuschauerraum des Deutschen Theaters Göttingen zu Corona-Zeiten.

Endlich wieder Theater – viele Göttinger freuen sich. Schritt für Schritt findet das Deutsche Theater wieder zurück in einen Spielbetrieb. Am Freitagabend ist nach der Corona-Unterbrechung die erste Produktion im DT – 1 aufgeführt worden.

Göttingen – Schon vor Beginn der ersten Vorstellung „Enigma“ im DT – 1 war der Theatervorplatz am Samstagabend voller Leben. Wie in den Zeiten vor Corona sind die Menschen im Gespräch verstrickt; es gibt andere, die sich nach langer Pause wieder sehen und begrüßen. Ein Unterschied. In Corona-Zeiten sind sie alle mit Mund-Nasenschutz ausgerüstet. Manche tragen ihn als Accessoire passend zur Kleidung, andere begnügen sich mit einer Standardvariante. Die Stimmung ist entspannt an dem Sommerabend.

Strenge Regeln

Beim ersten Klingeln leichte Unsicherheit. Jeder orientiert sich: Wo ist sein Eingang? Um den Hygieneregeln zu genügen, haben nicht alle durch den Haupteingang Zutritt. Rechts am Theater sind zwei Seitenzugänge geöffnet. Wer in den ersten Reihen im Parkett sitzt, muss beim Eintritt durch den Haupteingang je nach Sitzplatz rechts oder links gleich die richtige Seite wählen.

Auf Distanz: Der Schriftsteller (Florian Eppinger, links) und der Journalist (Ronny Thalmeyer) belauern sich.

Um unnötige Engpässe zu vermeiden, wird beim Eintritt in den Zuschauerraum darauf geachtet, dass die mittleren Plätze zuerst besetzt werden. Zwischen den belegten Sitzen – immer nur einer oder zwei zusammen - bleiben drei Plätze frei, um genug Abstand einzuräumen, nur jede zweite Reihe ist besetzt. Von 488 vorhandenen Plätzen können so nur knapp über 100 verkauft werden. Mit verstärktem Team von acht auf zwölf werde der Einlass nach Corona-Vorgaben geregelt, sagt Gabi Krether vom Deutschen Theater.

Mit Maske am Platz

Irritation gibt es einen Moment zur Frage, ob der Mundschutz auch am Platz getragen werden soll. Schnell stellt ein Mann vom Einlass klar: Der Schutz sei auch während der Vorstellung gefordert. Erst ab Montag, 6. Juli, dürfen die Zuschauer den Mund-Nasen-Schutz ablegen, sobald sie auf ihren Plätzen sitzen.

Männer auf Distanz

Ganz normal: Nach dem dritten Klingeln schließen sich die Türen. Das Stück „Enigma“, das Johanna Schwung ursprünglich für den Theaterkeller inszeniert hat, feiert seine Premiere auf der großen Bühne. Wer das Treffen der zwei grundverschiedenen Männer, die das Leben in besonderer Weise verbindet, in der Enge des Theaterkellers gesehen hat, dem mag die Ausstattung (Johannes Frei) mit langer Sitzbank, Plattenspieler und Klavier im DT – 1 zunächst etwas verloren vorkommen. Doch Florian Eppinger in der Rolle des gefeierten Schriftstellers und Ronny Thalmeyer als Journalist vermögen den Raum ohne Mühe zu füllen. Etwas nobler wirkt jetzt der Rückzugsort des Autors. Es fällt nun leicht sich vorzustellen, dass er genug Geld hat, um sich auf der einsamen Insel mit allen Annehmlichkeiten zu versorgen.

Passend zum Stück ist die Distanz, die die Schauspieler wegen Corona einhalten müssen. Die Männer sind sich fremd und wissen nicht, wie sie miteinander umgehen sollen. So können sie den Raumgewinn durch den Umzug vom Keller auf die große Bühne gut nutzen.

Gelungener Neustart

Nach Auflösung des Rätsels oder eben des „Enigmas“ gibt es langen Applaus mit Bravo-Rufen und Getrommel. Gern stellt man sich die akustische Vervielfachung vor, wenn jeder Platz hätte besetzt werden können. Auch dieser Schritt im Neustart mit Corona ist am Deutschen Theater gut gelungen.

Weitere Vorstellungen: dt-goettingen.de/kalender/

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