Mittermeier ist witzig, manchmal politisch und selten albern

Der sanfte Provokateur: Michael Mittermeier in der Göttinger Stadthalle

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Überzeugte bei seinem Auftritt in der Göttinger Lokhalle: Michael Mittermeier.

Göttingen. Es geht um Diktatoren, Darth Vader, Gott und die Welt: Vor Michael Mittermeier ist niemand sicher bei seinem Auftritt in der Göttinger Stadthalle am Freitagabend. Auch nicht die Zuschauer…

Dass Mittermeier mit seinem Programm „Wild“ in den letzten Zügen liegt – ab dem 6. Februar geht er mit seinem neuen Programm auf Tournee – tut der Stimmung in dem nicht ganz ausverkauften Saal keinen Abbruch.

Der Bayer ist witzig, manchmal politisch und selten albern. Vor allem aber engagiert, merklich bemüht, sein Publikum zufrieden zu stellen. Und er erklärt den Zuschauern die Welt, wie er sie sieht. Dabei spielt er mit vielen Klischees, tut das aber gekonnt. Er erläutert die Unterschiede zwischen Deutschen und Österreichern, zwischen früher und heute, die Gemeinsamkeiten von Nazis und IS-Kämpfern, von Jesus und Conchita Wurst. Zum Running Gag des Abends wird Darth Vader, der Mittermeier in vielfacher Gestalt auf seinem wilden Ritt durch die Welt begegnet.

„Michel“, wie der Comedian sich auf der Bühne selbst nennt, hat offenbar Probleme, mit einigen Absurditäten des heutigen Lebens zurechtzukommen. Wie etwa dem Pokémon-Go-Hype oder vier Mädchen, die als Heilige Drei Könige auftreten. Und so ist in Michels Welt auch klar, dass die Fleischerei-Fachverkäuferin netter sein muss als die Vegan-Fachverkäuferin.

Spiel mit dem Publikum

Was Mittermeier auszeichnet, ist sein Spiel mit dem Publikum. So viel, wie die Zuschauer an diesem Abend in Göttinger lachen, leider reagieren sie nicht immer so spontan wie Mittermeier selbst. Der ist nicht zimperlich mit denen, die ihm antworten und zieht auch schon einmal über früheres Publikum her (Stichwort Dresden). Aber das macht es besonders: Mittermeier schreckt auch vor schwierigen Themen und provokanten Thesen nicht zurück, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Applaus!

Zitate von Michael Mittermeier

„Jesus, Du hättest doch wenigstens sagen können: Selig sind die geistig Armen, die große Brüste und blondes Haar haben.“ über die Frage, wer alles in den Himmel kommen sollte.

„Ich spiel die Donald-Trump-Nummer nicht mehr. Warum? Man muss irgendwann erkennen, wer der bessere Komiker ist.“über eine Nummer über US-Präsident Donald Trump in seinem Programm.

„’Der ist doch so klein.’ - Was ist das denn für ein Argument? Hitler war auch klein!“ über seine Begegnung mit einem kleinen Hund und seinem Herrchen.

„Wenn ein Österreicher zu spät kommt, kommt der rein und fragt: He, warum hat der schon angefangen?“über die Unterschiede zwischen Deutschen und Österreichern.

„Markus Söder wurde in einer Modelleisenbahn gezeugt.“über Modelleisenbahn-Liebhaber Horst Seehofer und Nachfolger Markus Söder. 

„Wotan will nicht auf Lesbos landen. Er glaubt, er wird dann schwul.“über einen Neonazi namens Wotan auf dem Weg nach Syrien.

„Alter, die haben Conchita Wurst gekreuzigt!“ über die Reaktion 14-jähriger Schüler, die zum ersten Mal eine Kirche betreten.

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