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Solar Orbiter sendet nie gesehene Bilder der Sonne an Göttinger Forscher

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Von: Thomas Kopietz, Bernd Schlegel

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Die Sonde „Solar Orbiter“ liefert Bilder der Sonne in bislang unerreichter Auflösung. Ausgewertet werden sie auch von Göttinger Forschern des Max-Planck-Instituts.

Göttingen – Die Sonde „Solar Orbiter“, an der das Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung beteiligt ist, hat den Menschen auf der Erde die bis jetzt höchstaufgelösten Bilder der Sonne, genauer der Korona des Sterns, beschert. Zu sehen sind auch Eruptionen. Möglich machten das neue Messdaten nach einem nahen Vorbeiflug im Abstand von nur etwa 48 Millionen Kilometern am 26. März 2022.

Das klingt weit, entspricht weniger als einem Drittel der Entfernung zwischen Erde und Sonne. Nur drei Raumsonden sind der Sonne jemals nähergekommen – keine davon allerdings mit abbildenden Instrumenten, die auf die Sonne schauen. Daher sind die aus Daten berechneten Bilder einzigartig.

Sonde „Solar Orbiter“ sendet hochauflösende Bilder der Sonne an Göttinger Forscher

„Solar Orbiter“ blickt mit sechs wissenschaftlichen Instrumenten auf Oberfläche, Atmosphäre und Umgebung der Sonne; vier weitere vermessen die Teilchen und elektromagnetischen Felder, welche die Raumsonde umströmen. Die Messdaten der Raumsonde, die von der europäischen Raumfahrtagentur ESA kommen, zeigen die äußere, heiße Atmosphäre der Sonne, die Korona, in bisher unerreichter Detailschärfe.

Der Südpol der Sonne: Ein Instrument des Solar Orbiters nahm dieses Bild Ende März in bislang unerreichter Schärfe auf.
Der Südpol der Sonne: Ein Instrument des Solar Orbiters nahm dieses Bild Ende März in bislang unerreichter Schärfe auf. ©  ESA&NASA/Solar Orbiter/EUI Team/dpa

Die Aufnahmen lassen hochaufgelöste koronale Bögen sowie eine kuriose strahlenförmige Struktur erkennen und bieten einzigartige Ansichten der Polregion des Sterns. Etwa anderthalb Monate nachdem die Sonde den bisher sonnennächsten Punkt ihrer Umlaufbahn um die Sonne passiert hat, können die Teams aller zehn wissenschaftlichen Instrumente nun erste Ergebnisse und Bilder aus dieser Missionsphase veröffentlichen.

Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen an Solar-Orbiter-Mission beteiligt

Dabei zeigt sich die besondere Stärke der Sonde: der gleichzeitige Blick in verschiedene Schichten der Sonne. Auf diese Weise wurde die Raumsonde in den Tagen um den Vorbeiflug gleich mehrfach Zeuge von Teilchen- und Strahlungsausbrüchen.

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen ist an insgesamt vier Instrumenten von Solar Orbiter sowie an der Auswertung der Daten beteiligt. In den Tagen um den jüngsten Vorbeiflug waren alle Instrumente in Betrieb. Wegen der aktuell großen Entfernung zwischen Raumsonde und Erde ist die Datenübertragungsrate allerdings derzeit gering.

Wissenschaftlichen Teams werten Daten von Solar Orbiter aus – auch in Göttingen

Nur ein Teil der aufgenommenen Messdaten hat deshalb bisher die Erde erreicht und konnte in den vergangenen Wochen von den wissenschaftlichen Teams gesichtet werden. Weitere Daten werden noch erwartet. Einige der spannendsten Daten, die empfangen wurden, stammen aus der Korona der Sonne.

Raumsonde Solar Orbiter: Göttinger Forscher sind beteiligt.
Raumsonde Solar Orbiter: Göttinger Forscher sind beteiligt. © ESA/ATG

Eingefangen von gewaltigen Magnetfeldern strömt dort mehr als eine Million Grad Celsius heißes Plasma. Immer wieder kommt es zu heftigen Teilchen- und Strahlungsausbrüchen. Drei Instrumente von Solar Orbiter bilden diese und andere Vorgänge ab.

Solar Orbiters Messdaten aus der Korona übertreffen alle bisherigen an Detailschärfe und werden helfen, die Strukturen und Vorgänge in der Korona besser zu verstehen.

Prof. Dr. Sami K. Solanki

„Solar Orbiters Messdaten aus der Korona übertreffen alle bisherigen an Detailschärfe und werden helfen, die Strukturen und Vorgänge in der Korona besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Sami K. Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Weitere Informationen finden Sie hier. (Thomas Kopietz/Bernd Schlegel)

Ein Teleskop an einem Heliumballon untersucht ab Juni von Schweden aus die Sonne – auch an dieser Mission ist das Göttinger Max-Planck-Institut beteiligt. Raumsonden mit Göttinger Instrumenten zeichnen Planetendaten auf, auch von der Venus.

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