Bundestagswahl 2021

Solide und zuversichtlich: Olaf Scholz auf Wahlkampf-Tour in Göttingen

So geht das! Olaf Scholz sagt auf großer Bühne und vor viel Publikum auf dem Göttinger Marktplatz, was er als Bundeskanzler vorhat.
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So geht das! Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD) sagt auf großer Bühne und vor viel Publikum auf dem Göttinger Marktplatz, was er als Bundeskanzler vorhat.

Mehr geht nicht: Die SPD hat am Samstag in Göttingen die Prominenz im Wahlkampf aufgefahren, vorneweg Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Göttingen - Damit stärkte die SPD vor dem Alten Rathaus auch Oberbürgermeisterkandidatin Petra Broistedt und die Bundestagskandidaten Andreas Philippi und Frauke Heiligenstadt den Rücken.

Die riesige Bühne lässt nur einen schmalen Durchgang auf der Weender Straße frei. Die Plätze vor der Bühne sind reserviert für Genossen, für die vielen Pressevertreter. Die meisten Besucher müssen am Rand stehen, nutzen auch die Stühle der Restaurants. „Mehr als 2000 Menschen“ sind da, schätzt SPD-Generalsekretär und Moderator Lars Klingbeil. Realistischer: etwa 1500.

Egal: Über den starken Besuch freuen sich die Sozialdemokraten, besonders Stephan Weil und Petra Broistedt, die unisone sagen: „Das ist toll zu sehen.“ Sie werten es als Indiz dafür, dass der Zuspruch für Partei und Olaf Scholz bei der Bundestagswahl 2021 groß ist.

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Bundestagswahl 2021: SPD-Kandidat Olaf Scholz in Göttingen

Viele aber wollen „Olaf packt an“ – so das Wahlkampfmotto – nur mal sehen und hören. Da steht er: weißes Hemd ohne Krawatte. Ein Anpacker-Bild, dass Scholz verbal nicht halten kann. Er ist nun mal kein „Shouter“, kein lauter Frontmann einer Rockband. Scholz wirkt zurückhaltend, sympathisch. Er ist auch keiner, der die Konkurrenz massiv angeht. Abgrenzung wäre jetzt gefährlich – die SPD muss sich mehrere Koalitionspartner warm halten. Der erfahrene Scholz wird drei Wochen vor der Wahl nichts riskieren: also vor allem nicht die Grünen, aber auch die FDP und die Linke vergraulen. Letztere kritisiert er wegen deren Afghanistan-Kurses.

Inhaltlich werden indes Übereinstimmungen mit der Linke deutlich, die tags zuvor an gleicher Stelle auf einer Mini-Bühne über Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali ihre Ziele verkündet hatte: Mindestlohn 12 Euro, mehr Arbeitsplätze mit Tarif-bezahlung, bessere Bedingungen und mehr Geld für Pfleger und die, „die den Laden am Laufen halten“. Ali und Scholz trennen bei dieser Aussage nur Nuancen.

Die SPD fährt in Göttingen groß auf: Auf der Mega-Bühne am Marktplatz waren am Samstag dabei: (von links) Matthias Miersch, Stephan Weil, Lars Klingbeil, Petra Broistedt, Olaf Scholz, Frauke Heiligenstadt, Andreas Philippi und Hubertus Heil.

„Geimpfte sind Versuchskaninchen“ - Scholz muss verbalen Fehler ausbügeln

In Göttingen jedenfalls muss Scholz einen seiner seltenen verbalen Fehler ausbügeln: Sein Vergleich als Impfaufruf kam nicht gut an: Politiker seien Versuchskaninchen beim Impfen gewesen, alles sei gut gegangen, also sollten es viele nachmachen. Sein Aufruf zum Impfen lautet nun: „Wenn Ihr bislang abgewartet habt, dann macht es jetzt. Es ist gut für Euch und alle, die Euch nahestehen.“

Lieber spricht Scholz über die Erfolge im Kampf gegen die Corona-Krise, die er als Minister auch sich zuschreibt: Das Instrument Kurzarbeit und massive Geldspritzen hätten ebenso wie große Solidarität geholfen, gut mit der Krise klarzukommen. Man werde es schaffen, aber es werde dauern, die 400 Milliarden zusätzliche Schulden abzubauen – „zehn Jahre“, so Scholz, der über das „Wie“ nichts sagt. Außer: Es werde nicht klappen, wenn Vielverdiener Steuersenkungen bekommen, wie es CDU und FDP wollen.

Olaf Scholz zum Wahlkampf in Göttingen: „Menschen müssen sich auf die Zukunft verlassen können“

Etwas tun will die SPD für Kinder – mit der Kindergrundsicherung, ebenfalls im Wohnungsbau mit jährlich 100.000 neu gebauten Sozialwohnungen, sowie für die Alterssicherung, auch derer, die jetzt in den Beruf starten. „Die Menschen müssen sich auf die Zukunft verlassen können.“ International müsse Deutschland stark bleiben, um die große „Menschheitsaufgabe Klimawandel“ zu bewältigen. Deutschland könne über eigene Ingenieurkunst damit Geld verdienen, auch bei der Versorgung mit alternativen Energien.

Olaf Scholz sagt in Göttingen nichts, was ihm und der im Umfrageaufwind segelnden SPD den Auftrieb nehmen könnte. Er bittet brav um die Stimmen, die der SPD zeigen würden: „Ihr sollt das machen.“ Und er mahnt: „Umfragen sind keine Wahlergebnisse.“ Denn er weiß: Seine Sozialdemokraten neigten in der Vergangenheit nach Top-Umfragewerten auch schon mal zum Hochmut. Dann lächelt Olaf Scholz und winkt. Er wirkt zuversichtlich.

Ganz anders Stephan Weil: Strahlend ruft er im Wahlkämpfer-Modus: „Begrüßen Sie den künftigen Bundeskanzler Olaf Scholz!“ Ebenso klar ist für ihn: „Petra Broistedt wird die künftige Göttinger Oberbürgermeisterin.“ (Thomas Kopietz)

Gerüchteküche im Bundestagswahlkampf brodelt: Sollte Olaf Scholz Bundeskanzler werden - wird dann Karl Lauterbach neuer Gesundheitsminister?

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