Sommerfrisuren für Alpakas der Göttinger Max-Planck-Wissenschaftler

Spezialist am Werk: Die Alpaka-Herde des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie hatte einen „Friseurtermin“. Foto: Niemann

Göttingen. Zur Mannschaft des Göttinger Max-Planck-Instituts gehören nicht nur Wissenschaftler, sondern auch eine Alpaka-Herde. Die Tiere bekamen jetzt einen sommertauglichen Kurzhaarschnitt.

Das Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie ist vor allem dafür berühmt, dass es mit Manfred Eigen, Erwin Neher und Stefan Hell bereits drei Nobelpreisträger hervorgebracht hat.

Das Institut beherbergt aber nicht nur große Namen, sondern auch große Tiere: Eine zehnköpfige Alpaka-Herde hilft den Max-Planck-Wissenschaftlern bei der Erforschung von Zellstrukturen. Die Tiere haben einen relativ bequemen Job. Sie bekommen ab und zu eine Impfung und lassen sich regelmäßig etwas Blut abzapfen. Ansonsten steht einmal im Jahr noch ein Friseurtermin an. Jetzt war es wieder soweit: Ein Schurspezialist verpasste den langbeinigen Damen einen sommertauglichen Kurzhaarschnitt.

Die ursprünglich in den Anden beheimateten Tiere müssen geschoren werden, damit es ihnen im Sommer nicht zu warm wird. „Alpaka-Wolle ist wesentlich wärmer und leichter als Schafwolle“, erläutert die Leiterin des Tierhauses, Ulrike Teichmann. Allerdings ist die Schur sehr viel schwieriger und anstrengender. „Schafe haben Wollfett, das flutscht besser“, erklärt der auf Alpakas spezialisierte Scherer Peter Pfeiffer. Alpakas gehören zur Familie der Kamele.

Alpakas gelten als ruhige und friedliche Tiere. Ohne Widerstand zu leisten, lassen sich Olga, Rita und Co. auf den Spezialtisch hieven und an den Hinter- und Vorderbeinen festbinden. Dann legt Pfeiffer los. Erst kommt die Seitenpartie dran. „Das ist die hochwertigste Wolle“, erklärt der Alpaka-Spezialist.

Tierschutzbeauftragte Sarah Kimmina nutzt die Schurprozedur dazu, die Alpakas einem Gesundheitscheck zu unterziehen. Tierhaus-Leiterin Ulrike Teichmann sammelt das dicke Vlies ein und packt es in einen Beutel. „Olga hat die dichteste und schönste Wolle“, schwärmt sie.

Spezielle Antikörper 

Die Max-Planck-Forscher halten die Alpakas nicht wegen der Wolle, sondern weil sie eine Eigenschaft besitzen, die unter den Säugetieren einzigartig ist: Alpakas produzieren eine spezielle Antikörpervariante, die neue Einsatzmöglichkeiten für die Molekularbiologie eröffnet. Diese Antikörper haben den Vorteil, dass sie deutlich kleiner, leichter und weniger komplex als die „klassischen“ Antikörper sind und man sie mit Hilfe von molekularbiologischen Verfahren zu so genannten „Nanobodies“ verkleinern kann. Dies ermöglicht neue Einblicke in molekulare Strukturen und Prozesse.

Die Alpakas müssen für diese Grundlagenforschung nur ab und zu einen Piks über sich ergehen lassen. Erst werden sie ähnlich wie bei einer Grippeschutzimpfung mit dem Antigen geimpft, das gerade im Visier der Forscher ist. Wenn ihr Immunsystem dagegen die entsprechenden Antikörper bildet, wird den Alpakas eine Blutprobe entnommen. Daraus isolieren die Forscher dann die Baupläne der Antikörper, die das entsprechende Antigen erkennen. Diese lassen sich dann mit Hilfe von Bakterien in unbegrenzter Zahl vermehren.

Sommerfrisuren für Alpakas der Göttinger Max-Planck-Wissenschaftler

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.