In völliger Finsternis

Sonde Dawn: Göttinger Kamera entdeckt Eis auf dem Zwergplaneten Ceres

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Reise in den Asteroidengürtel: Die amerikanische Raumsonde Dawn. Nach acht Jahren und fast fünf Milliarden Kilometern erreichte Dawn den Zwergplaneten Ceres – an Bord der Sonde sind Kameras, die auch in Göttingen konstruiert wurden. 

Göttingen. Göttinger Kameras haben im Weltraum ein Kunststück vollbracht: An Bord der US-Raumsonde Dawn haben sie im Norden auf dem Zwergplaneten Ceres Eisflächen entdeckt.

Und das, obwohl dort fast völlige Finsternis herrscht.

Seit März 2015 kreist Dawn zwischen Mars und Jupiter im Asteroidengürtel um den Zwergplaneten Ceres. Mit ihren „Framing Cameras“ vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) hat die Sonde den Zwergplaneten dabei ins Visier genommen. Dank der beiden identischen Dawn-Bordkameras ist Ceres seitdem praktisch vollständig kartiert worden.

Kleinster Zwergplanet

Ceres ist mit einem mittleren Äquatordurchmesser von 963 km der kleinste bekannte Zwergplanet und das größte Objekt im Asteroidengürtel. Sie ist nach der römischen Göttin des Ackerbaus benannt.

Suche nach Eis

Krater: Die Aufnahmen der Nasa-Raumsonde Dawn zeigt den Krater Kupalo. Dort sind auch helle Ablagerungen zu sehen – aus Salz und Eis. 

In einer aktuellen Studie berichtet ein Team, geleitet von MPS-Wissenschaftlern, über Ceres’ hohen Norden. Dort herrscht auch aufgrund der Achsenneigung des Asteroiden Finsternis, kein Sonnenlicht erreicht die Krater-Vertiefungen. Die Stellen werden zwar nie direkt von der Sonne beschienen, geringe Mengen Streulicht aber, das von direkt beleuchteten Kraterwällen reflektiert wird, fällt doch dorthin. Dieses schwache Licht kann die Kamera nutzen und in die Dunkelheit spähen. Dabei ist sie auf helle Ablagerungen gestoßen – gefrorenes Wasser.

Zehn Krater mit Eis

Die Fahndung nach den Eisablagerungen ist Fleißarbeit: Von den 634 identifizierten Kratern mit permanenten Dunkelgebieten, wurden auf den Fotos zehn Krater gefunden, die auffällig helle Stellen in ihrem Innern zeigen.

Auf Ceres wurde zum zweiten Mal gefrorenes Wasser an der Oberfläche aufgespürt. Die Resultate reihen sich in Messungen des Herschel-Teleskops der Europäischen Weltraumbehörde ESA ein, das 2014 Wasserdampf in der Nähe von Ceres gemessen hat. Zudem konnten im Dezember 2015 Göttinger Max-Planck-Forscher mit den Kameras Dunst über äquatornäheren Kratern messen – ein Hinweis auf dampfförmiges Wasser.

Eigenes gefrorenes Wasser

„Eisvorkommen sind von den Polgebieten unseres Mondes und des Planeten Merkur bekannt, beide Körper sind ebenfalls atmosphärelos. Diese Eisablagerungen werden durch externe Einflüsse erklärt, so durch Einschläge eishaltiger Körper wie Kometen“, sagt Andreas Nathues, Leiter des Kamera-Experiments am MPS.

„Auf Ceres hingegen ist das Eis in den polnahen Kratern wahrscheinlich einheimisch, es stammt ursprünglich überwiegend von Ceres selbst“, sagt Thomas Platz vom Göttinger MPS, der Erstautor der neuen Studie. (tko/mps)

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