Mit Technik aus der Unistadt

Sonde Rosetta landet am Mittwoch: Fluch und Segen der Kometen

Sorgte für Riesenbegeisterung: Ein Foto des Kometen Halley, das am 19. März 1986 von der Forschungssonde „Giotto“ gemacht wurde. Bereits 1910 war der Komet vom Lowell Observatorium fotografiert worden. Foto: dpa

Göttingen. Lange fürchteten die Menschen den Kometenschweif am Himmel als böses Omen. Kometen kündeten von Tod und Zerstörung, wie dem Ausbruch des Vesuvs samt des Untergangs Pompeji´s im Jahr 79 oder dem Ausbruch der Pest 1635. Die Raumsonde Rosetta mit Teilen aus Göttingen liefert klärende Bilder.

Selbst die Christen werteten die leicht zu beobachtenden Himmelserscheinungen auch als Boten von Gottes Wille, wie im Lukas-Evangelium zu lesen ist.

Abergläubige Menschen mögen Kometen noch immer nicht, Wissenschaftler sehr wohl: Für sie sind die regelmäßig ihre Bahn ziehenden Himmelskörper hochinteressante und dazu erreichbare Forschungsobjekte. Warum? Sie bergen das Geheimnis um die Entstehung unseres Sonnensystems in sich, weil sie seit 4,6 Milliarden Jahren durchs All rasen - mal als Eisklotz in fernen Ecken, mal heiß und Materie schleudernd der Sonne nah - einen Schweif nach sich ziehend. Kometen sind die Träger der Urmaterie unserer Planeten.

Nicht von ungefähr investieren die großen Weltraumagenturen Milliardensummen in die Erforschung - dafür steht die europäische Raumsonden-Mission Rosetta. 1,3 Milliarden Euro schluckt das ESA-Projekt, das seit 20 Jahren auch am Göttinger und vormals Katlenburg-Lindauer Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) entwickelt und vor zehn Jahren mit einer Ariane-5-Rakete ins All geschossen wurde. Es ist bahnbrechend in der Erforschung der Kometen: Rosetta wird am Mittwoch ein mobiles Labor mittels der Landeinheit Philae auf der Oberfläche des Kometenkerns „67P/Churyumow-Gerasimenko“ absetzen und sicher neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Kometen gewinnen.

Die beteiligten Wissenschaftler - und nicht nur sie - schauen mittlerweile gebannt auf die Fotos, die das in Göttingen realisierte und betreute Kamerasystem Osiris über den Orbiter Rosetta beständig zur Erde funkt.

Diese Fotos, teilweise aus einer Entfernung von weniger als zehn Kilometern gemacht, haben die Vorstellungen der Wissenschaftler verändert. „Einiges hatten wir so nicht erwartet“, sagt Hermann Böhnhardt vom MPS, der zum erlesenen Zirkel der verantwortlichen Ingenieure und Wissenschaftler zählt.

Die Vorstellungen der Forscher basierten auf Fotos und Messungen von Vormissionen wie „Giotto“ oder „Deep Impact“. „Man ging von einer relativ festen Oberfläche aus - wir wissen jetzt aufgrund der Fotos: das muss nicht so sein“, schildert Böhnhardt. Für ihn - und viele Wissenschaftler - aber steht eine Frage obenan: „Können wir organisches Leben nachweisen?“ Der vorsichtige Böhnhardt geht davon aus.

Ab Mittwoch dürfte damit der „67P/Churyumow-Gerasimenko“ fast so berühmt sein wie der Halleysche Komet, auch wenn der Milliarden Jahre alte Halley schon mehrfach sogar künstlerisch unsterblich wurde: so auf dem Teppich von Bayeux. Damals 1066 soll er die Niederlage der Angelsachsen in der Schlacht von Hastings angekündigt haben. Die Botschaften des „Tschury“, wie ihn die Forscher liebevoll nennen, dürften weitaus positiver sein.

Von Thomas Kopietz

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