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Sonnenteleskop-Ballon-Mission: Wetterbedingungen bereiten Probleme

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Von: Thomas Kopietz

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Trotz der Größe ein Leichtgewicht: Die Gondel der Ballon-Mission „Sunrise III“ mit Teleskop und drei Messgeräten – hier bei einem Test im Oktober 2021 in Göttingen – wiegt nur 376 Kilogramm. Die Internationale Mission wird vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) koordiniert.
Trotz der Größe ein Leichtgewicht: Die Gondel der Ballon-Mission „Sunrise III“ mit Teleskop und drei Messgeräten – hier bei einem Test im Oktober 2021 in Göttingen – wiegt nur 376 Kilogramm. Die Internationale Mission wird vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) koordiniert. © Thomas Kopietz

Das größte Sonnenteleskop Sunrise III hat die Generalprobe bestanden und soll nun an den Start gehen – doch die Wettervorhersagen sorgen für Probleme.

Göttingen – Eigentlich sollte das größte Sonnenteleskop Sunrise III schon längst auf seiner Extrem-Ballonfahrt unterwegs sein. Doch Probleme verschiedenster Art verhinderten den Start, der jetzt kurz bevorsteht, wie die Wissenschaftler am federführenden Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) verkünden.

Am Montagmorgen glückt die Generalprobe. Wenn das Wetter es zulässt, könnte Sunrise III in den nächsten Tagen abheben. Aber: Das Startfenster dafür ist denkbar klein. Denn nun könnte der Wind die Hoffnungen verwehen.

Aktuelle Wettervorhersagen bereiten Sorgen

In den vergangenen Wochen hatten erst die weltweiten Logistikprobleme der Mission zu schaffen gemacht; auf die Ankunft des Ballons und des Heliums in Kiruna musste das Team lange warten.

Derzeit sind die Wetterbedingungen vor Ort wechselhaft, erlauben aber nach aktuellem Stand einzelne Startfenster in der zweiten Wochenhälfte. Das nächste Startfenster ist für XL-Calibur, eine amerikanische Ballonmission, reserviert. Die zweite Startmöglichkeit ist für Sunrise III vorgesehen.

Sorgen bereiten dem Team allerdings die aktuellen Vorhersagen der Meteorologen vor Ort. Demnach könnten die stratosphärischen Winde, die Sunrise III sicher nach Kanada tragen sollen, bereits in wenigen Tagen abreißen.

Hochleistungsteleskop wird in die Stratosphäre geliftet

Auf der Raketen- und Ballonbasis „Esrange Space Center“ im nordschwedischen Kiruna lief am Montag der „Compatability Test“. Dafür hat das Sonnenobservatorium den Hangar verlassen. Dort war es zuvor wochenlang für den Tag X getrimmt worden, hatte seine endgültige Flugkonfiguration erhalten und am Boden bewiesen, dass alle Systeme unter Flugbedingungen reibungslos funktionieren.

Die sechs Meter hohe Gondel mit dem Hochleistungsteleskop wird von einem riesigen Heliumballon mit einer Folienfläche von 52 000 Quadratmeter – das entspricht sechseinhalb Fußballplätzen – in die Stratosphäre der Erde geliftet.

Dort, in 35 Kilometer Höhe, hat Sunrise III den Großteil der Erdatmosphäre unter sich gelassen und Zugang zur ultravioletten Sonnenstrahlung. Die Sicht wird zudem nicht von Luftturbulenzen getrübt. Deshalb läuft die Mission auch um die Tage der Mitternachtssonne. Die ermöglicht eine ununterbrochene Sicht auf die Sonne.

Diese Bedingungen und das größte je an einem Ballon – mit einem 1-Meter-Spiegel– gestartete Teleskop sollen besonders scharfe Aufnahmen unseres Sterns im ultravioletten Licht ermöglichen. Ergebnis wäre dann der einzigartige Blick in die von den Forschern fokussierte sowie für sie noch rätselhafte Chromosphäre der Sonne.

Für den stets scharfen Sonnenblick sorgt eine ausgeklügelte Bildstabilisierung. Selbst vom schwankenden Ballon aus sind so hochpräzise Aufzeichnungen möglich. Wollte ein Sportschütze ähnlich wackelfrei schießen, müsste er das Gerät so ruhig halten, dass der Schuss auf sieben Kilometer Distanz um maximal Haardicke abgelenkt wird.

Landeziel: „unbewohntes Gebiet in Nord-Kanada“

Dass es dazu kommt, ist die große Hoffnung der Göttinger MPS-Forscher um Projektleiter Prof. Sami Solanki und den vielen Kollegen im Ausland, so an der Johns Hopkins Universität (USA), wo die Kanzel gebaut wurde.

Wenn Sunrise III an dem Riesen-Heliumballon abhebt, dann wird die Kanzel vermutlich nach fünf bis sieben Tagen Forschungsflug in der Stratosphäre wieder hinabschweben zur Erdoberfläche. Als Landepunkt ist „unbewohntes Gebiet in Nord-Kanada“ vorgesehen. Aber vorher muss es erst einmal zügig aufwärtsgehen: ab Kiruna. (Thomas Kopietz)

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