Kreistag: Sorge um Mündener Grotefend-Gymnasium wegen Attraktivitätsverlusts

Das Grotefend-Gymnasium in Hann. Münden (Foto) war Thema im Kreistag. Schulleiterin Heidrun Korsch äußerte sich in der Fragestunde kritisch zum neuen gemeinsamen Schulbezirk. Sie befürchtet einen Attraktivätsverlust für ihr Gymnasium als auch für das Gymnasium in Duderstadt. Foto: Krischmann

Göttingen/Hann. Münden. Kontroverse im Kreistag um den gemeinsamen Schulbezirk: Abgeordnete aus Münden befürchten, dass das Grotefend-Gymnasium Schüler verliert.

Der Altkreis Göttingen und die Stadt Göttingen werden vom Beginn des Schuljahres 2015/16 einen gemeinsamen Schulbezirk bilden. Für Eltern im ländlichen Raum bedeutet dies, dass sie eine größere Auswahl von Schulen nutzen können, auf die sie ihre Kinder schicken können. Das beschloss der Kreistag in seiner Sitzung am Freitag im Neuen Rathaus der Unistadt mit großer Mehrheit.

Dagegen stimmten unter anderem die beiden Hann. Mündener Abgeordneten Irmtraud Gralla (CDU) und Dr. Joachim Atzert (SPD). Sie sorgen sich um einen Attraktivitätsverlust des Mündener Grotefend-Gymnasiums, weil sie durch eine Abwanderung von möglichen Schülerinnen und Schülern insbesondere aus dem Raum Dransfeld nach Göttingen eine Ausdünnung des schulischen Angebots befürchten.

Edeltraud Wucherpfennig

Die Schulleiterin des Grotefend-Gymnasiums, Heidrun Korsch, brachte in der Fragestunde der Sitzung noch vor der anschließenden Debatte und Abstimmung in einem kämpferischen Beitrag ihre Sorgen zum Ausdruck, dass durch die Aufhebung der Schulbezirke sowohl ihr Gymnasium als auch das Gymnasium in Duderstadt Schüler verlieren und damit der Schule ein Attraktivitätsverlust drohe. „Unsere Angebotsvielfalt hängt von den Schülerzahlen ab.“

Irmtraud Gralla (CDU) unterstützte die Schulleiterin. „Dieser Beschluss schwächt den ländlichen Raum und geht zu Lasten von Hann. Münden und den umliegenden Gemeinden.“ Ihr Kollege von der SPD, Dr. Joachim Atzert, der als Studiendirektor am Grotefend-Gymnasium arbeitet und sich selbst an der Debatte nicht beteiligte, offenbar aus Rücksicht auf seine Fraktion, äußerte sich am Rande der Sitzung ähnlich. „Wir können nicht mit Göttingen konkurrieren und müssen deshalb unseren Standort schützen.“ Für die Attraktivität der Schule sei Planungssicherheit unerlässlich.

Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhard Dierkes (Bilshausen) sagte, er glaube nicht, dass die Aufhebung der Einzugsbereiche bei den Gymnasien in Hann.Münden und Duderstadt großen Schaden anrichten werde. Vielmehr werde der Besuch von Schulen in Göttingen durch Schülerinnen und Schüler aus dem Umland „legalisiert“.

Irmtraud Gralla

Die SPD-Kreistagsvorsitzende Edeltraud Wucherpfennig (Seulingen) betonte, es gehe nicht darum, „irgendwelchen Schulen das Leben schwer zu machen“, sondern ein Stück zur Chancengleichheit zwischen Land und Stadt beizutragen. „In Bernshausen hat man nur eine Möglichkeit, das Abitur zu machen, in Göttingen dagegen elf.“

Die schulpolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion, Sigrid Jacobi (Bilshausen), sagte, es gehe nicht um die beiden Gymnasien, vielmehr würde der Kreis den Eltern das Wahlrecht für den Schulbesuch ihrer Kinder geben.

Dr. Eckhard Fascher (Linke) begrüßte den Beschluss. Jetzt habe jedes Kind die Chance auf den Besuch einer Gesamtschule.

Von Hans-Peter Niesen

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