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„Kampfmoral ist hoch“: Sorge über den russischen Aufmarsch an der ukrainischen Grenze

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Von: Michael Caspar

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Eine Frau (Ukrainerin) steht in einem Büro der Ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde in Göttingen.
Betet für Frieden: Kvitoslava Hampe von der Ukrainisch griechisch-katholischen Gemeinde in Göttingen. © Michael Caspar

Der Aufmarsch russischer Truppen an den Grenzen zur Ukraine beschäftigt auch Menschen in Göttingen. „Die Lage ist ernster als während der Kuba-Krise“, sagt ein Experte.

Göttingen – Russland pokert in der Ukraine-Krise, setzt auf ein Einknicken des Westens, sagt der Göttinger Historiker Dr. Alfred Eisfeld. Von Deutschlands Haltung irritiert zeigt sich Ukrainerin Kvitoslava Hampe. „Russland hat an den Grenzen zur Ukraine mehr als 100.000 Soldaten zusammengezogen und Deutschland liefert uns anstelle von Waffen 5.000 Schutzhelme“, sagt Hampe fassungslos. Die Unternehmerin, die mit einem Deutschen verheiratet ist, gehört zu den 650 Ukrainern in Göttingen.

„Die Lage ist ernster als 1962 während der Kuba-Krise, als USA und Sowjetunion kurz vor einem Atomkrieg standen“, meint Historiker Eisfeld. Der Russlanddeutsche leitet beim Göttinger Arbeitskreis geschäftsführend das Institut für Deutschland- und Osteuropaforschung.

Russland-Ukraine-Konflikt: „Kampfmoral der Ukrainer ist hoch“

„Das ukrainische Militär ist heute viel stärker als 2014, als Russland die Krim annektierte und den Aufstand prorussischer Milizen in der Ostukraine unterstützte“, berichtet Hampe, die aus dem westukrainischen Lemberg stammt. „Die Kampfmoral der Ukrainer ist hoch“, bestätigt Historiker Eisfeld. Die Soldaten könnten mit ihren – vor kurzem gelieferten – amerikanischen und britischen Panzerabwehrwaffen wirksam Widerstand gegen russische Truppen leisten. Komme es zum Krieg, gebe es „tausende Tote“.

„Der russische Präsident setzt darauf, dass der Westen am Ende nachgibt, auch um einen möglichen Atomkrieg zu vermeiden“, führt Eisfeld aus. „Die Deutschen tun sich aufgrund der Verbrechen der Nazis in der Sowjetunion schwer mit einer klaren Haltung gegenüber Russland“, meint Ukrainerin Hampe. „Dabei waren es vor allem die Ukraine und Belarus, die unter der deutschen Besatzung gelitten haben“, ergänzt Historiker Eisfeld.

Russland-Ukraine-Konflikt: Mahnungen überzeugen Wissenschaftler nicht

Den Wissenschaftler überzeugen auch die Mahnungen nicht, dass der Westen Russlands Sicherheitsinteressen respektieren müsse. Präsident Wladimir Putin träume von der Wiederherstellung der alten Sowjetmacht, wolle Russland wieder mit den „slawischen Brudervölkern“ in der Ukraine und Belarus vereinen, erhebe territoriale Ansprüche gegen Länder wie Georgien oder Kasachstan und lehne die Unabhängigkeit der drei baltischen Staaten ab.

„Putin will eine Aufnahme der Ukraine in die EU und die Nato um jeden Preis verhindern“, betont der Eisfeld. Dabei reiche es ihm nicht, dass er über reiche Oligarchen ohnehin schon „großen Einfluss“ in der Ukraine habe. Die auf ihren eigenen Vorteil bedachten Wirtschaftsmagnaten verhinderten zudem, dass der ukrainische Staat die Korruption wirksam bekämpfe und die Justiz reformiere. Beides seien wiederum unabdingbare Voraussetzungen für eine weitere Annäherung der Ukraine an den Westen.

Hampe beteiligt sich derweil jeden Morgen an einem Friedengebet der Ukrainisch griechisch-katholischen Kirche, der viele Westukrainer angehören. In Göttingen gibt es eine Gemeinde mit 40 Mitgliedern. Ihr gehören auch Russen an, denen die Russisch-Orthodoxe Kirche zu putinnah ist. (Michael Caspar)

Am Mittwochmorgen (16.02.2022) hat Russland ein Manöver-Ende auf der Krim verkündet.

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