Sorgen ums Männerwohnheim - Stadt wünscht ein neues Konzept

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Zentrale Lage: Das städtische Haus in der Unteren Masch, in dem die Heilsarmee ein Wohn- und Betreuungsheim für Männer betreibt. Nun gibt es Diskussionen um die Zukunft des Hauses.

Göttingen. Es ist ein stattliches Gebäude an exponierter Stelle in der Innenstadt, in dem die Heilsarmee Wohn- und Aufenthaltsräume, auch Mahlzeiten für hilfsbedürftige und obdachlose Männer anbietet. Ob es das noch weiter geben kann, ist fraglich.

Heute wird über die Zukunft des Hauses in der Uneren Masch/Platz der Synagoge und somit der Einrichtung entschieden.

Konkret verhandeln die Vertreter der Stadt und des Wohnheimträgers Heilsarmee um ein neues Konzept, das die Stadt gerne verwirklicht sehen möchte, was im Haus aber kritisch beurteilt wird.

„Man muss sich fragen, ob das Konzept so noch zeitgemäß ist?“, sagt Stadt-Pressesprecher Detlef Johannson. So könnte ein Wechsel von der teuren stationären Betreuung hin zu einer ambulanten sinnvoll sein. Die Bewohner könnten dann relativ selbstständig in Einzelappartements wohnen. Auch gäbe es immer mehr obdachlose Frauen in der Stadt, für die ein Quartier wichtig wäre. Dass für einen Umbau viel Geld nötig wäre, weiß man im Rathaus.

„Das würde bei dem schlechten Bauzustand des Hauses vier bis fünf Millionen Euro kosten und sich nicht lohnen“, sagt die Wohnheim-Leiterin, Esther Gulde. Mit dem Geld könne man 15 Dauerplätze acht Jahre finanzieren, das sei sinnvoller als ein Umbau, rechnet Gulde hoch. Für die Sozialpädagogin ginge eine solche Investition an der Zielgruppe vorbei. „Das wollen die Bewohner gar nicht.“

Gulde wundert sich auch, dass die Stadt Konzepte parat habe, aber noch nicht mit dem Träger gesprochen hat. „Ich fürchte jetzt bleibt der Heilsarmee nur die Wahl zwischen dem Ja- und Nein-Sagen.“ So droht laut Leiterin Gulde eine Kündigung zum 31. März und der Auszug sechs Monate später.

Damit würden sich Gerüchte bestätigen, die in der Stadt und im Internet kursieren. Die Stadt will den Mietvertrag kündigen und/oder verkaufen. „Alles Gerüchte ohne Inhalt. Wir werden nicht verkaufen“, dementiert Detlef Johannson und Oberbürgermeister Wolfgang Meyer ergänzt: „Planungen in dieser Hinsicht gibt es nicht. Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen.“ Ohne ein neues Konzept aber könnte es bei den Defiziten bleiben, fürchten die Stadtverantwortlichen. Sozialdezernentin Dagmar Schlapheit-Beck wolle die Einrichtung nun in den nächsten Monaten beobachten.

Von Thomas Kopietz

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