Soundcheck-Festival

NDR-2-Programmchef Torsten Engel im Interview: „Die Stadthalle fehlt uns“

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Verantwortlich für das Soundcheck-Festival: NDR-2-Programmchef Torsten Engel vor der City-Stage am Schützenplatz in Göttingen. 

Mehr Konzerte, eine größere Open-Air-Bühne, eine neue Spielstätte und ein schöner Schützenplatz beim NDR-2-Soundcheck-Festival. Dazu ein Interview.

Göttingen -  Seit acht Jahren lockt im September das NDR-2-Soundcheck-Festival Neue Musik“ Zehntausende zu den Konzerten in Göttingen. 

Diesmal kamen 25.000  Besucher – auch, weil beim Soundcheck absolut hochklassike Musiker am Start waren und sind – Ed Sheeran und Sam Smith lassen grüßen. Wir sprachen mit NDR-2-Progammchef Torsten Engel.

Mit dem Umzug auf den Schützenplatz war der Aufwand 2019 immens. Hat sich das gelohnt?

Ich bin sehr froh und stolz, dass es so geklappt hat, wie wir es uns vorgestellt haben, mit der Ausweichfläche, die wir uns ja nicht ausgesucht haben, die entstanden ist durch die Sanierungen von Jungen Theater und Stadthalle samt des nicht mehr nutzbaren Albaniplatzes. Ich bin sehr stolz auf das, was meine Mitarbeiter, unsere Agentur und die Stadt gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Es waren zwei Jahre Planung und es war ein echter Kraftakt. Das Gelände ist mit den Wänden echt gelungen, weil es zuvor ja ein nicht begrenzter, normaler Schützenplatz war.

Der Platz war aber nicht immer voll..

Ich hätte mir gewünscht, dass die Göttinger und die Menschen aus dem Umland den Platz mit der City Stage noch mehr angenommen hätten. Am Donnerstagabend war es sehr voll. Am Freitag wetterbedingt nicht so.

Auf der City Stage war noch mehr Qualität..

Absolut. Wir wollten, wenn wir einen neuen Platz haben, diesen auch noch attraktiver vom Bühnenprogramm her machen mit mehr Auftritten und mit starken Bands. Durch den Wegfall des Jungen Theaters haben hier Gruppen gespielt, die sonst dort ihre Einzelkonzerte bekommen hätten. Fazit: Es war sehr sehr gut.

Wie war die Kooperation mit der Stadt?

Sie war sehr gut, mit allem, was wir geplant haben. Aber wir sehen auch, wir kommen an die Grenzen von dem, was wir als NDR 2 inklusive Bühnenprogramm stemmen können. Ich glaube, dass auch die Stadt noch einmal ein Stück weit nachlegen muss. Das ist ganz normal, bei so einem Riesenprojekt.

Wird die Veranstaltung noch einmal teurer?

Wir wissen, dass wir den Platz noch einmal bespielen werden. Viele der Dinge aus diesem Jahr, können wir so 2020 wieder nutzen – wie die Aufstellwände. Diese Ballung der Kosten entspannt sich dann im nächsten Jahr, einiges amortisiert sich mehr.

Sie hatten ja auch weniger Zuschauerkapazität..

Die Stadthalle fehlt uns. Die Halle 2 wurde zwar super hergerichet, dort hängt so viel Molton drin wie von hier bis Meppen, sie hat einen super Sound, aber auch 580 Plätze weniger als die Stadthalle, bei fünf Konzerten fehlt das Geld aus mehr als 2500 verkauften Karten. Mit diesem Verkauf würde uns das die Refinanzierung doch ein Stück leichter machen.

Zum Programm: die Jahre 2017 und 2018 boten eine hervorragende Qualität bei den Musikern. Wie sehen Sie das 2019?

Ich möchte keine Einzelbewertungen mehr abgeben: Das wäre so, als wenn ich zum Geburtstag viele Leute einlade und hinterher sage, das war mein liebster Gast. Aber: Das Gesamtniveau war sehr hoch und facettenreich. Sam Fender war ganz anders als Freya Ridings.

Hier starteten Riesenkarrieren wie von Sam Smith und Ed Sheeran. Wer startet von den Soundcheck-Künstlern diesmal durch?

Ich würde sage: Lewis Capaldi – der ist unfassbar gut.

Hier gibt es einen Altersmix im Publikum: von Enkel bis Opa ist alles vertreten – wie machen Sie das?

Wir suchen natürlich ein wenig danach aus. Es gibt drei Punkte: Die Musik muss stark sein und neu. Die Bands müssen aber auch einen Song haben, der im Radio schon gelaufen ist, sonst würden die Leute die Bands nicht kennen. Drittens müssen sie zu NDR 2 passen – und da der typische NDR-2-Hörer 49 plus irgendwas alt ist, müssen wir diesem etwas bieten. Deshalb bin ich nicht verwundert, dass es einen Altersmix bei den Konzerten gibt.

Was wird sich für 2020 verändern?

Da wir alles auf Links gedreht haben, werden wir sicher etwas machen müssen, das sind aber nur Verfeinerungen. Vom Look draußen werden wir nichts verändern. Wohl aber in den Abläufen, aber das sind Internas.

Was bedeutet der Soundcheck für NDR 2?

Wir fahren in Hamburg Notbesetzung. Es ist wie eine Klassenfahrt. Das Festival hat für uns eine große Bedeutung. Es gibt uns die Möglichkeit in einem Sendegebiet präsent zu sein, das Südniedersachsen heißt. Der NDR soll und muss überall unterwegs sein.

Bei manchen Veranstaltungen wechseln wir nach zwei Jahren. Wir haben uns entschieden, hier länger zu bleiben. Der Grund, warum wir es gemacht haben, ist auch, die Kompetenz von NDR 2 aufzuladen mit jungen Künstlern, und Neuentdeckungen. Das ist sehr gut gelungen, wie eine Evaluation zeigt. Wir saugen zudem viel Programm heraus – auf allen Ebenen wie Social-Media, für Hörfunk und Fernsehen. Wir messen auch mehr Social-Media-Traffic während des Festivals – auch, weil die Künstler ja etwas von uns teilen. 

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