Göttingens Oberbürgermeister-Kandidaten

Soziale Gerechtigkeit treibt ihn um - Schu (Die Linke) will Ärmere entlasten

Linken-Oberbürgermeisterkandidat Edgar Schu auf dem Waldspielplatz auf dem Hagenberg
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Linken-Oberbürgermeisterkandidat Edgar Schu auf dem Waldspielplatz auf dem Hagenberg: Dort spannt er gern einmal aus.

Ein Thema treibt Edgar Schu schon sein ganzes politisches Leben um: die soziale Gerechtigkeit.

Göttingen – Mit diesem Anspruch geht der 52-Jährige für die Göttinger Linke in das Rennen um den Chefsessel im Neuen Rathaus. Von mütterlicher Seite wurde ihm der Einsatz für andere in die Wiege gelegt. So gehörte sein Großvater zu den Mitbegründern der Bekennenden Kirche im Dritten Reich.

Schu gehört als Netzwerk-Koordinator zu den Vorkämpfern für den Mindestlohn in Deutschland. Schon 2005 organisierte er bundesweite Aktionstage dazu. In den Folgejahren brachte er das Thema bei den Gewerkschaften, zunächst bei Verdi und danach beim Deutschen Gewerkschaftsbund, ins Gespräch.

Deshalb freute er sich, dass 2014 der Mindestlohn Wirklichkeit wurde. In Kooperation mit dem Frankfurter Sozialwissenschaftler Prof. Rainer Roth, der sich für die Rücknahme der Kürzungen durch Hartz IV einsetzte, erreichte Schus Netzwerk eine Verbesserung für Kinder bei Hartz IV.

Kontakt zu den Linken bekam Schu durch eine Kampagne für die Anhebung des jährlichen Grundfreibetrages der Lohn- und Einkommenssteuer. Seine Forderung, die er über die Linke nun übernommen hat: 14 440 Euro statt wie bisher 9974 Euro steuerfrei. „Das ist das, was man zum Leben braucht, das wahre Existenzminimum“, ist Schu überzeugt.

Um eine Chance zu haben, seine Forderungen auch durchsetzen zu können, musste er sich auf die Partei einlassen. Dort ist ein Ziel, untere und mittlere Einkommen zu entlasten.

Gerechtigkeitslücken sieht er auch in Göttingen. So stört ihn massiv, dass die Städtische Wohnungsbau in der Regel etwa eine Million Euro pro Jahr als Gewinn an Stadt und Sparkasse abführt. „Ich will nicht, dass gebaut wird, um hohe Mieten zu erzielen.“ Außerdem gibt Schu als klares Ziel für eine bessere Wohnungspolitik in Göttingen aus, dass die Städtische Wohnungsbau angebotene Bauprojekte selbst realisiert anstatt sie abzulehnen.

Wie problematisch die Situation in der Uni-Stadt ist, macht der Ratspolitiker an einer Zahl fest: „Über 60 Prozent der Göttinger Bürger haben Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein.“ Mit dem roten Teppich, der den Privatinvestoren ausgerollt werde, komme es auch dazu, dass „Handwerker und Material“ abgegriffen werden. „Das lässt die Preise steigen“, ist Schu überzeugt.

Eine Trendwende strebt Schu als Oberbürgermeister auch beim Verkehr an. Zentrale Punkte dabei sind für ihn der Radverkehr und die Elektromobilität, aber mit geringer Motorleistung. So setzt er sich dafür ein, dass Lasten-E-Bikes stärkere Motoren haben dürfen, damit sie entsprechend dem EU-Recht höhere Gewichte bewegen können.

Außerdem fordert der Kommunalpolitiker für Pedelecs und E-Bikes eine Anhebung der erlaubten Geschwindigkeit für die Motorunterstützung von 25 auf 30 km/h beziehungsweise von 45 auf 50 km/h, damit sie im Verkehr besser mitschwimmen können. „Damit werden sie zur Alternative für das Auto.“ Schu selbst setzt für seine Touren durch die Stadt auf ein Rennrad – und ist dabei in der Regel mit Tempo 30 unterwegs. (Bernd Schlegel)

Drei Sätze zum Vervollständigen

Die Stadt Göttingen ist für mich... der Ort, in den ich vor 30 Jahren wegen des Studiums gekommen bin und mich seither in die Politik eingearbeitet habe, um etwas zu verändern.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme... (arbeitete schon vor Corona zu Hause) genieße ich in meiner Freizeit die Natur.

Wenn ich nicht Oberbürgermeister werde... ,so werde ich weiterhin in der Opposition dem nächsten Oberbürgermeister auf die Finger sehen.

ZUR PERSON

Edgar Schu (52) kam in Dortmund zur Welt, studierte Chemie in Göttingen und blieb in der Uni-Stadt. Sein Diplom machte er in Ökosystemforschung. Wegen eines Konflikts Im Zuge von politischen Protesten gegen Studiengebühren kam es damals nicht zu einer Promotion an der Uni Göttingen. In den 2000er-Jahren ist Schu als bundesweiter Koordinator von Sozialprotesten und bereits 2005 mit der Forderung eines gesetzlichen Mindestlohns bekannt geworden.

Schu wurde 2016 in den Göttinger Rat gewählt. Seine Arbeit als „Koordinator/Bewegungsarbeiter“ wird von Paten sowie von der „Bewegungsstiftung“ in Verden unterstützt. Edgar Schu ist ledig.

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