Sozialer Wohnungsbau in Rot

Rote Häuser auf den Zietenterrassen haben Zuwachs bekommen

Lücke ist zu: Die die nun bezugsfertigen neuen „Roten Häuser“ (links) und das sogenannte Kopfgebäude (rechts) mit Büros, Praxen, Wohnungen und einem Cafe’ im Alfred-Delp-Weg. Foto: Kopietz

Göttingen. Ausgerechnet auf einem ehemaligen Kasernengelände, den Zietenterrassen, sind vor zehn Jahren architektonisch aus dem Mietskasernenambiente herausragende Bauten, die „Roten Häuser“ am Alfred-Delp-Weg unter Regie der Städtischen Wohnungsbau GmbH entstanden. Am Montag werden drei weitere Häuser eingeweiht.

Die Bedingungen für den Bau waren limitiert: ein schmaler langer Streifen, dahinter eine Reihe mit Wohnblöcken, davor ein Hang. Die Roten Häuser sind dennoch mehr als eine Lückenbebauung geworden: markante, besondere Gebäude im sozialen Wohnungsbau.

Geplant hat sie der venezianische Architekt Sergio Pascolo in Kooperation mit der Wohnungsbau. Zunächst entstanden 2001 sechs Häuser, dann noch einmal vier und der Kopfbau mit Cafe’ und Praxis an der Ossietzky-Straße. Jetzt ist der Lückenschluss mit drei Gebäuden und mehr als 20 Wohnungen vollzogen, insgesamt sind es 98 Sozialwohnungen. Gesamtkosten: 15,4 Millionen Euro.

Für den Ex-Geschäftsführer und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler war das Projekt mit der Vergabe an einen kreativen Planer kein Risiko. Die Stadt stand dahinter. Heute ist der Alfred-Delp-Weg mit den viergeschossigen Häusern für Köhler ein Zeichen dafür, „wie sozialer Wohnungsbau sinnvoll, kostengünstig, hochwertig, innovativ und behindertengerecht gestaltet werden kann“.

Preisgekrönter Architekt: Sergio Pascolo

Mehr noch, Köhler sieht in dem Projekt ein Puzzle-Teil, den unteren Rahmen in der Gestaltung der Zietenterrassen. „Die Roten Häuser sind weit mehr als nur eine Baureihe, sie sind wichtig für das Gebiet.“ Und sie seien mit ihrer Vielseitigkeit ideal, böten alles von Ein- bis Fünfzimmerwohnungen. Innen zeichnen sich die Häuser durch eine hohe Raum- und Nutzungsflexibilität aus, wie Pascolo sagt, der optisch in Gestalt und Farbe ein Zeichen setzen wollte. Das kräftige Rot wirkte für viele ungewohnt, heute taucht es auch andernorts im Stadtgebiet auf. Pascolo hat die Farbe von den Ziegelhäusern in der Südstadt übernommen.

Optisch gewinnen die Häuser so an Leichtigkeit, auch durch eine Wölbung der Fassadenreihe zum Straßenverlauf. All das würdigte die Jury des „Architekturpreises Wohnen 2009“, den Pascolo gewann und der die „Roten Häuser“ in der Fachwelt bekannt machte.

Die Zieten-Anwohner und Bewohner identifizierten sich schnell mit den Häusern. Aber sie erst machten den Begriff Rote Häuser zu einem geflügelten Wort mit Strahlkraft.

Zehn Jahre später ist die Lücke geschlossen. Die Bauauflagen und damit die Kosten waren höher, die Ausführung damit eine veränderte: 2003 kostete ein Quadratmeter 1450 Euro, 2015 sind es 2200 Euro, wie Wohnungsbau-Geschäftsführerin Claudia Leuner-Haverich erklärt.

Architekt Sergio Pascolo hat mit dem Projekt auch eine, für die Städtische Wohnungsbau günstige, Blaupause geliefert: Ein Zwilling der Roten Häuser entsteht an der Jheringstraße: „Für das Projekt habe ich die Pläne leicht abgewandelt.“ Das flexible Grundmuster und das markante Äußere aber bleiben.

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