Sozialpädagogische Assistentinnen

Spanierinnen machen sich fit für Arbeit in Kitas

Qualifizieren sich für die Tätigkeit in einer Kindertagesstätte: die Spanierinnen (von links) Binu Seoane Mariscal, Marina Orts Pujalte und Andrea Juárez Polo mit Adelante!-Projektleiter Hendrik Abel.
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Qualifizieren sich für die Tätigkeit in einer Kindertagesstätte: die Spanierinnen (von links) Binu Seoane Mariscal, Marina Orts Pujalte und Andrea Juárez Polo mit Adelante!-Projektleiter Hendrik Abel.

Offene Stellen in Kindertagesstätten will das Fachkräftebündnis Südniedersachsen mit Sozialpädagogischen Assistentinnen aus Spanien besetzen.

Göttingen - Die Frauen absolvieren in Göttingen die Anpassungsqualifizierung Adelante! Sie wird vom Europäischen Sozialfond gefördert und von der städtischen Beschäftigungsförderung umsetzt.

Seit Oktober 2020 nutzt das Bündnis das Programm. Mit ihm erwerben bereits seit einigen Jahren Spanier betriebspraktische Kenntnisse in dualen Ausbildungsberufen. 2020 kamen erstmals sechs Assistentinnen nach Göttingen. Sie machten zunächst eine zweimonatige betriebliche Erprobung. Seither läuft die einjährige Qualitizierung.

„In Spanien einen Job in einer staatlichen Kindertagesstätte zu bekommen, ist schwer“, berichtet Adelante!-Teilnehmerin Belén Benito Elvira. Nur die besten Absolventen einer Zugangsprüfung erhalten ein Jobangebot. Sie verdienen dann 800 bis 900 Euro im Monat netto. Daneben gibt es private Einrichtungen mit schlechteren Konditionen. In Deutschland haben die Assistentinnen, deren zweijährige Ausbildung anerkannt wird, eine 35-Stunden-Woche und verdienen 1500 Euro netto.

„Die Anpassungsqualifizierung dient nicht zuletzt dem Spracherwerb“, sagt der Göttinger Adelante!-Projektleiter Hendrik Abel. Ein halbes Jahr Deutsch haben die Frauen bereits in Spanien gelernt und das B1-Niveau erreicht. Auch mit der Methodik deutscher Kita-Arbeit müssen sich die Spanierinnen vertraut machen.

„Die Kinder haben hier viel mehr Freiheiten als in Spanien“, berichtet Andrea Juárez Polo. Sie dürfen selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigten. In Spanien, wo Mitarbeiterinnen größere Gruppen betreuen, können die Frauen weniger auf Einzelwünsche eingehen.

„In Deutschland gibt es zudem, anders als in Spanien, altersgemische Gruppe“, hebt Binu Seoane Mariscal hervor. Zudem betreuen die Assistentinnen in ihrer Heimat nur Kinder bis zum Alter von drei Jahren. Drei- bis Fünfjährige besuchen die Vorschule. Wer dort arbeiten will, muss, wie Teilnehmerin Marina Orts Pujalte, studiert haben.

Eine Herausforderung: Viele der jungen Spanierinnen wohnen das erste mal nicht bei ihrer Familie. „Wir bringen sie unter anderem in Gastfamilien und Wohnheimen unter“, sagt Projektleiter Abel. Er und seine Kollegin, Uta Heinemann, unterstützen die Frauen – etwa bei Behördengängen.

Der Adelante!-Jahrgang 2020/21 hatte unter dem Corona-Lockdown zu leiden, der soziale Kontakte erschwerte. Eine Teilnehmerin brach ab. Die anderen fünf hielten durch und können sich vorstellen, nach Auslaufen des Projekts im November weiter in Deutschland zu arbeiten. Die Träger der Kindertagesstätten haben ihnen bereits Jobangebote gemacht.

„Die Frauen können sich auch zur Erzieherin weiterqualifizieren“, sagt Abel. Seine Kooperationspartner sind die Industrie- und Handelskammer Hannover, die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit, die Stiftung BCN Formacio Professional und das Sprachinstituts Humboldt. (Michael Caspar)

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