Im Spannungsfeld von Wolf und Mensch: Wenzel wünscht sich Miteinander

Keine Frage: ‘schöne Tiere: Zwei Wölfe stehen im Wisentgehege in Springe bei Hannover auf einem Wall. Foto: dpa

Göttingen. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) bemüht sich, die emotional geprägte Diskussion um das Vorkommen von Wölfen in Niedersachsen auf eine rationale Ebene zu ziehen.

In einem Gespräch mit der HNA in Hannover stellte Wenzel klar, dass der Schutz des Menschen und dessen Sicherheit oberste Priorität habe.

Sollten bestimmte Tiere aus einem Rudel oder auch als Einzelgänger auffallen, vor allem dadurch, dass sie Nutztiere wie Schafe reißen, dann könne man die Wölfe auch töten. Allerdings müssten die Betreiber von Nutztierherden zuvor alles zum Schutz ihrer Tiere getan haben.

Wolfsfreund: Umweltminister Stefan Wenzel.

Grundsätzlich bliebe das Vorkommen der Wölfe, die etwa 100 Jahre in Niedersachsen nicht vorhanden waren, im Gegensatz zu vielen ähnlich dicht bevölkerten Gebieten in Europa, ein nicht ganz auflösbares Spannungsfeld: „Wir schützen die Tiere auch per Gesetz. Und wir zahlen für den Schutz von Nutztierherden, wie Zäunen. Das aber wird niemals hundertprozentig gelingen.“

Die Auseinandersetzung um den Wolf sei letztlich auch eine Diskussion um Werte. Daran hätten ihn – sagt Wenzel – auch seine eigenen Kinder erinnert, mit der Frage: Warum ist es eigentlich gut, wenn der Mensch ein Schaf isst und böse, wenn der Wolf eines frisst?

Grundsätzlich sei das Vorkommen der Wölfe in Niedersachsen für den Wildbestand, der oft zu hoch sei, nicht schlecht. „Wölfe fressen Wildtiere und helfen die Bestände zu reduzieren.“

Laut Stefan Wenzel ist der Wolf kein Risiko: „Wildtierforscher sagen, dass von einem gesunden Wolf kein Risiko für den Menschen ausgeht.“

Auf die Frage nach einem Vorkommen in Südniedersachsen und auf den Grenzgebieten zu Thüringen und Nordhessen antwortete der Umweltminister: „Dort sind keine Wölfe bekannt. Aber die Gebiete, auch das waldreiche Nordhessen, wären natürlich für Wölfe ein geeignetes Umfeld.“

Wolfsfreund: Umweltminister Stefan Wenzel. Foto: nh

In Niedersachsen leben Stand August 2015 acht Wolfsrudel/-paare – die meisten auf Truppenübungsplätzen in der Lüneburger Heide zwischen Lüneburg, Uelzen und Celle, eines im Wendland und im Landkreis Cuxhaven. Tiere werden auch bei Meppen und in den Landkreisen Diepholz/Vechta gemeldet, dabei könnte es sich um ortsuntreue Einzeltiere handeln. Zudem gibt es immer wieder Sichtungen von Einzeltieren. Und: Es kam zu Fällen, dass Wölfe Schafe gerissen haben. Die Tierhalte protestierten, auch vor dem Landtag in Hannover.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.