Polizei unterstützt Projekt

Sparkasse Göttingen: Umschläge warnen Kunden vor Betrug

Neue Geldumschläge sollen den Betrug verhindern: (von links) Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Göttingen, Polizeihauptkommissar Marko Otte, Sparkassen-Kundenberaterin Claudia Ehrhardt und Göttingens Kripo-Chef Thomas Breyer stellten die Kuverts vor.
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Neue Geldumschläge sollen den Betrug verhindern: (von links) Rainer Hald, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Göttingen, Polizeihauptkommissar Marko Otte, Sparkassen-Kundenberaterin Claudia Ehrhardt und Göttingens Kripo-Chef Thomas Breyer stellten die Kuverts vor.

Jede Woche versuchen Trickbetrüger, vor allem Senioren um deren Erspartes zu bringen. Die Sparkasse Göttingen will ihre Kunden besser vor diesen Straftaten schützen und gibt größere Geldbeträge am Schalter oder an den Kassen ab sofort in speziellen Warn-Umschlägen aus.

Die neuen Kuverts wurden jetzt von Sparkasse und Polizei gemeinsam vorgestellt. Darauf sind sechs Fragen an die Kunden zu finden. Sollte bereits eine Frage zutreffen, so wird geraten, mit dem Kundenberater zu sprechen. Hier die sechs Fragen:

  • Haben Sie den Geldbetrag abgehoben, weil Sie angerufen worden sind?
  • Sollen Sie das Geld noch heute übergeben?
  • Hat der Anrufer Ihnen verboten über den wahren Zweck der Abhebung zu sprechen?
  • Hat sich der Anrufer als Familienangehöriger, Polizist, Arzt, Notar, Richter etc. ausgegeben?
  • Sollen Sie das Geld an eine unbekannte Person übergeben?
  • Sollen Sie etwas überweisen oder eine Geldkarte kaufen?

Alle Kundenberater und Mitarbeiter der Sparkasse Göttingen sind inzwischen mit Blick auf das Thema Betrug sensibilisiert, berichtet Vorstandsvorsitzender Rainer Hald. Die Sparkasse sponsert das Projekt, um die Kunden vor diesen Straftaten zu schützen. Außerdem sei die Auszahlung in der Filiale die letzte Chance, die Straftat zu verhindern. Die Straftäter gehen nach den Erfahrungen der Polizei äußerst geschickt vor und verstehen es, ihre Opfer regelrecht zu manipulieren. Sollten sie mit ihrer Masche Erfolg gehabt haben, machen sie in vielen Fällen so weiter, um noch mehr Geld zu erbeuten – bis das Opfer „blank“ ist.

Seit Jahren klärt Polizeihauptkommissar Marko Otte vom Präventionsteam der Polizeiinspektion Göttingen über die Täter und ihre Tricks auf. Wegen der Corona-Pandemie können allerdings die Vorträge, insbesondere in Senioreneinrichtungen, nicht stattfinden. Er kann sich vorstellen, dass auch andere Kreditinstitute dem Beispiel der Sparkasse Göttingen und den Umschlägen folgen.

806 Betrugsfälle im vergangenen Jahr

Die Polizeiinspektion registrierte im vergangenen Jahr 806 Betrugsfälle, bei denen vor allem Senioren ausgetrickst werden sollten. In 753 Fällen hatten die Täter keinen Erfolg. Doch am Ende gab es 53 Opfer. Der Schaden ist beträchtlich: In ganz Südniedersachsen erbeuteten die Täter etwa 3,1 Millionen Euro, davon entfielen allein auf die Masche des „falschen Polizeibeamten“ etwa 560 000 Euro. Die Täter passen ihre Legenden immer wieder an. (bsc)

Ein Fall aus Münden: Nach Schockanruf zur Bank

Göttingen/Hann.Münden – Größere Geldbeträge erhalten Kunden der Sparkasse Göttingen in speziellen Warn-Umschlägen. Das bewahrte ein älteres Ehepaar aus Hann. Münden Ende vergangener Woche vor einem größeren finanziellen Schaden.

Das Paar hatte einen sogenannten Schockanruf bekommen: Am Telefon war behauptet worden, dass die Tochter des Paares einen Unfall gehabt habe. Für eine Kaution würden nun 15 000 Euro benötigt, damit die Tochter nicht ins Gefängnis muss. Das Paar erschien daraufhin bei der Sparkassen-Filiale in Münden, um das Geld zu besorgen.

Dort waren die neuen Umschläge bereits vorrätig. Mitarbeiterinnen der Bank wunderten sich über die hohe Summe, die die beiden Kunden abheben wollten und suchten das Gespräch. So konnte gleichsam „in letzter Minute“ der Schaden verhindert werden. Die Polizei hat noch versucht, der Tätern auf die Spur zu kommen. Leider vergebens, denn die mutmaßlichen Betrüger brachen den Kontakt ab.

Ebenfalls in der vergangenen Woche verhinderte Claudia Ehrhardt von der Sparkassen-Filiale im Göttinger Stadtteil Grone einen Betrug. Eine Kundin wollte 7000 Euro abheben – die gesamten Ersparnisse. Die Mitarbeiterin sprach deshalb die Kundin an: „Es war sehr schwierig, die Frau davon zu überzeugen, dass sie einen Anruf von einem mutmaßlichen Betrüger bekommen hat“, so die Bank-Angestellte. Schließlich habe laut Display auf dem Telefon die „110“ angerufen, erzählte das Opfer. Selbst herbeigerufene Beamte der „echten“ Polizei hatten Schwierigkeiten, die Kundin zu überzeugen. Deshalb bieten die neuen Warn-Umschläge aus Sicht der Sparkassen-Mitarbeiterin die Chance, die mutmaßlichen Opfer leichter auf die Gefahren durch Betrug aufmerksam zu machen.

Thomas Breyer, Chef der Göttinger Kriminalpolizei, kennt die Tricks, mit denen die Betrüger versuchen, an das Geld der Opfer zu kommen. Jeden könne es treffen, ist er überzeugt. Folgende Tipps gibt die Polizei bei dubiosen Anrufen:

  • Seien Sie vorsichtig, wenn Sie jemand telefonisch um Geld bittet.
  • Legen Sie einfach den Telefonhörer auf, sobald ihr Gesprächspartner, häufig ein angeblicher Enkel, Geld von Ihnen fordert.
  • Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist. Rufen Sie ihn zurück.
  • Übergeben Sie niemals Geld an Ihnen unbekannte Personen.
  • Informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt (Notrufnummer 110).
  • Wenden Sie sich auf jeden Fall an die Polizei, wenn Sie Opfer geworden sind und erstatten Sie eine Anzeige.
  • Bei Fragen helfen die im Opferschutz besonders geschulten Beamtinnen und Beamte der örtlichen Polizei gern.

Weitere Informationen zu aktuellen Tricks und Maschen der Täter gibt es hier. (Bernd Schlegel)

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