80 Bürger demonstrierten

„Spaziergang“ gegen Corona-Schutzmaßnahmen: Virus ist nur ein „Schreckgespenst“

Menschengruppe mit Banner „Kein Raum für Querdenken“
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Stellten sich den „Spaziergängern“ in den Weg: Zahlreiche Gegendemonstranten versammelten sich vor dem Neuen Rathaus, unter anderem die Antifa.

Gegen die Corona-Schutzmaßnahmen haben 80 Bürgerinnen und Bürger am Montagabend in Göttingen mit einem „Spaziergang“ protestiert. Wir sprachen mit einigen von ihnen.

Göttingen – Bis zu 120 Gegendemonstranten stellten sich den „Spaziergängern“ in den Weg. Die Polizei hatte anderthalb Stunden lang damit zu tun, beide Gruppen auseinanderzuhalten.

Als „Schwurbler“ und „Aluhüte“, als „Antisemiten“ und „Nazis“ wurden die Corona-Protestler bereits an ihrem Treffpunkt vor dem Neuen Rathaus von Gegendemonstranten bezeichnet. Sprechchöre erklangen.

Unter anderem die Antifa, die Basisdemokratische Linke Göttingen und die Satirepartei „Die Partei“ hielten Banner und Plakate in die Höhe. Fahnen wurden geschwenkt. Die Polizei stellte sich schützend vor die „Spaziergänger“.

Nach einer halben Stunde setzten sich die Protestler bei strömendem Regen Richtung Innenstadt in Bewegung. Einige hielten brennende Kerzen. Sie stimmten Lieder an, sangen etwa „Die Gedanken sind frei“. Die Gegendemonstranten versuchten die „Spaziergänger“ aufzuhalten und zumindest abzudrängen.

Dabei kam es immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen, vereinzelt auch zu Schubsereien. In der Burgstraße warfen Gegendemonstranten den „Spaziergängern“ volle Mülleimer vor die Füße. Diese stellten sie wieder auf.

Man darf Meinung nicht mehr „frei äußern“

Er sei kein „Nazis“, beteuerte ein 54jähriger Protestler. Er habe Anfang der 80-er Jahre gegen die Nachrüstung demonstriert. Auch bei „Fridays for Future“-Demos sei er bereits mitgelaufen. Nun gehe er für seine „Bürgerrechte“ auf die Straße. Er habe das Gefühl, seine Meinung nicht mehr „frei sagen“ zu dürfen. Gegner der Corona-Maßnahmen würden in der Öffentlichkeit „diffarmiert“ und „fertig gemacht“. Sie fänden „in den Medien“ kein Gehör. Diese Ansicht äußerten auch andere Protestler.

Die immer lauteren Forderungen nach einer „Impfpflicht“ hatten eine 36-jährige Göttingerin auf die Straße gebracht. Sie habe „keine Lust“ an einem „Groß-Experiment“ teilzunehmen. Ein 59-jähriger Tischler und „Humanist“ betonte, dass er „mehr Angst“ vor den neuen mRNA-Impfstoffen als vor dem Corona-Virus habe. Er hätte nicht gedacht, dass einmal sein „Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit“ durch eine Impfpflicht in Frage gestellt werden würde.

Eine Frau erzählte erregt, dass ihr Ex-Mann die Impfung der bei ihr lebenden Kinder per Gerichtsbeschluss durchzusetzen versuche.

„Corona ist eine ernste Erkrankung, gegen die ich mich aber auch anders schützen kann“, stellte eine 47-jährige Krankenschwester klar, die nach eigenen Angaben auf einer Intensivstation für Kinder arbeitet. In ihrem Kollegenkreis wolle sich eine Minderheit nicht mit einem Lebendvakzin impfen lassen, darunter Ärzte. Mit Totimpfstoffen habe sie dagegen kein Problem, so die Göttingerin. Solchen Impfungen unterziehe sie sich „mehrmals im Jahr“ beim Betriebsarzt.

Andere „Spaziergänger“, die demonstrativ keine Maske trugen oder sie unter die Nase zogen, taten das Corona-Virus dagegen als „Schreckgespenst“ ab. Die Toten im italienischen Bergamo im April 2020 seien „die üblichen Grippeopfer“ gewesen, meinte etwa ein 33-Jähriger. (Michael Caspar)

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