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Kleine Spende mit großer Wirkung: In der UMG-Kinderklinik gibt es jetzt zwei „HelpiS“

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Von: Melanie Zimmermann

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Zwei Plüschtiere hängen an einem Infusionsständer
Die beiden Neuzugänge auf Station 4031 der UMG-Kinderklinik: Das Schaf und der Affe sollen künftig die Infusionsbeutel verdecken und den kleinen Patienten ihren Klinikaufenthalt angenehmer machen. © Melanie Zimmermann

In der Kinderklinik der Universitätsmedizin Göttingen gibt es auf Station 4031 zwei Neuzugänge: die plüschigen „HelpiS“.

Göttingen – Diese Plüschtiere haben es in sich – und das wortwörtlich: „HelpiS“ kommen als Schafe, Affen, Löwen, Pinguine oder Hasen und sind nicht nur zum kuscheln da. Sie sollen Kindern und Jugendlichen, deren Alltag von längeren Krankenhausaufenthalten geprägt ist, Mut machen, Trost spenden – und Infusionsbeutel verstecken.

Zwei Exemplare sind nun Dank der 19-jährigen Yeliz Taskin auf Station 4031 der Kinderklinik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) eingezogen, der Onkologie und Hämatologie. Die Göttingerin vertritt den Verein in der Uni-Stadt und übergab zwei erste HelpiS im Namen des Vereins an UMG-Stationsleiterin Simone Mascher. Stellvertretend für Patienten nahmen Illia (2) und Lukas (3) die beiden Plüschtiere entgegen.

Gruppenbild in einem Patientenzimmer auf Station der UMG-Kinderklinik.
Möchte den Verein HelpiS in Göttingen bekannt machen: Yeliz Taskin (links) zusammen mit Illia (2, Mitte) und Lukas (3, rechts) auf der Station 4031 der UMG-Kinderklinik. © Melanie Zimmermann

Göttingerin Yeliz Taskin vertritt den schweizer Verein „HelpiS“ und übergibt zwei Plüschtiere an UMG-Kinderklinik

Bei ihrem Besuch auf der Station der Kinderklinik hat die junge Frau neben den beiden HelpiS auch noch jede Menge Informationsmaterial dabei. Denn allzu bekannt ist der Verein „helpiS“, der seinen Ursprung in der Schweiz hat, in Deutschland noch nicht.

Was genau sind denn diese helpiS? Das sind mitunter persönliche, im Idealfall nicht übertragbare, waschbare Stofftiere, die durch die Netzhülle am Rücken Infusionen, Bluttransfusionen oder andere Medikamente vor Kinderaugen verdecken. Jedoch für das Pflegepersonal bleiben die Infusionsbeutel leicht einsehbar und durch das Design auch gut erreichbar.

Taskin selbst ist vor gut zwei Jahren auf den Verein aufmerksam geworden. Die 19-Jährige ist chronisch krank und weiß aus eigener Erfahrung gut, was es als Kind und Jugendliche bedeutet, längere Klinikaufenthalte durchmachen zu müssen.

2020 erleidet sie eine Herzmuskelentzündung. In dieser Zeit entdeckt sie den Verein in Sozialen Netzwerken und ist von der Idee hinter den Plüschtieren sofort überzeugt. „Ich habe Kontakt mit dem Verein aufgenommen, ihnen von meiner eigenen Geschichte erzählt“, sagt die 19-Jährige. Sie bekommt selber einen helpiS zugesandt, einen Löwen. „Den habe ich seitdem im Krankenhaus immer dabei.“

Gut versteckt: Von vorne ist diese Infusionsflasche nicht mehr sichtbar.
Gut versteckt: Von vorne ist diese Infusionsflasche nicht mehr sichtbar. Gleiches gilt für (Blut)-Transfusionen sowie Medikamente, die als Infusionen gegeben werden. © Melanie Zimmermann

Sie fasst den Entschluss, den Verein in Göttingen und der Umgebung bekannt zu machen und schlägt den Verantwortlichen in der Schweiz vor, im Namen des Vereins helpiS auf einer der Stationen der UMG-Kinderklinik zu überreichen. „Und deswegen sind wir heute hier“, freut sich die junge Göttingerin, dass Stationsleiterin Simone Marscher offen für ihre Idee war.

Und noch zwei auf der Station 4031 freuen sich an diesem Donnerstagvormittag über die Plüschtiere: Illia (2), Leukämiepatient und Lukas (3), Tumorpatient, nehmen die beiden ersten helpiS der Station gemeinsam mit ihren Müttern stellvertretend für alle Kinder und Jugendlichen in Empfang.

„Für unsere Patienten sind solche Aktionen immer eine schöne Abwechslung zum Klinikalltag“, weiß Simone Marscher. Ihre Station kann insgesamt zwölf Patientinnen und Patienten vom Säuglingsalter bis 18 Jahre aufnehmen. „Im Schnitt sind eigentilch immer zehn unserer Betten belegt“, sagt sie. Im Schnitt kommen pro Jahr zwischen 35 und 50 neuerkrankte Kinder und Jugendliche in die UMG.

Wunsch: Einen eigenen „HelpiS“ für jedes stationär aufgenommene Kind

„Es wäre natürlich sehr schön, wenn sich vielleicht Sponsoren finden ließen, die bereit sind, noch mehr solcher HelpiS bereitzustellen. Damit vielleicht wirklich jedes Kind seinen eigenen bekommt und ihn immer bei sich hat“, so Marscher.

Auch Yeliz Taskin hofft, mit ihrer kleinen aber sehr feinen Spendenaktion Interesse bei potenziellen Sponsoren zu wecken. „Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten als Sponsor“, so die 19-Jährige. Zum einen könne man eine bestimmte Anzahl erwerben und selber entscheiden, an welche Einrichtung man diese spendet. „Oder man kauft eine gewisse Anzahl und spendet sie dem Verein. Der entscheidet dann, welcher Klinik diese zugute kommen.“ (Melanie Zimmermann)

Die Geschichte hinter den „HelpiS“

Gründer des Vereins sind die Eltern von Samuel. Als bei ihrem Sohn im Juli 2019 mit nur 15 Jahren Krebs diagnostiziert wird, brach für die ganze Familie die Welt zusammen. „Wir beschlossen, alles zu tun, um die nächsten Monate im Krankenhaus und all die Behandlungen für Samuel so angenehm wie möglich zu gestalten“, ist auf der Homepage des Vereins zu lesen.

Trotzdem sie versuchten, auch die traurigen Momente im Krankenhaus mit Humor und Zusammengehörigkeit zu überstehen, bemerkte die Familie während der Therapien, dass bereits der Anblick der Medikamente am Infusionsständer für ihren Sohn furchtbar und angsteinflößend war. Sie deckten die Infusionsbeutel mit bunten Tüchern ab - die Geburtsstunde der HelpiS-Idee.

Die Designs sollen Kindern und Jugendlichen ihre Zeit im Krankenhaus angenehmer machen, indem sie zu ihrer schweren Erkrankung nicht auch noch zusätzlich von den Medikamenten eingeschüchtert werden.

Samuel erlag am 29. April 2021, im Alter von 17 Jahren, seinem Krebsleiden. Das „S“ in HelpiS steht für ihn und die Idee, die durch ihn entstanden ist.

helpis.ch

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