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Neue Spezialeinheit: Ermittler tauen "kalte Fälle" aus der Region auf

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Von: Bernd Schlegel

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ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Schreckschusspistole wird am 26.11.2015 in Aukrug(Schleswig-Holstein) abgefeuert. Foto: Carsten Rehder/dpa (zu: "Umfrage: Große Sorge vor Einbrechern in Deutschland") +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit / 64676424.jpg
Um ungeklärte Gewaltverbrechen kümmert sich eine neue Spezialeinheit der Göttinger Polizeidirektion © Carsten Rehder / picture alliance / dpa

Um Gewaltverbrechen, die seit Jahren ungeklärt sind, kümmert sich ab sofort die Sonderkommission „Cold Case“ der Polizeidirektion Göttingen.

Acht Beamte gehören der neuen Spezialeinheit an, die Verbrechen aus den Jahren 1968 bis 2016 bearbeiten und nach Möglichkeit zur Aufklärung beitragen sollen.

Sie sollen ganz bewusst die Akten in jedem „kalten Fall“ (Cold Case) noch einmal unter die Lupe nehmen und neu bewerten, sagt eine Sprecherin der Polizeidirektion. Konkret geht es in der Region zwischen Hann. Münden und Nienburg um eine mittlere zweistellige Anzahl von Verbrechen. „Die anschließenden Ermittlungen können sich über mehrere Jahre hinziehen. Ein Erfolg im Sinne einer Überführung und Verurteilung des Täters ist laut Polizei dabei nicht in jedem Fall garantiert, ist aber das zentrale Ermittlungsziel.

Aus ermittlungstaktischen Gründen, insbesondere aber auch aus Rücksicht auf die Belange des Opferschutzes und die Rechte der Hinterbliebenen will man zu den einzelnen Fällen beziehungsweise deren Dringlichkeit zunächst keine Details nennen.

Fall von 1991: 40 Stiche in den Oberkörper

Ein Fall, in dem die Polizei noch nicht weiterkam, ist der gewaltsame Tod einer Lehrerin im Ostviertel in Göttingen. Sie wurde Ende Juli 1991 mit mehr als 40 Stichen in den Oberkörper ermordet. Die schnelle Fahndung blieb erfolglos, der Mörder hatte genügend Zeit, zu flüchten. Noch am selben Abend fahndete die Polizei nach einem Verdächtigen, der von einem Nachbarn gesehen wurde. Der Täter soll damals 25 bis 30 Jahre alt gewesen sein, hatte dunkelblonde, kurze Haare, war mit einer dunklen Lederjacke, vermutlich mit einer Motorradjacke bekleidet. Er trug eine dunkle Hose. Einige Hinweise gab es: Anrufer berichteten, sie hätten am Tatabend zwischen 21 und 21.30 Uhr einen Mann gehört, der schluchzend „Ich habe sie umgebracht“ gerufen hätte. Doch der Fall blieb ungelöst und ist nun etwas für die Sonderkommission. 

Strafgesetzbuch: Mord verjährt nicht

Seit 1979 gilt: Mord verjährt nicht. Damals wurde das Strafgesetzbuch geändert, da Verbrechen aus dem Dritten Reich sonst vielleicht verjährt wären. Wer als Mörder überführt wird, muss die Tat mit lebenslanger Haft büßen – das bedeutet mindestens 15 Jahre Gefängnis. Dafür müssen Motive wie Mordlust, Befriedigung des Geschlechtstriebs, Habgier oder andere niedere Beweggründe erfüllt sein. Als Mörder gilt auch, wer einen Menschen grausam, heimtückisch oder um eine andere Tat zu verdecken tötet.

Kommentar von HNA-Redakteur Bernd Schlegel: Ungewissheit beenden

Nichts ist für Angehörige von Gewaltopfern schlimmer als die Ungewissheit. Bei Familienfesten oder Jahrestagen kommt die bohrenden Frage hoch: Wer ist für den Tod verantwortlich? Wenn sich dann auch viele Jahre nach einer Tat noch kein Ermittlungserfolg einstellt, können auch familiäre Krisen daraus entstehen.

Deshalb ist die Einrichtung der Sonderkommission „Cold Case“ eine gute Nachricht für Betroffene. Diese speziell geschulten Ermittler sollen scheinbar aussichtslose Fälle am Ende doch noch auflösen.

Dazu werden die in den Aktenordnern erfassten Hinweise nach bestimmten Kriterien nochmals gezielt gesichtet. Andere Bundesländer sind ebenfalls in die systematische Aufklärung dieser älteren Verbrechen eingestiegen. Damit wird ein Trend aus anderen Regionen übernommen. Dabei war es die richtige Entscheidung, sich für Sonderkommissionen in allen Landesteilen zu entscheiden, weil sie die örtlichen Gegebenheiten besser kennen.

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