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„Spezialkrankenhaus“ in Göttingen versorgt 800 Teddys und Kuscheltiere in zwei Tagen

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Von: Michael Caspar

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Teddybär-Krankenhaus: Die Organisatoren (von links) Lefke Sandrock, Helena Krämer, Tristan Niemann, Bär Pauli, Schirmherr Dr. Ulrich Krause und Bilgin Bayram stehen vor den großen Zelten.
Teddybär-Krankenhaus Göttingen: Die Organisatoren (von links) Lefke Sandrock, Helena Krämer, Tristan Niemann, Bär Pauli, Schirmherr Dr. Ulrich Krause und Bilgin Bayram. © Michael Caspar

Eine Zeltstadt für eine „Spezialklinik“ - zwei Tage lang behandelten Teddy-Docs und Kinder Kuscheltiere auf dem Gelände der Uni-Klinik Göttingen.

Göttingen – Gebrochene Beine, verschluckte Schrauben, eingerissene Tatzen: Die Docs des Teddybär-Krankenhauses vor dem Osteingang des Göttinger Uni-Klinikum hatten nach einer zweijährigen Corona-Pause alle Hände voll zu tun, versorgten etwa 800 Kranke und Verletzte. Viele Kindergartengruppen, aber auch Grundschüler im Alter von drei bis sieben Jahre kamen in die 225-Quadratmeter große Zeltstadt, in der mehr als 20 Medizin- und Pädagogik-Studierende sowie Auszubildende aus Gesundheitsberufen die Spezialklinik aufgebaut hatten.

Die Teddy-Docs zeigen den Kindern, wie ein Herz abgehört, Verband gewickelt und eine Spritze gesetzt wird.

Mit einem kleinen Apparat darf Paul den schmerzenden Flügel seines Papageis und Sophie den wehen Fuß ihres lila Einhorns röntgen. Auf richtigen Röntgen-Aufnahmen sind die gebrochenen Knochen gut zu erkennen.

Teddybär-Krankenhaus Göttingen: Stoffschildkröte mit Herzproblemen

Weil Henrys Schildkröte mit Herzproblemen kämpft, wird sie in ein kleines Holz-MRT geschoben. Die Studierenden haben es eigens für „Organ- und Gewebeuntersuchungen“ gebaut. Besonderen Interesses erfreut sich der Operationssaal mit drei Liegen für kranke Kuscheltiere. Die kleine Johanna legt einen Kittel an, setzt sich eine Haube auf und zieht sich Handschuhe an.

Zunächst muss sie aber ihren Löwen Leo in Narkose versetzen. Dann deckt sie das Kuscheltier, das offenbar einen Metallgegenstand verschluckt hat, mit einem grünen Tuch ab. Nur noch die zu operierende Stelle schaut heraus. Dann beobachtet Johanna, wie der Schnitt gemacht und eine fette Schraube herausgeholt wird. Sie tupft das Blut weg. Nebenan wird gerade das gebrochene Bein von Maximilians Teddy gerichtet. Dann werden die Wunden vernäht und Verbände angelegt. Geschafft!

Teddybär-Krankenhaus Göttingen: Gummibärchen-Arznei für Zuhause

Dann bekommen die Kinder von den Teddy-Docs noch genaue Anweisungen für die Nachbehandlung zu Hause. Die notwendige Gummibärchen-Arznei, Kräutertee-Beutel und Mullbinden zum Verbandwechsel holen sie aus der Zeltapotheke. „Am wichtigsten aber ist, dass das kranke Tier nun besonders viel Liebe braucht“, betont „Oberärztin“ Helena Krämer aus dem Organisationsteam.

Vor dem Zeltkomplex, in dem sonst bei großen Notfalleinsätzen Verletzte behandelt werden, nimmt Hannah Diemer vom DRK-Kreisverband Göttingen-Northeim die Kleinen in Empfang. „Bei einem Unfall sehen wir die Kinder meistens als erste“, erklärt die ehrenamtliche Sanitäterin, die staunt, dass die Kindergartenkinder bereits wissen, was ein Blutdruckmessgerät und eine Pupillenleuchte ist. Der Intubator, der bei einer künstlichen Beatmung eingesetzt wird, ist aber noch unbekannt. Die Kinder dürfen dann einen Helm aufsetzen und in den Rettungswagen klettern.

Teddybärkrankenhaus Göttingen: Medizinstudenten wollen Kindern die Angst vor Ärzten und Klinik nehmen

„Wir wollen den Kleinen die Angst vor Ärzten und einem Krankenhausaufenthalt nehmen“, sagt Medizinstudentin Krämer. Seit vier Jahren ist sie bei den Teddy-Docs dabei und kann sich gut vorstellen, sich später im Bereich der Kinderheilkunde zu spezialisieren. Sie weiß, dass „die großen Gebäude, die gruseligen Geräte und die neue Situation“ viele der jungen Patienten überfordert. Wer sich als Kind aber bereits spielerisch mit dem Thema befasst habe, reagiere gefasster, betonte Studentin Helena.

Teddybär-Krankenhaus Göttingen: Oberarzt ist begeistert vom Einsatz der Studierenden

„Ich war mit drei meiner Kinder früher selbst im Teddykrankenhaus gewesen, das vor der Pandemie einmal im Jahr in der Osthalle des Klinikums stattfand“, sagt Privatdozent Dr. Ulrich Johannes Krause, der geschäftsführende Oberarzt der Klinik für Pädiatrische Kardiologie, Intensivmedizin und Neonatologie. Er sei begeistert, wie sich das Projekt seit seiner Gründung vor 20 Jahren entwickelt habe. Die Studierenden organisierten es eigenständig, betont der Mediziner. „Die Kinder freuen sich schon seit Tagen auf den Besuch“, ergänzt Erzieherin Hannelore Haberdank vom Kindergarten St. Paulus. Zurück in der Kita werde die Behandlung der Tiere fortgesetzt.

Teddybär-Krankenhaus Göttingen: Organisatoren planen Gesundheitsworkshops in Kitas und einen großen Kongress

Die Teddy-Docs planen übrigens weitere Angebote: so auch Gesundheitsworkshops in Kitas. Und im Herbst gibt es den großen Kongress aller Teddybärkrankenhäuser-Organisatoren in Göttingen. (Michael Caspar)

Hilfe für Verletzte: Tim-Luca und Teddy-Doc Hanna verbinden im Teddybär-Krankenhaus gemeinsam sein großes Kuscheltier.
Hilfe für Verletzte: Tim-Luca und Teddy-Doc Hanna verbinden im Göttinger Teddybär-Krankenhaus gemeinsam das große Kuscheltier. © Swen Pförtner/UMG
Operation: Teddy-Doc Dominik im OP - auf dem Tisch das Kuscheltier „Schweini“, Besitzerin Paulina (rechts) darf mit helfen.
Operation: Teddy-Doc Dominik im OP - auf dem Tisch das Kuscheltier „Schweini“, dessen Besitzerin Paulina (rechts) darf mit helfen. © Swen Pförtner/UMG

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