Neues Krankenhausgesetz

Spezialkliniken: Minus mit Mehrleistungen

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Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Uni-Kliniken sollen Zentren bilden, werden aber nicht ausreichend vergütet.

Göttingen. Vor allem die sogenannten Mehrleistungen dürften den deutschen Universitäts-Kliniken in den nächsten fünf Jahren Probleme bereiten.

Darunter versteht man bestimmte medizinische Leistungen, die erbracht werden, die aber oberhalb einer vereinbarten Höchstzahl nur noch mit deutlichen Abschlägen von den Kassen vergütet werden.

Für Universitätskliniken bedeutet das: Muss eine Uni-Klinik als Maximalversorger am Ende einer Versorgungskette viele schwere Fälle behandeln, da nur hier die medizinisch notwendigen Möglichkeiten gegeben sind, dann werden die Kontingente oftmals deutlich überschritten. „Dafür sorgt allein schon die demografische Entwicklung mit zunehmend mehr älteren Menschen“, sagt UMG-Pressesprecher Stefan Weller.

Hinzu komme, die politisch durchaus gewollte Entwicklung, dass die Uni-Kliniken weitere Medizin-Zentren bilden, in denen ganze Krankheitsprofile mit dem ärztlichen Wissen aus mehreren Fachbereichen behandelt werden. An der UMG gibt es beispielsweise ein Herz- und ein Krebszentrum.

UMG-Vorstand: Prof. Dr. Heyo Kroemer.

Die Folge dieser gewollten „Zentrisierung“: Immer mehr schwerkranke Menschen werden in den Uni-Kliniken behandelt. Dadurch entstehen zwangsläufig die Mehrleistungen. Diese werden aber nicht mehr vollständig bezahlt. Die Qualität der Versorgung und die vorhandene Technik fällt den Uni- oder Fachkliniken damit auf die Füße.

Weiteres Problem: Das neue Krankenhausfinanzierungsgesetz, das 2016 in Kraft treten soll, setzt die Abschläge bei Mehrleistungen auf fünf Jahre fest. „Auch dabei wird die demografische Entwicklung nicht berücksichtigt“, sagt Stefan Weller.

Zudem sollen – was politisch gewollt ist – die Kliniken die Vergütungssätze und die Fallzahlen direkt mit den Krankenkassen verhandeln. Unterschiede seien so vorprogrammiert.

UMG-Vorstandssprecher Prof. Dr. Heyo Kroemer hatte in einem HNA-interview kritisiert, dass sich der politische Wunsch, Zentren zu bilden und die Vergütungsvorstellungen gegenüberstehen. „Das passt nicht zueinander.“

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