Mischung aus Fußball und Billard

Spiel, Spaß und Spannung: FuBi- Experten kommen von der Heinrich-Böll-Schule

+
Zwei Spieler, zwei Schläger, eine Kugel und ein Spielfeld: FuBi kann man (fast) überall spielen. An der Göttinger Heinrich-Böll-Schule hat das Tischfußballspiel bereits Tradition.

Göttingen. Am Tisch sind sie schon Profis: Die Kinder und Jugendlichen der Heinrich-Böll-Schule in Göttingen beherrschen das „FuBi“-Spiel beinahe in Perfektion. Die Mischung aus Fußball und Billard hat an der Förderschule eine große Tradition.

Sina Celina Steinfeldt ist die aktuelle Siegerin des alljährlichen FuBi-Turniers an der Heinrich-Böll-Schule. Der Final-Erfolg gegen den erfahrenen André Wiegand kam für sie „schon ein bisschen überraschend“. Es war ein wahres Marathon-Match, das sich die beiden Duellanten lieferten. Normalerweise braucht der Sieger zwei Tore Vorsprung, doch irgendwann musste Lehrer Detlef Haschke einschreiten und kurzerhand das „Golden Goal“ wieder einführen. Die Partie wäre andernfalls nicht bis Schulschluss zu Ende gewesen.

Historisches 18. Turnier

Es war das 18. FuBi-Turnier an der Heinrich-Böll-Schule. Entwickelt hat das Spiel Ivo Orlovic, dessen Sohn einst selbst an der Heinrich-Böll-Schule war. Orlovic senior stellte der Schule das Spiel vor und Haschke war gleich begeistert: „Die Idee war ein Spiel, das Schwerbehinderte spielen können. Im Prinzip ist es ja wie Tipp-Kick nur mit mehr Möglichkeiten. Taktik und Technik sind wichtig.“

FuBi-Dauerbrenner: In der Böll-Schule wird geübt.

Jede Klasse der Heinrich-Böll-Schule hat mindestens ein Spiel, bei dem immer zwei Spieler gegeneinander antreten. Am alljährlichen Turnier dürfen alle Schüler ab der Jahrgangsstufe 5 teilnehmen. André Wiegand ist schon ein erfahrener Hase beim FuBi. Das vergangene Turnier, bei dem er als Titelverteidiger antrat, war bereits sein achtes. Trotzdem war es ein ganz Besonderes. „Kein Endspiel hat je so lange gedauert. Normalerweise dauert ein Spiel so fünf Minuten. Wir waren nach zehn Minuten noch lange nicht fertig“, erklärt André.

Experten am Tisch

Das Besondere am FuBi ist für ihn auch die Unberechenbarkeit: „Man kann im Voraus nicht sagen, wer gewinnt. Es kommt auch auf Glück an.“ Und das Material. Denn nicht jedes FuBi-Spiel ist gleich beschaffen, wie die Jugendlichen betonen. Auch die Position des Tisches sei wichtig, merkt Schülerin Lynn Michalik an. Die Kinder an der Heinrich-Böll-Schule sind im Laufe der Zeit zu richtigen FuBi-Experten geworden und können auch dem unwissenden Reporter noch einiges beibringen.

Auch Lynn Michalik und Jeremy Magnus verfügen schon über viel Erfahrung am FuBi-Tisch. Jeremy gefällt dabei die Atmosphäre: „Man hat immer etwas zum Lachen. Mir gefällt auch, dass man dabei konzentriert sein muss.“ Die Konzentration beim 18. FuBi-Turnier brachte Sina Celina Steinfeldt am besten auf den Punkt. Nach dem sie den Sieg gegen den großen Konkurrenten André Wiegand endlich in der Tasche hatte, war sie „komplett aufgeregt und einfach nur glücklich.“

FuBi macht Spaß! Sina Celina Steinfeldt kämpft gegen André Wiegand um den Sieg. 

Der Sieger erhält die neueste, überarbeitete Version des FuBi-Spiels. Dieses Mal durfte sich aber auch der Zweiplatzierte freuen. Für die durchgängigen Top-Leistungen am Tisch schenkte Lehrer Haschke auch André ein neues Spiel. Schließlich war es wohl das letzte Turnier vom Fubi-Dauerbrenner.

Von Andreas Arens

FuBi – ein Spiel, das Deutschland 1990 auch den Weltmeister-Titel mit möglich machte

Zwei Spieler – Auge in Auge, jeweils ein Schläger – die Verlängerung des Gehirns, Ein Spielfeld – der Platz der Entscheidung und eine Kugel – mehr braucht es nicht für das FuBi-Spiel, einer Mischung aus Fußball und Billard. Erfunden hat es der Bodenfelder Ivo Orlovic. Seine ursprüngliche Idee war es, ein Spiel zur Verbesserung der Hirn-Hand-Koordination zu entwickeln.

Bevor das Spiel seinen Siegeszug an der Heinrich-Böll-Schule antrat, war es schon eine beliebte Freizeitbeschäftigung bei den Akteuren der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft. So erzählt Orlovic gerne eine Geschichte von 1990, als Pierre Littbarski und Co. FuBi während der WM in Italien als Mittel gegen den Lagerkoller nutzten. „Litti“ habe Orlovic berichtet, wie die DFB-Kicker nachts bis zwei, drei Uhr dem Tischfußball-Spiel frönten.

„Litti hat gesagt, sie haben deshalb die WM gewonnen.“ Auf eine ähnliche Wirkung setzt der Fubßall-Fan auch 2018. Deshalb würde er sich freuen, wenn das DFB-Team um Neuer, Hummels, Özil, und Co. erneut einige Spiele im Reisegepäck für Russland hätten. „Dann klappt das mit dem WM-Titel.“

Für Orlovic war der WM-Erfolg 1990 in Italien auch der Startschuss zur Produktion seines Spiels. Mittlerweile hat er die Lizenz aber an eine Behindertenwerkstatt in Gießen abgegeben. „Sie haben das Spiel um das Doppelte verbessert“, sagt Orlovic zur neuen FuBi-Version, die seit diesem Jahr auf dem Markt ist.

Größter Vorteil des Spiels bleibt aber: Es ist handlich und kann so gut wie überall aufgestellt werden. Der Hersteller meint: „Einfach aufstellen und loszocken! Freunde und Bekannte herbeigeholt und ein nervenaufreibendes Turnier inszeniert! Der Verlierer zahlt dann die Getränke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.