Göttingen

Stadt Göttingen stellt Stolperstein-Verlegung auf YouTube bereit – Steine für drei jüdische Familien

Stolpersteine (goldfarbene Pflastersteine) mit den eingravierten Namen und Lebensdaten von Abraham Baruch und Berta Baruch sind in den Boden eingelassen
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Stolpersteine: In Göttingen wurden Stolpersteine zum Gedenken an durch die Nazis ermordete jüdische Mitbürger verlegt: An die Familie Baruch erinnern zwei Steine vor dem Haus Düstere Straße 10/11.

Um jüdischen Mitbürgern zu gedenken, liegen in Göttingen Stolpersteine. Auf Youtube ist das Video einer kürzlichen Verlegung verfügbar, um es trotz Pandemie zugänglich zu machen.

Göttingen – Stolpersteine. Sie tragen Namen jüdischer Mitbürger, die von den Nazis deportiert und meist ermordet wurden. Gesetzt in das Pflaster vor den ehemaligen Wohnhäusern sollen die Stolpersteine als Mahn- und Erinnerungsmale dienen.

In Göttingen hatte der Rat der Stadt Göttingen 2013 beschlossen, dass Stolpersteine im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auf öffentlichen Flächen in Göttingen verlegt werden können.

Stolpersteinverlegung in Göttingen: Verlegung auf Youtube-Kanal

Das ist seitdem bei sechs Aktionen geschehen – mit Zustimmung der Nachfahren und Angehörigen der Opfer. Die letzte Aktion, an der der Künstler und Initiator Gunter Deming nicht teilnehmen konnte, erfolgte kürzlich pandemiebedingt ohne Beteiligung der Öffentlichkeit.

Um die Menschen dennoch daran teilhaben zu lassen, wurde das Verlegen aufgezeichnet und mit Beiträgen der Hinterbliebenen, musikalischen Einlagen und weiterer Beiträge ergänzt. Das Video ist auf dem städtischen Youtube-Kanal abrufbar.

Es sind nur wenige Worte, Stichworte, knappe Informationen wie Namen, Geburtsjahrgänge und Schicksalsereignisse aus dem Leben jüdischer Mitmenschen. Am Ende steht auf den gold glänzenden Steinen: Ermordet – und ein Datum. Man muss keine ausführlichen Biografien lesen, um das Ausmaß des Leids zu fühlen, das diesen Juden zugefügt wurde, von den Nazis.

Stolpersteinverlegung in Göttingen: Düstere Straße, Groner Straße und Weender Landstraße

„Ermordet am 14. Mai 1943“, das steht auf den frisch verlegten „Stolpersteinen“ für Abraham und Berta Baruch. Die Göttinger flüchteten schon 1933 angesichts der drohenden Verfolgung – nach Holland. Entkommen konnten sie den Nazis nicht.

Sie wurden erst interniert, dann ins KZ Sobibor deportiert und dort ermordet. Die Stolpersteine erinnern daran, auch wo sie in Göttingen bis 1933 lebten.

Zu sehen ist auf dem YouTube-Video nun die Verlegung der Stolpersteine, die generell über Patenschaften finanziert werden, in der Düsteren Straße 10/11 für die Familie Baruch, in der Groner Straße 4 für die Familie Kahn und in der Weender Landstraße 33 für die Familie Nußbaum.

Stolpersteinverlegung in Göttingen: „Verantwortung ist ungeheuer groß“

Wie schon in den vergangenen Jahren erfolgte die Verlegung der Stolpersteine in enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen und dem Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung.

Sozial- und Kulturdezernentin Petra Broistedt, sagt mit Blick auf Verfolgung, und Ermordung von Jüdinnen und Juden: „Das war eine Katastrophe. Und die Katastrophe war umso schrecklicher und unbegreiflicher, weil Jüdinnen und Juden in den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts so fest in die deutsche Gesellschaft integriert schienen, wie in fast keinem anderen Land Europas – auch in Göttingen.“

Petra Broistedt sagt, dass der Kulturbruch nach 1933 auch deshalb so tief war, weil die Verfolgung, Beraubung und Ermordung von Menschen jüdischen Glaubens nicht nur das Werk der Nazis war, sondern die gesamte deutsch-nichtjüdische Gesellschaft davon profitierte. „Die Verantwortung heute ist ungeheuer groß – Göttingen stellt sich dieser Verantwortung.“ (Thomas Kopietz)

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