Thema im Sozialausschuss Göttingen

Stadt Göttingen will IWF-Flüchtlingsunterkunft schließen

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Einst Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF), nun Unterkunft für Flüchtlinge: Die Stadt will das Gebäude am Nonnenstieg 72 im Ostviertel Ende August 2018 räumen. Dann sollen neue Wohnungen gebaut werden.  

Göttingen. Die Stadt will die Flüchtlingsunterkunft am Nonnenstieg schließen und die im Industriegebiet an der Siekhöhe weiterhin betreiben. Die Gegner wollen das Gegenteil.

Unterstützung erhalten sie auch von Psychologen der Uni. Heute im Ausschuss für Soziales geht es wieder um das Thema. Beginn: 18.45 Uhr, Neues Rathaus, Raum 126.

Neue Analyse, altes Ergebnis

Eine erneute Analyse der Stadtverwaltung hat ergeben, dass durch die Schließung – im Gespräch ist als Termin der 31. August 2018, dann läuft der Mietvertrag aus – des von Bonveno betriebenen Wohnheims im Ostviertel und bei einem gleichzeitigen Weiterbetrieb der Wohneinrichtung Siekhöhe (Anna-Vandenhoeck-Ring) im Industriegebiet an der A 7 monatlich 72.600 Euro eingespart werden könnten.

Schließungsbeschluss im Mai

Im Mai hatte der Ausschuss beschlossen, die Gemeinschaftsunterkünfte an der Bürgerstraße (ehemalige Vogt-Schule), Gustav-Bielefeld-Straße und Große Breite (Industriegebiet Lutteranger in Weende) zu schließen. Für eine vierte Unterkunft – also das IWF-Gebäude – sollte das Verfahren geprüft werden.

Hinzu kommt, dass im Neubau einer Wohnanlage am Albrecht-Thaer-Weg, Nähe Uni-Klinikum, Uni-Sportgelände) durch die Städtische Wohnungsbau GmbH 150 von 300 Plätzen noch in diesem Jahr für Flüchtlinge bereitgestellt werden (wir berichteten).

IWF-Unterkunft bis 2018

Die Verwaltung kommt auch nach erneuter Prüfung zu dem Ergebnis, dass die Einrichtung Anna-Vandenhoeck-Ring in einem ehemaligen Großmarktgebäude weiter betrieben werden und das IWF geschlossen werden soll.

Begründung: Dort wäre auch eine Erweiterung möglich. Es gäbe dort in der Erstaufnahmeeinrichtung an der Siekhöhe eine hohe „Betreuungsdichte“ sowie Teilnahmequote an Sprachkursen mit mehr als 90 Prozent aller Erwachsenen. Freizeit- und Integrationsangebote seien ebenfalls vorhanden. Und: 200 Reserveplätze können schnell geschaffen werden, wenn die Zuwanderung zunehmen sollte.

Die Verwaltung beabsichtigt mit dem IWF-Betreiber Bonveno Gespräche über Anschlussperspektiven des dort beschäftigten Personals aufzunehmen.

Gegner wollen Weiterbetrieb

Gegner und IWF-Ehrenamtliche aber fordern einen Weiterbetrieb der funktionierenden Einrichtung am Nonnenstieg, wo aktuell gut 100 Geflüchtete leben. Sie bewerten auch die Unterbringung in einzelnen, abgetrennten Räumen aus deutlich besser als in der Siekhöhe, wo die Parzellen nach oben geöffnet sind.

Psychologen gegen Siekhöhe

Nun erhalten sie auch Unterstützung von ehrenamtlich arbeitenden Psychologiestudenten. Sie fordern die Stadt auf, bei ihrer Entscheidung vor allem „menschliche und gesundheitsfördernde Aspekte einzubeziehen und eine menschenwürdige, Selbstständigkeit und Integration fördernden Unterbringung für Geflüchtete in Göttingen umzusetzen“.

Die Studierenden, die das „Psychologische Angebot für Geflüchtete Göttingen“ (PAFGG) seit September 2016 betreiben, kommen zu dem Ergebnis, dass trotz eines hohen Einsatzes der an der Siekhöhe engagiert arbeitenden Haupt- und Ehrenamtlichen, die Unterkunft „aus psychologischer Sicht für die Gesundheitsentwicklung und das Wohlbefinden der Bewohner problematisch ist“.

Vor allem traumatisierte Bewohner, die unter Schlafstörungen leiden, Konzentrations- und Angstprobleme haben, sei das Leben in einer „großen, lauten und relativ offenen Wohnumgebung“ problematisch und würde Stressfaktoren mit sich bringen.

Wohnungsbau geplant

Auf dem ehemaligen IWF-Gelände am Nonnenstieg will der Göttinger Entwickler EBR Wohnungen in Top-Lage bauen. Der Mietvertrag mit der Stadt Göttingen läuft bis Ende August 2018 und müsste ein Jahr vorher gekündigt werden. Einen gültigen neuen Bebauungsplan gibt es noch nicht. 

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