Vor den Sommerferien

Stadt-Kultur-Power und Geschichtenerzähler: Kulturinstitutionen machen großes Programm für 12 bis 18-Jährige

Eine Gruppe Menschen steht mit Abstand auf und vor einem Treppenaufgang
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Kultureinrichtungen und Kulturschaffende aus der Innenstadt machen Schülern vor den Sommerferien außergewöhnliche Angebote: mit dabei sind Literarisches Zentrum, Stadtbibliothek, Kino Méliès und Junges Theater. Von links: Mara Becker, Gesa Husemann, Marisa Rohrbeck, Marion Überschär, Anne Moldenhauer, Telke Reeck, Suse Köwing und Nico Dietrich.

Um ein großes Angebot für Jugendliche auf die Beine zu stellen, haben sich einige Kultureinrichtungen in Göttingen zusammengetan. Entstanden ist ein vielfältiges Programm.

Göttingen – Das gab es in dieser Form wohl noch nie: Mehrere Göttinger Kultureinrichtungen aus der Innenstadt gestalten unter dem Titel „Storytelling – deine Stimme in Kunst, Rap, Literatur, Film, Theater und Spiel“ Kunst- und Kulturangebote für Schüler und Jugendliche, die dabei die Hauptakteure und Ideengeber sein sollen – also die Geschichtenerzähler.

Alle Ergebnisse sollen im 8. und 9. Juli, wenn es Corona erlaubt, an zwei Tagen in einem Finale, öffentlich auf der Open-Air-Bühne am Jungen Theater präsentiert werden.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: Gemeinsam etwas bewirken

Wie die Mitmachenden in einer Online-Pressekonferenz bekräftigten, gehe es darum, als benachbarte Kultureinrichtungen zusammen etwas zu bewirken. „Das ist ein einmaliges und tolles Angebot, was es so noch nicht gab“, ist Nico Dietrich, Intendant am Jungen Theater, schon vorab begeistert.

Neben dem JT sind involviert der unmittelbare Hausnachbar, das Kultur- und Aktionszentrum (KAZ), das Programmkino Méliès, die Stadtbibliothek und das Literarische Zentrum Göttingen.

Im Rahmen von Workshops sollen Jugendliche ab zwölf Jahren, organisiert über Schulen im Landkreis, mit Kunstschaffenden ihre kreativen Möglichkeiten ausprobieren.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: Literarisches Zentrum

Um Literarisches Schreiben geht es für Schüler ab Klasse 7 mit dem Jugendbuchautor Tobias Elsäßer, der sich mit Fragen der Zukunft beschäftigt. Das sollen auch die Teilnehmer der Schreibwerkstatt tun und es gehe darum, auch mal die Perspektive zu wechseln, sich in die Lage anderer Menschen zu versetzen. So werden Kurzgeschichten entstehen, wie Marisa Rohrbeck sagt.

Literaturzentrum-Kollegin Gesa Husemann stellt das ganz andere Projekt „Rappen mit Ebow“ vor. Ebow ist eine Frau und erfolgreiche Rapperin, die seit Jahren über Migration, Gender und Feminismus textet und zeigt, dass Rap alles andere als frauenfeindlich sein kann.

Mit Ebow können 12- bis 18-Jährige an einem Tag gute Musiktexte Schreiben – mit dem Beat im Ohr. Auch ein Konzert ist geplant.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: KAZ

Anne Moldenhauer vom KAZ stellt das KAZ-Projekt vor: Es geht um Science-Fiction, Fantasy und um den Wechsel von Realitität und Fiktion. Die Teilnehmer gestalten eine fiktive Story und illustrieren sie grafisch als Collage auf Leinwand. Titel: „Ich gestalte meine Geschichte – Ich bin die Queen/der King meiner Story“.

Und das KAZ bietet zudem ein dreitägiges Projekt für Mädchen. Es geht um Selbstausdruck und die Förderung der Kreativität. Die Teilnehmerinnen schreiben Texte, fotografieren diese ab, projizieren das Ergebnis als Body-Painting auf ihre Körper. Die Fotos davon werden ausgestellt – im KAZ.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: Stadtbibliothek

Dort können sechs Teilnehmer (12 bis 18 Jahre) interaktve Abenteuer-Bücher entwickeln – Game-Books. Der Verlauf der Geschichte kann selbst durch Klicken beeinflusst werden.

Gearbeitet wird mit dem Online-Werkzeug „Inklewriter“, Produkte sind am Ende auch E-Books, wie Marion Überschär sagt. Zweites Projekt: Arbeiten mit der App Actionbound und einen eigenen Geschichtenspaziergang erstellen.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: Kino Méliès

Im Programmkino Méliès, gleich neben KAZ und JT an der Bürgerstraße, geht es natürlich um Film: Jugendlichen lernen eigenständig Filmideen umzusetzen, Geschichten zu erzählen. Gearbeitete wird mit Tablet und Videokamera.

Am Ende entsteht ein Filmclip. Und es wird laut Telke Reeck auch über Bewegtbild-Formate wie YouTube, TikTok und andere Medien gesprochen.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: Junges Theater

Noch weit offen ist das Projekt des Jungen Theaters. Die Teilnehmer werden auf Menschen- und Geschichtensuche im Stadtteil Leineviertel, zu dem auch die Wohnblocks Groner Landstraße gehören, gehen – in Kooperation der Jugendhilfe Göttingen und dem Quartierszentrum Gartetal.

„Junge Leute sollen uns ihre Geschichten erzählen, als Lied, Szene, Tanz oder Text“ – wir bringen das auf die Bühne, gleich ob über Schauspieler oder mit den Jugendlichen selbst“, sagt Nico Dietrich, der sich wünscht, dass so eine bleibende Kooperation entsteht und aus dem Leineviertel kulturelle Schätze gehoben werden können.

Werden die Beteiligten an „Storytelling“ auch danach zusammenarbeiten? Nico Dietrich und Anne Moldenhauer könnten sich das durchaus vorstellen.

Kultur-Sommerangebot für Jugendliche: Projekt wird gefördert

„So etwas wollten wir schon immer mal machen“, sagt Moldenhauer, „jetzt gab es ein passendes Förderprojekt“. Aus dem Landesfonds Soziokultur und dem Bundes-Programm Neustart Kultur kommen so rund 21 000 Euro. Förderer ist auch die Bosch-Stiftung.

Das Anmelden für die Workshops läuft über die Schulen, die informiert sind und sich bei Interesse bei Mara Becker (mcbecker@gmx.de) anmelden können. (Thomas Kopietz)

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