Weniger Flüchtlinge in Göttingen

Stadt will schon ab Sommer vier Flüchtlingsunterkünfte schließen

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Könnte im Sommer geschlossen werden: Die Flüchtlingsunterkunft in den ehemaligen IWF-Gebäuden am Nonnenstieg. Hier ein Bild vom Nachbarschaftsfest im Mai 2016. Archivfoto: Kopietz

Göttingen. Die Stadt will die Plätze in Wohnheimen für Flüchtlinge in den kommenden eineinhalb Jahren um etwa 400 auf 1600 reduzieren. Vier von zwölf Unterkünften sollen geschlossen werden.

Das sind die ehemalige Voigt-Schule an der Bürgerstraße, Einrichtungen an der „Großen Breite“ und an der Gustav-Bielefeld-Straße sowie das ehemalige IWF-Gebäude am Nonnenstieg.

Der Vorschlag von Sozialdezernentin Petra Broistedt wurde beim Parlamentarischen Abend des Göttinger Vereins Haus und Grund am Montag bekannt und liegt den Fraktionen des Rates der Stadt vor.

Die Stadt betreut nach Angaben von Broistedt etwa 1400 Geflüchtete. Laut Quote rechne man 2017 noch mit etwa 920 Flüchtlingen. Insgesamt stehen 2000 Plätze zur Verfügung. Sollte die Entwicklung wie bisher anhalten, so geht Broistedt davon aus, dass es zum Jahresende etwa 800 freie Plätze gibt. Die Reduzierung der Plätze sei maßvoll. Auch weil es unsicher sei, wie sich der Flüchtlingszustrom über das Mittelmeer und der EU-Türkei-Pakt entwickelt.

Zunächst sollen Einrichtungen nicht mehr für die Flüchtlingsarbeit genutzt werden, in denen es Gemeinschaftseinrichtungen (Kochen, Sanitärbereich) gibt. Ein Beispiel dafür ist die ehemalige Voigt-Schule an der Bürgerstraße. Sie soll nach dem Willen der Stadt zum Ausweichquartier für das Junge Theater und das Kulturzentrum KAZ während der Sanierung des Otfried-Müller-Hauses werden.

Auch in der Großen Breite sollen nach den Plänen der Stadt nach der Reduktion der Plätze keine Flüchtlinge mehr wohnen. Dort könnte sich Broistedt die Ansiedlung von jungen Unternehmen, sogenannten Start Ups, vorstellen.

Überraschend für viele steht das IWF-Gebäude auf der Steichliste, denn hier wurde kräftig in die Infrastruktur investiert – die Bewohner finden hier gute Wohnverhältnisse vor. Probleme in der Einrichtung sind selten bis gar nicht mehr vorhanden. Das Gebäude und Bewohner gelten als integriert in der Nachbarschaft, auch in den nahen Schulen wie Hölty-Grundschule und Theodor-Heuss-Gymnasium.

Allerdings soll das Ex-IWF-Gelände neu bebaut werden. Um den Bebauungsplan und Konzepte gab es eine heftige öffentliche Debatte.

Broistedt verteidigte indes die bestehende – und nicht unumstrittene – große Gemeinschaftsunterkunft am Anna-Vandenhoeck-Ring auf der Siekhöhe. Sie sei für Neuankömmlinge wichtig, damit sie sich orientieren könnten.

Die Sozialdezernentin versprach, dass die Reduzierung der Plätze in enger Ansprache mit den freiwilligen Helfern und den Betreibern erfolgen werde. Wichtig sei, dass bestehende Netzwerke und Kontakte weiter bestehen bleiben. Die Dezernentin will die Pläne im Mai im Sozialaussschuss offiziell vorstellen. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler sagte: „Die Notlösungen wollen wir aufgeben.“ (bsc/tko)

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