Göttingen: Stadtforstamt vermarktet Wildbret selbst

Gastronomie hat wegen der Corona-Pandemie weniger Bedarf

Großer Andrag beim Wildbretverkauf am Göttinger Wildgehege am Kehr: Förster Horst Gundlach (am Tisch) mit Kunden.
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Großer Andrag beim Wildbretverkauf am Göttinger Wildgehege am Kehr: Förster Horst Gundlach (am Tisch) mit Kunden.

Bratwürste und Rücken von Reh und Wildschwein haben vier Mitarbeiter des Stadtwalds Göttingen beim Wildgehege am Kehr verkauft. Der Andrang war groß. Auch einige Northeimer deckten sich ein.

Göttingen – In einer langen Schlange standen die Wildbretfreunde, darunter viele Senioren, aber auch junge Familien mit Kindern. Geduldig mussten sie in der prallen Sommersonne warten, denn Horst Gundlach, der stellvertretende Forstbetriebsleiter, und seine Kollegin aus dem Büro erfassten fürs Rechnungsprüfungsamt jeden Kunden mit Namen und Anschrift, listeten die Einkäufe genau auf und ließen sich am Ende alles unterzeichnen. Zwei Forstwirte holten die Ware jeweils aus Kühlschrank und Kühltruhe.

Innerhalb von 30 Minuten war der Rehrücken ausverkauft, zehn Minuten später auch der Wildschweinrücken. Das letzte Sechserpack Wildschweinbratwürstchen ging nach 60 Minuten über den Verkaufstisch. Nach zwei Stunden waren nur noch ein paar Rehbratwürstchen über. Auch der Honig, den Imker Uwe Dzeia mit seinen Bienen im Stadtwald gewinnt, verkaufte sich gut. „Wir sind überwältigt von dieser Resonanz“, erklärte Gundlach.

Die Idee, im Sommer Grillfleisch anzubieten, hatte die Leiterin des Stadtwalds, Lena Dzeia, Anfang des Jahres. Der Hintergrund: 2020 haben die Gastwirte, die der Stadt sonst einen Großteil des Wildbrets abnehmen, aufgrund der Corona-Pandemie nur wenig Fleisch nachgefragt. Stadtwaldleiterin Dzeia ließ Fleischermeister Oliver Warnke von der Landfleischerei Warnke aus Hohes Kreuz erstmals für Göttingen Bratwürstchen produzieren. Auch Rücken lieferte er, das sich in Scheiben geschnitten gut grillen lässt. Auf Steaks und Rippen verzichtete die Stadt dagegen.

Den ersten Verkaufstermin gab es im Juni. Ende Juli ist nun der zweite Verkaufstag gefolgt. Ein dritter ist Ende August, Anfang September geplant. Das hängt vom Jagdglück der knapp 20 Jäger im 1200 Hektar großen Stadtwald ab. Schwarzwild gibt es nach zwei milden Wintern, in denen fast alle Frischlinge überlebten, reichlich. Auch Rehwild muss geschossen werden, damit es nicht zu viele der seltenen Baumarten des Stadtwalds schält.

„Das Fleisch des Wilds, das ohne Bleimunition geschossen wird, hat Bioqualität“, betont Gundlach. Der Stadtwald sei seit 2007 Naturschutzgebiet. Die Tiere erhielten keine Medikamente oder Wachstumspräparate. Bratwürstchen und Rücken ließen beim Zubereiten kaum Wasser. Das Fleisch der Tiere aus dem Wildgehege am Kehr werde gesondert vermarktet, stellt er klar.

Verkaufstermine an drei Freitagen in der Adventszeit gibt es seit vielen Jahren. Dann vermarktet der Stadtwald vor allem Braten. Die Verkaufszeiten werden über die Presse, Aushänge am Wildgehege sowie über die Internetseite der Stadt Göttingen, goettingen.de, unter der Rubrik „Stadtwald“ veröffentlicht. Genügend Ware, um sie auf dem Göttinger Wochenmarkt anzubieten, hat der Betrieb dagegen nicht. (Michael Caspar)

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