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40-Millionen-Euro-Schallmauer fällt: Stadthalle Göttingen wird deutlich teurer

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Von: Thomas Kopietz

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Heck- und Seitansicht: Baugerüst und Bauzaun an der Stadthalle Göttingen künden von der Generalsanierung. Die wird dank Materialknappheit und höheren Kosten um voraussichtlich 6,9 Millionen Euro teurer.
Heck- und Seitansicht: Baugerüst und Bauzaun an der Stadthalle Göttingen künden von der Generalsanierung. Die wird dank Materialknappheit und höheren Kosten um voraussichtlich 6,9 Millionen Euro teurer. © Thomas Kopietz

Die Sanierung der Stadthalle Göttingen wird deutlich teurer. Der Testbetrieb ist ab Q2/Q3 2023 geplant – ist das NDR-2-Soundcheck-Festival in Gefahr?

Göttingen – Bei einem Ortstermin vor zehn Tagen hatten sich die Verantwortlichen für die Sanierung der Stadthalle Göttingen noch bedeckt gehalten, keine neuen Kosten und Termine genannt: Dienstag (14.06.2022) kam das – nicht überraschende – Update: Die im Volksmund „Kachelofen“ genannte Stadthalle wird nun mit Baukosten von 41,5 Millionen Euro veranschlagt.

Das sind 6,9 Millionen Euro mehr als 2021 angekündigt. Und die für Sommer 2023 geplante Fertigstellung der Göttinger Stadthalle könnte sich verzögern. „Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass die Stadthalle um 20 Prozent teurer wird“, sagte Oberbürgemeisterin Petra Broistedt (SPD) in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Dienstag.

40-Millionen-Euro-Schallmauer fällt: Die Sanierung der Stadthalle Göttingen wird deutlich teurer als geplant

Ursache für die erneute Kostensteigerung – Ende 2021 war die Stadt von 34,6 Millionen Euro Kosten ausgegangen – sei die Situation auf dem Bausektor, unter denen auch private Bauherren zu leiden haben. Materialknappheit, auch aufgrund von Lieferkettenproblemen, verursacht durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg.

Dazu kommen gestiegene Lohnkosten und Inflation – sowie mit all dem verbundene (Nach-)Forderungen von Handwerksfirmen: Diese unheilvolle Kettenreaktion lässt den Verantwortlichen keine Wahl, wie Stadtkämmerer Christian Schmetz sagte.

Während der Staat für den Bürger mit Entlastungszahlungen etwas mache, gebe es für die Kommunen und ihre Projekte so etwas nicht, sagte Schmetz. Gleichwohl versuche man bei der Sanierung zu sparen: So wird der Kauf eines Mischpults für die Tonanlage aufgeschoben, das alte Pult vom Betreiber GWG weiter genutzt.

Sanierung der Stadthalle Göttingen: 6,9 Millionen Mehrkosten – sieben zusätzliche Plätze

Zudem renoviert die Stadt nun die alte Bestuhlung, neue Stühle müssen draußen bleiben. Die neuen anthrazitfarbenen Bezüge und das Abmontieren der Lehnen spare 123.000 Euro – immerhin, meint Schmetz. Und: Sogar sieben Plätze Kapazität springen mehr heraus: 1200 Sitzplätze.

Auch wolle man versuchen, sich „alternative Lieferketten“ zu suchen. Was das heißt, erklärte Lars-Oliver Bohnsack vom Eigenbetrieb Stadthalle: „Wir kaufen Materialien früher ein als benötigt, lagern sie auf dem Gelände.“ Zudem wolle man die Nachforderungen von Handwerkern prüfen und dabei abwägen, so Schmetz.

Die 6,9 Millionen Mehrkosten haben 2022 keine Folgen für den Haushalt des Eigenbetriebs Stadthalle. Sie werden dann im 2023-er Wirtschaftsplan eingestellt. Für den 23-er-Haushalt der Stadt heißt das: Die Zuschüsse für den Eigenbetrieb Stadthalle müssen erhöht werden. Die Finanzierung könnte auch Kredite notwendig machen, erläuterte Schmetz.

Göttingens Oberbürgermeisterin Broistedt: Kernsanierung war richtige Entscheidung

Weiter steigende Kosten für die Sanierung der Mitte der 60er-Jahre gebauten Stadthalle lassen bei den Göttingern wieder Diskussionen um einen lange als Alternative gehandelten Neubau aufkommen. Die erstickt Petra Broistedt mit der Aussage: „Alle früheren Entscheidungen für eine Kernsanierung waren richtig.“

Ein Neubau wäre laut Broistedt noch teurer geworden. Auch sei schnell kein Grundstück vorhanden gewesen. Der Komplettabriss auf dem Gelände wäre nicht nachhaltig gewesen. „Die Stadthalle wird nachhaltig saniert und als die wichtigste Multifunktionshalle für mittelgroße Veranstaltungen hergerichtet.“

Blick in den Saal der Stadthalle Göttingen: Gerüstkonstrukt zeigt den Bauzustand.
Blick in den Saal der Stadthalle Göttingen: Gerüstkonstrukt zeigt den Bauzustand. © Bernd Schlegel

Testbetrieb von Göttinger Stadthalle ab Q2/Q3 in 2023: NDR-2-Soundcheck-Festival in Gefahr

Festhalten will die Stadt an dem Eröffnungszeitraum: „Soft-Opening“ mit Testbetrieb ab zweiten oder dritten Quartal 2023. Kompletteröffnung „möglichst in 2023“. Kippen könnte damit das überregional bedeutende NDR-2-Soundcheck-Festival, das 2023 wieder mit dem Hauptspielort Stadthalle nach dreijähriger Pause laufen sollte. „Wir werden die Gespräche mit dem NDR suchen“, sagte Broistedt.

Christian Schmetz und Lars-Oliver Bohnsach versprechen derweil, alles Mögliche zu versuchen, um die Kostensteigerungen in den Griff zu bekommen. Eine solche Situation aber hat auch der erfahrene Bohnsach so nie zuvor erlebt. Damit steht er nicht allein. (Thomas Kopietz)

Rund um die Stadthalle Göttingen sollen künftig mehr Bäume und Behindertenparkplätze zu finden sein. Auch wegen der Verzögerungen rund um die Sanierung der Stadthalle hatte der Göttinger Stadtrat die ehemalige Stadtbaurätin Claudia Baumgartner Anfang Mai 2022 abberufen.

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