Migration bewegt Göttingen

Stadtlabor Göttingen: Menschen für sich selbst sprechen lassen - Eine Stadt für Alle 

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Die Ausstellung „Eine Stadt für Alle“ des Museums Friedland . Die Ausstellung war Teil des Stadtlabors in der ehemaligen Kranichapotheke.

Das Stadtlabor blickt auf das vergangene Jahr zurück und fordert mehr Teilhabe und Solidarität in der Einwanderungsstadt Göttingen. 

Göttingen – Nach ereignisreichen Monaten ist das „Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen“ in der alten Kranichapotheke in Göttingen vorläufig beendet. Innerhalb des Kooperationsprojekts zwischen Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft wurde folgender Frage nachgegangen: Was macht eine Stadt für alle aus, unabhängig von Nationalität, Herkunft oder Aufenthaltsstatus?

Stadtlabor Göttingen: Ausreichende Antwort nicht möglich

Das zufriedenstellend zu beantworten, ist nach einem knappen Jahr nicht möglich, zu komplex sind die vielen Facetten von Migration und städtischem Zusammenleben innerhalb einer diversen Gemeinschaft. Möglich ist es jedoch Impulse und Empfehlungen für ein solidarisches Göttingen zu geben, die die Organisatoren in einer abschließenden Bilanz zusammengetragen haben.

Stadtlabor Göttingen: Menschen mit Migrationserfahrung sprechen für sich

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen Forschenden des Centre for Global Studies an der Universität Göttingen, Kunst- und Kulturschaffenden vom boat people projekt, dem Museum Friedland und Literarischen Zentrum. 

Der Anspruch des Projekts ist es, nicht über Menschen zu sprechen, sondern Menschen, die eine Migrationsbiografie haben, für sich sprechen zu lassen. 

Dr. Jelka Günther vom Centre for Global Migration Studies formuliert es wie folgt: „Im Mittelpunkt standen die oftmals überhörten und vernachlässigten Perspektiven und Stimmen von Geflüchteten, Migrant*innen aber auch Expert*innen der Stadtgesellschaft.“

Stadtlabor: Ort der Vernetzung - über 20 Gruppen

Mit dem Stadtlabor sei ein Veranstaltungs- und Begegnungsraum geschaffen worden, in dem über 20 Gruppen – Organisationen, Initiativen und migrantische Selbstorganisationen – sich treffen konnten, sagt Günther. Ziel war eine Vernetzung und ein gegenseitiges Lernen zu ermöglichen, rund um die Vorstellung einer „Stadt für Alle“. 

Dabei ging es nicht um eine Problematisierung, sondern um den Normalzustand eines von Diversität geprägten Stadtlebens. Darum, Chancen in den Fokus zu rücken.

Museum Friedland: Niedrigschwellige Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen“

35 Veranstaltungen wurden organisiert, teils in der ehemaligen Kranichapotheke, teils in Räumen der Stadt oder des Literarischen Zentrums. Innerhalb der Öffnungszeiten sei es möglich gewesen die partizipative Ausstellung des Museums Friedland anzuschauen und sich zu begegnen. 

„Eine niedrigschwellige Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen“, findet Dr, Anna Haut vom Museum Friedland. Gerade der Dialog mit Geflüchteten, wie sie von ihrer Arbeit weiß, mache etwas mit einem.

Literarisches Zentrum Göttingen: Blick weitet sich

Auch für die Mitorganisatoren hat sich der Blick geweitet, wie Dr. Anja Johannsen reflektiert: „Allein Diversität und migrationspolitische Fragen im Programm abzubilden, reicht nicht. Auch innerhalb der Strukturen des Literarischen Zentrums muss sich diese Öffnung zeigen.“ 

Denn bislang sei das Literarische Zentrum weiblich und weißdeutsch geprägt. Die Vision des Stadtlabors sei nicht zeitlich begrenzt, sondern gehe darüber hinaus.

Stadtlabor: Hinterfragen und zuhören - Dialogräume schaffen

Das betrifft auch die Rolle der Wissenschaft. Es gehe darum, sich Zeit zu nehmen, zuzuhören und nachvollziehen, betont die Migrationswissenschaftlerin Prof. Dr. Sabine Hess. Und darum, die Wissenschaftstraditionen und Paradigmen zu hinterfragen. Auch über das Stadtlabor hinaus sollen Dialogräume geschaffen werden. Für ein Göttingen als eine Stadt für alle.

Stadtlabor: Forderungen nach Teilhabe und Solidarität

1. Migrantische Selbstorganisationen gelte es mit ihrer Expertise und ihrer Mittelrolle verstärkt anzuerkennen und zu fördern.

2. Integration gestalten erfordert auch, insbesondere seitens städtisch institutionellen Handelns, Zugänge zu öffnen und Mitbestimmung zu ermöglichen.

3. Die Vielfalt der Gesellschaft muss sich verstärkt auch in Kultureinrichtungen und kultureller (Selbst-) Repräsentation abbilden.

4. Diskriminierung und strukturellen Ausschlüssen - im Alltag, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt und in der Gesundheitsversorgung - ist wirksam entgegen zu wirken. (Zitiert aus der Bilanz des Stadtlabor-Prozesses)

Veranstaltungen am Wochenende

Migration bewegt Göttingen. Freitag, 14. Februar, von 18 bis 21 Uhr: Podiumsdiskussion Migrationspolitik in der Krise mit Gesine Schwan, Marion Bayer (Solidarity City Hanau), Brigitte Meier aus Potsdam und Mehmet Tugcu, Paulinerkirche Göttingen. Freier Eintritt. Samstag, 15. Februar, 10 bis 22 Uhr, Paulinerkirche, Vorstellung der Ergebnisse, Workshop- und Kulturprogramm, Gastspiel „Migrating the Feminine“. Eintritt ist frei. Mehr Informationen gibt es auf der Seite des Zentrums für Globale Migrationsstudien.

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