Innenstadt Göttingen

Stadtverwaltung: Poller sollen Fahrzeuge aus der City heraushalten

+
Stau in der Fußgängerzone: Lieferfahrzeuge blockieren in der Mittagszeit an einem Sommertag die Printzenstraße – für Fußgänger und Gäste in Lokalen bleibt wenig Platz. Jetzt sollen Poller die Fahrzeuge blocken.

Versenkbare Poller sollen Fahrzeuge aus der Fußgängerzone in Göttingen heraushalten. An dem Vorhaben gibt es aber auch Kritik.

Die Verwaltung will den Verkehr aus der Innenstadt, vor allem der Fußgängerzone, heraushalten. Dort müssen sich zeitweise, vor allem morgens, Fußgänger ihren Weg zwischen Lieferwagen hindurch bahnen. Versenkbare Poller sollen die Lösung sein. 60 Göttinger beteiligten sich an einer Bürgerversammlung.

„In der Göttinger Innenstadt werden die straßenverkehrsrechtlich eindeutig beschilderten Durchfahrtsbeschränkungen nicht eingehalten“, stellte Maik Lindemann vom Fachdienst Planung, Bauordnung und Vermessung zu Beginn der Veranstaltung fest, die im großen Saal der alten Universitätsbibliothek stattfand. Dabei waren Geschäftsinhaber, Innenstadtbewohner und regelmäßige Besucher der Göttinger Innenstadt.

Viel KfZ-Verkehr

Der vergleichsweise hohe KfZ-Verkehr führe zu Beeinträchtigungen der Kunden und Geschäftsinhaber der GöInnenstadt. Deshalb habe die Stadtverwaltung Ende 2016 ein Gutachten zur Verbesserung der Verkehrssituation in der Innenstadt in Auftrag gegeben. 

In diesem Rahmen seien bis Ende 2018 auch Verkehrszählungen vorgenommen, ein Workshop mit den Trägern öffentlicher Belange veranstaltet und in Gremien Beratungen gelaufen.. „Seit Anfang des Jahres nun werden durch den Gutachter Maßnahmen entwickelt und diese mit allen zuständigen Gremien abgestimmt“, schilderte Verwaltungsmann Lindemann.

Unerlaubte Fahrten

„Die Probleme sind eindeutig“, sagte Gutachter Heinz Mazur von der PGT Umwelt und Verkehr GmbH in Hannover. „Da ist zum einen der hohe Anteil störender Verkehre in der Fußgängerzone I durch Lieferdienste außerhalb der Lieferzeiten und im Bereich der erweiterten Fußgängerzone II, dem Busring mit „Stumpfebiel“, der Gotmarstraße und Jüdenstraße“, durch viele unerlaubte Durchfahrten.“

3000 Ausnahmen

Die Folge laut Mazur sind „erhebliche Einschränkungen für Fußgänger“. Derzeit gebe es rund 3000 Ausnahmeregelungen, „aber wesentlich mehr Fahrten“, so der Gutachter, der letztlich als Lösung ein „umfangreiches Sperrkonzept“ sieht. Eine Lösung mit versenkbaren Pollern stehe im Fokus.

Große Lösung

Dabei gibt es Vorschläge für eine „kleine Lösung“, die nur den Bereich der Fußgängerzonen I und II betrifft, sowie eine „große Lösung“, bei der auch Einfallstraßen wie die Prinzenstraße im Westen oder die Theaterstraße im Osten einbezogen und für den Verkehr gesperrt werden sollen und die so zusätzlich vor Terrorismus schützen soll.

„Voraussetzung für beide Lösungen ist, dass die Befahrbarkeit für Busse und Einsatzfahrzeuge generell sowie für den Lieferverkehr zu den definierten Lieferzeiten möglich ist, der Rad- und Fußgängerverkehr durch die Poller nicht behindert wird und die Fußgängerzone zu bestimmten Anlässen geöffnet werden kann“, sagte Mazur.

Kritik an Pollern

Bei der anschließenden Arbeit in Kleingruppen und der abschließenden Diskussionsrunde kam neben Fragen zu den Kosten und vor allem zum Unfallrisiko durch die geplanten Poller auch Kritik auf. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, nur zwischen der kleinen und der großen Lösung mitentscheiden sollen und unsere Meinung ansonsten überhaupt nicht berücksichtigt wird“, schimpfte etwa Ralf Böker. Er bemängelte, „dass eine Diskussion über andere Vorschläge im Keim erstickt wurde“. Sein Eindruck sei, dass es den Bürgern „relativ egal“ ist, wenn mal ein Lieferwagen durch die Innenstadt fahre.

Daher seien Poller für ihn rausgeschmissenes Geld, zumal man bei der großen Lösung mit Investitionen von mehreren Millionen Euro rechnen müsse. „Die Idee, die Stadt zu verpollern, ist einfach weltfremd“, meinte Böker. Und sollte es damit einmal technische Problem geben und der Busverkehr dadurch zum Erliegen kommen, werde sich Göttingen zum Gespött der Leute machen. (per)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.