Mitarbeiterin der Stadt Göttingen soll Sozialhilfe abgezweigt haben

Göttingen. Eine frühere Mitarbeiterin der Göttinger Stadtverwaltung muss sich demnächst vor dem Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat die 23-Jährige wegen Untreue in fünf Fällen angeklagt.

Die ehemalige Mitarbeiterin des Sozialamtes soll im Juni 2014 wiederholt unberechtigten Personen zu Sozialleistungen verholfen und einen Teil davon für sich selbst einbehalten haben. Insgesamt summiere sich der Schaden auf mehr als 4200 Euro, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Buick.

Die Unregelmäßigkeiten waren im Sommer 2014 durch die Nachfrage einer Sozialhilfeberechtigten ans Licht gekommen. Diese hatte sich gewundert, dass noch kein Geld auf ihrem Konto eingegangen war. Bei einer Überprüfung stellte sich dann heraus, dass der ihr zustehende Betrag an jemand anders ausgezahlt worden war. Die Stadt hatte daraufhin das Arbeitsverhältnis mit der 23-Jährigen per Auflösungsvertrag beendet.

Laut Anklage soll die Mitarbeiterin im internen Computersystem Chipkarten aufgeladen haben, mit denen sich Sozialhilfeempfänger am Geldautomaten im Foyer des Neuen Rathauses ihre Unterstützung in bar auszahlen lassen können. Die aufgeladenen Chipkarten übergab sie allerdings nicht den betreffenden Leistungsempfängern, sondern unberechtigten Dritten.

Trotz Überwachungskamera konnten die Ermittler in vier Fällen nicht klären, wer dann unberechtigterweise das Geld am Automaten abgehoben hatte. In einem Fall konnten sie den Tatbeteiligten allerdings identifizieren. Ein mitangeklagter 29-Jähriger habe zugegeben, mit zwei auf andere Personen ausgestellten Chipkarten insgesamt 2000 Euro abgehoben zu haben, sagte Buick. Dem Mitangeklagten zufolge soll die Ex-Sozialamtsmitarbeiterin ihn dazu angestiftet haben. Er habe ihr dann die Hälfte des unrechtmäßig kassierten Geldes gegeben.

Das Verfahren ist bereits der vierte Unterschlagungsfall innerhalb weniger Jahre im Göttinger Rathaus. 2012 hatte das Amtsgericht Göttingen einen früheren Sachbearbeiter des Göttinger Sozialamtes verurteilt, der knapp 54.000 Euro auf private Konten umgeleitet hatte. Ein Jahr zuvor hatte das Landgericht Göttingen einen früheren Mitarbeiter des Jugendamtes, der jahrelang Gelder von Konten der von ihm betreuten Kinder und Jugendlichen veruntreut hatte, verurteilt. Insgesamt summierte sich der Schaden auf 140.000 Euro. In ihrer Urteilsbegründung rügten die Richter die mangelnden Kontrollmechanismen innerhalb der Stadtverwaltung. (pid)

Rubriklistenbild: © Schäfer

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