Städtisches Museum Göttingen: Geschichtsverein bemängelt schleppende Sanierung

Die Zukunft des Museums im Visier: Wilhelm Gerhardy, Frank-Peter Arndt, Peter Aufgebauer und Hilmar Beck. (v. l.). Foto: Niesen

Göttingen. Der Vorsitzende des rund 500 Mitglieder zählenden Geschichtsvereins Göttingen, Prof. Dr. Peter Aufgebauer, hat der Stadt Göttingen vorgeworfen, die Sanierung des Städtischen Museums „sehr schleppend“ zu betreiben.

Aufgebauer sagte beim ersten Neujahrsempfang des Vereins in den Räumen des Museums am Ritterplan: „Wenn es in dem Tempo weitergeht, ist der Museumskomplex auch in mehr als fünf Jahren noch nicht nutzbar.“ Er forderte ein klares Bekenntnis von Politik und Verwaltung zum Städtischen Museum und dessen Standort.

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Aufgebauer bedauerte, dass insbesondere Kinder und Jugendliche das Museum nicht mehr als Erlebnis- und Bildungsort kennenlernen könnten. Das betreffe in den nunmehr sieben Jahren der Sanierung inzwischen mehr als 38.000 Schulkinder. „Damit wächst eine Generation von kleinen Göttingern heran, die ihr Museum nicht kennen.“ Ihnen bleibe ein wesentlicher Zugang zur Stadtgeschichte verwehrt.

Weiterer Kritikpunkt von Aufgebauer ist die zukünftige Nutzung der Remise in dem stadthistorisch wertvollen Ensemble, zu dem noch die frühere Posthalterei und der Hardenberger Hof gehören. Die Remise werde weiter offen gehalten. Er befürchtet, dass die Nutzung des Kunstquartiers des Verlegers Gerhard Steidl zu Lasten des Museums geht. Aufgebauer fordert ein Festhalten am Standort, ebenso wie an der Größe der Ausstellungsflächen und an der Möglichkeit, Sonderausstellungen zu präsentieren.

Der Fachbereichsleiter Kultur der Göttinger Stadtverwaltung, Hilmar Beck, wies die Vorwürfe zurück. Er erinnerte an die immensen Kosten von insgesamt 13,5 Millionen Euro für die Sanierung, deren Finanzierung nur über Jahre möglich sei, und den Aufbau des Magazins für rund eine Million Euro, über das das Museum zuvor nicht verfügt habe.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Göttinger Stadtrat, Frank-Peter Arndt, und Bürgermeister Wilhelm Gerhardy (CDU) legten ein klares Bekenntnis zum Museum ab. Arndt forderte den Mut, auch andere Wege zu gehen und „weiter zu denken als an das, was wir haben“.

Gerhardy forderte den Geschichtsverein zum Besuch des nächsten Kulturausschusses am Donnerstag, 18. Februar, um 16.30 Uhr im Tapetensaal des Städtischen Museums auf. Dort soll über das Museum debattiert werden. Unter anderem wird es dabei um das ikon-Konzept zur Zukunft der Einrichtung gehen. 

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