Chance dank Stammzellen: Jede Spende kann helfen und Leben retten

Ein Wattestäbchen für ein Leben: Otfried Gericke (von links) mit einem verpackten Wattestäbchen, Heike Büchner, deren Tochter Michelle ebenfalls an Leukämie erkrankte und eine Spende erhielt, sowie Simon Stifter engagieren sich im Kampf gegen den Blutkrebs. Foto: Leissa

Göttingen. Bei der Registrierungsaktion in den Berufsbildenden Schulen (BBS) am Ritterplan in Göttingen zählt jeder Teilnehmer: Denn jedes Jahr erkranken etwa 11.000 Menschen nach Zahlen der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) an Blutkrebs

Jeder fünfte Patient findet laut DKMS-Mitarbeiter Simon Stifter aber keinen passenden Spender für eine Stammzellenspende.

„Momentan bekommen etwa 80 Prozent der Patienten in Deutschland eine Spende. Natürlich wollen wir daraus 100 Prozent machen, aber uns ist nicht wichtig, wie viele Menschen sich heute als Spender registrieren. Wir wollen eher das Bewusstsein schärfen, dass es immer noch Blutkrebspatienten gibt, die keinen passenden Spender finden“, sagt Stifter. Wer sich nicht als Stammzellenspender eintragen lassen möchte, kann dennoch in vielfältiger Weise helfen, sei es durch Geldspenden oder durch ehrenamtliche Arbeit.

Chance auf Leben 

Es ist eine Chance auf Leben: Wer in Deutschland erkrankt, hat gute Chancen auf eine Spende, sagt Otfried Gericke, Vorsitzender des Vereins Kinderkrebshilfe Eritrea. Ganz anders sehe das aber in anderen Teilen der Welt aus, wie zum Beispiel Eritrea.

Da es keine Behandlungsmöglichkeiten in dem afrikanischen Staat für die 22-jährige Selam gab, holte sie ihre Halbschwester aus Hess. Lichtenau nach Deutschland.

Nach anfänglichen Behandlungserfolgen gegen die Leukämie erlitt die Frau einen Rückfall. Da die Chemo-Therapie nicht nur die Krebszellen, sondern auch die Zellen in ihrem Knochenmarkt zerstört, erhält sie nun eine Transplantation von Blutstammzellen: „Wir haben Donnerstag die Bestätigung bekommen, dass man für Selam einen passenden Spender gefunden hat“, sagt Stifter und Gericke fügt hinzu: „In Eritrea bedeutet die Diagnose Blutkrebs in den meisten Fällen den Tod. Das Erfolgsmodell am Beispiel Deutschland soll auch in anderen Teilen der Welt ankommen und dort den betroffenen Menschen eine Chance auf Leben geben.“

Eine passende Spende bedeute aber nicht automatisch eine Heilung, betont Stifter. Das Immunsystem sei geschwächt, die Transplantation strenge den Patienten zusätzlich an. „Erst werden die Patienten in der Klinik isoliert aufgepeppelt. Dann müssen sie sich eine Zeit lang strikt an Verhaltensregeln halten“, erklärt Stifter. Denn jede Überanstrengung oder Infektion könne zu einem Risiko werden. „Erkältungen werden gefährlich. Sogar das Essen einer Erdbeere ist verboten. Auf der Oberfläche befinden sich Schimmelsporen, mit denen ein gesunder Mensch klar kommt, ein Erkrankter aber nicht“, sagt Stifter. Zudem ist ein Versagen von transplantierten Blutstammzellen selten, aber möglich.   

Stammzellen-Spende: Der Ablauf

Menschen zwischen 17 und 55 Jahren können sich, sofern sie an keiner chronischen oder Autoimmunkrankheit leiden, als Stammzellenspender registrieren.

1. Registrierung: Für eine Registrierung sind zwei Abstriche der Wangenschleimhaut nötig. Diesen kann man bei einer Aktionen des DKMS oder mit einem Registrierungsset zu Hause machen. Dafür wird ein Wattestäbchen an die Wangeninnenseite gerieben. Das Stäbchen wird zusammen mit einer unterschriebenen Einverständniserklärung an ein Labor geschickt. Eine Spende kostet 40 Euro pro Person.

2. Untersuchung: Es werden die Gewebemerkmale des Spenders untersucht und die Ergebnisse in der DKMS-Datenbank gespeichert. Gleichzeitig werden die Merkmale anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender-Register geschickt. Der Spender steht bis zur Vollendung seines 61. Lebensjahres in der Datei.

3. Gesundheitscheck: Passen die Gewebemerkmale zu denen eines an Blutkrebs erkrankten Patienten, folgt ein Gesundheitscheck und eine Bestätigungstypisierung. Dafür wird ein Fragebogen ausgefüllt, um mögliche Ausschlusskriterien frühzeitig zu erkennen. Für die Bestätigung der Typisierung entnimmt der Hausarzt Blut zur weiteren Analyse.

4. Stammzellenspende: Passt die Spende zu 100 Prozent, gibt es zwei Möglichkeiten: In etwa 80 Prozent der Fälle werden Stammzellen bei der peripheren Spende aus der Blutbahn entnommen Der Spender erhält im Vorfeld ein Medikament, dass die Zahl der Stammzelle steigert und während der Spende aus dem Blut gewonnen wird. Die Spende dauert vier bis acht Stunden an ein bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Man kann die Klinik danach verlassen.

Bei einer Knochenmarksspende werden dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel etwa fünf Prozent seines Knochenmarks aus dem Beckenkamm entnommen. Die Entnahme dauert etwa eine Stunde, der Aufenthalt im Krankenhaus dauert drei Tage. 
www.dkms.de

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