Little Steidl Verlag will in die Altstadt umziehen

Star-Architekt Zumthor zeigt ersten Entwurf für Verlagshaus in Göttingen

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Herausragend: Peter Zumthor hat ein Modell aus Ton für das neue Haus des Little Steidl Verlages in der Düsteren Straße gebaut – das spitze, hohe Gebäude links.

Göttingen. Ein solches Modell eines Altstadtviertels aus Ton hat Göttingen noch nicht gesehen. Der Schweizer Star-Architekt Peter Zumthor hat es gebaut und am Donnerstag in der Paulinerkirche vorgestellt.

Aus dem Modell könnte ein einzigartiges, neues Haus in der Düsteren Straße werden – für den Little Steidl Verlag von Nina Holland und Jerry Sohn.

Die beiden Geschäftsführer haben das wenig ansehnliche und baufällige Gebäude Düstere Straße 2/Ecke Turmstraße gekauft und wollen mit ihrem Verlag und der Druckerei aus dem Industriegebiet Grone in die Innenstadt umziehen.

„Es gab eine schriftliche Anfrage und ich habe zugesagt“, schildert Peter Zumthor, wie es zu seinem Engagement gekommen ist. Der Star-Architekt findet das Projekt in der für ihn bisher unbekannten Stadt Göttingen „sehr interessant“. Auch, weil es darum geht, in einem baulich wenig homogenen Viertel einen Akzent zu setzen. „Ein Eckgebäude kann in einer Altstadt durchaus höher sein, eine Abgrenzung, einen Blickfang bilden“, sagt Zumthor, der ein vier Quadratmeter großes Modell aus gebranntem Ton gebaut hat, um eine realistische Silhouette zu zeigen.

Darin enthalten ist besagtes Gebäude an der Ecke Düstere Straße 2/Turmstraße, das ebenfalls ein reiner Backsteinbau werden soll. Das passe zum Ambiente angrenzender Häuser und sei eine Verbindung zu Norddeutschland, sagt Zumthor. Die Ziegel sollen nicht neu gebrannt werden, sondern aus historischen Beständen kommen, wie Nina Holland sagt.

Guter Dinge: Architekt Peter Zumthor (Mitte) stellt das Modell seines Hauses für den Little Steidl Verlag in der Paulinerkirche vor. Rechts Nina Holland, links Jerry Sohn, die den Verlag führen.

Die Kunstverlegerin will später in dem Backsteinbau arbeiten und wohnen. Und es solle ein Haus für die Gemeinschaft werden, das mit der Umgebung, mit den Menschen in Verbindung steht, nicht nur, aber auch, mit dem Verlag von Gerhard Steidl, dessen Gebäude an das Holland-Haus grenzt.

Sollte es zu dem Zumthor-Bau kommen, wäre er ein Besuchermagnet. Nina Holland weiß, „welche Beachtung Zumthor-Bauten finden, das ist so gewollt“. Ob aber am Ende ein markantes Backsteinhaus die Ecke in der Düsteren Straße ausfüllen wird, das ist Zukunftsmusik. Der Grob-Entwurf jedenfalls steht, im Tonmodell. „Mehr nicht“, wie Peter Zumthor sagt.

Aus dem Ziegelmodell kann erst ein realer Backsteinbau werden, wenn die Stadt alles geregelt hat. „Ich hoffe, dass die Stadt und die Politiker daran Freude haben. Wenn nicht, dann ist das gestrichen.“ Es bliebe bei dem beeindruckenden Modell. Nina Holland wäre das nicht recht; Peter Zumthor auch nicht, denn er hätte prinzipiell „Freude daran, das Wohn- und Arbeitshaus in der Altstadt zu planen“. Und das Kunst-Quartier mitsamt Grass-Archiv und Galerie wäre gleich um die Ecke.

• Das Modell ist am Samstag, 12. und Samstag, 19. März, im Günter-Grass-Archiv, Düstere Straße 6, zu sehen. Eintritt frei.

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