Multidisziplinäre Naturwissenschaften

Start frei für neues Mega-Max-Planck-Institut in Göttingen

Zwei wachsen zusammen: Die beiden Max-Planck-Institute für Experimentelle Medizin (links) und für biophysikalische Chemie in Göttingen werden ab 1. Januar 2022 zum MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften
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Zwei wachsen zusammen: Die beiden Max-Planck-Institute für Experimentelle Medizin (links) und für biophysikalische Chemie in Göttingen werden ab 1. Januar 2022 zum MPI für Multidisziplinäre Naturwissenschaften.

Fünf Max-Planck-Institute (MPI) sind in Göttingen ansässig. So viele gibt es nur in München und Berlin. Zum 1. Januar reduzierte sich die Zahl in Göttingen: Dort fusionierten zwei MPI – jenes für biophysikalische Chemie mit dem für Experimentelle Medizin.

Göttingen – Das neue MPI heißt Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften. Damit wollen die einst getrennten, aber schon häufig zusammenarbeitenden Einrichtungen noch schlagkräftiger in der Forschung werden.

„Mit 16 Abteilungen und mehr als 25 Forschungsgruppen wird es das größte Institut in der Max-Planck-Gesellschaft sein“, sagt Institutssprecherin Carmen Rotte.

Mit ihrer Fusion wollen sie nicht nur effektiver arbeiten, sondern auch eine noch attraktivere Adresse für herausragende Forschende werden, wie die Verantwortlichen betonen. „Das breitere Fächerspektrum wird es uns ermöglichen, unentdeckte Talente auf allen Karrierestufen und aus einer Vielzahl von Disziplinen zu gewinnen“, sagt Max-Planck-Direktor Prof. Stefan Hell, der sich besonders um das Rekrutieren herausragender Nachwuchsforscher bemüht. „Es gibt in Deutschland nur ganz wenige Standorte, an denen ein solch multidisziplinär aufgestelltes Max-Planck-Institut eingerichtet werden kann. Göttingen ist ohne jeden Zweifel ein solcher Standort“, meint der Nobelpreisträger für Chemie von 2014.

Für Prof. Marina Rodnina, geschäftsführende Direktorin des MPI für biophysikalische Chemie, spiegelt der neue Name das spezifische Alleinstellungsmerkmal der Einrichtung wider: „Die außergewöhnliche wissenschaftliche Breite des neuen Instituts ist einzigartig innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft.“ Und dort blicke man auch gar nicht neidisch – und wenn nur positiv – auf das neue Maga-Institut in Göttingen: „Die Rückmeldungen sind durchweg positiv innerhalb der MPG“, sagt Rodnina.

Wissenschaftlich wolle man starke Impulse setzen, besonders auch den Campus Göttingen weiter Stärken, sagt die bisherige geschäftsführende Direktorin am MPIBC und Spitzenforscherin Rodnina: „Vielleicht kann Göttingen dann auch wieder ein Uni-Exzellenz-Standort werden“, hofft sie. Als ein vielversprechendes Feld sieht Rodnina die RNA- und MRNA-Forschung an, die ein „Riesenpotenzial für die Medizin hat, wie jetzt auch der Corona-Impfstoff zeigt.“ Diesbezüglich werde man die Kompetenzen im neuen großen MPI nutzen und bündeln, verspricht Marina Rodnina.

Das neue Institut wird etwa 1000 Mitarbeiter haben. 700 an dem Standort des bisherigen Instituts für biophysikalische Chemie am MPI-Campus am Faßberg im Nordosten von Göttingen, 300 am bisherigen Institut für Experimentelle Medizin, das gegenüber der Universitätsmedizin (UMG) angesiedelt ist.

Auch Direktor Prof. Nils Brose verspricht sich von der Fusion viele neue Impulse. Damit schlage man den Bogen von der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung hin zu translationaler präklinischer Forschung. Die Verbindung zum Umsetzen von Forschungsergebnissen in die Anwendung am Patienten soll also enger werden.

Erster geschäftsführender Direktor am neuen MPI: Prof. Patrick Cramer.

Erster geschäftsführender Direktor des Instituts wird Prof. Patrick Cramer. „Wir haben uns Großes vorgenommen und wollen in den nächsten Jahren mehrere neue Forschungsabteilungen aufbauen“, kündigt der Biochemiker an.

Bis alles rund läuft und die Institute wirklich eins werden, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Denn mit der Fusion sind viele Umstellungen verbunden: Da es künftig nur noch eine einzige gemeinsame Verwaltung geben soll, mussten Teams neu strukturiert und Arbeit anders verteilt werden, sagt Verwaltungsleiter Detlef Steinmann. Eine Mammutaufgabe muss der IT-Bereich bewältigen. So muss die Informationstechnik an beiden Standorten aneinander angeglichen werden, damit alle Mitarbeiter auf gemeinsame Datenbanken zugreifen können.

„Das Zusammenführen der verschiedenen Infrastrukturen ist sehr komplex“, sagt IT-Leiterin Petra Küster. Beide Institute hätten zudem eine diverse IT-Ausstattung, was die Integration nicht gerade einfacher mache. Insgesamt gestalte sich die Zusammenführung aber sehr positiv: „Wir arbeiten super zusammen, und alle sehen die Neuerungen als große Chance.“

Viel Brimoborium um den Start wird nicht gemacht, es gibt auch keine öffentliche Feier. Das ist auch der Corona-Pandemie geschuldet, in der beide Institute auch forscherisch stark involviert sind. (Heidi Niemann/Thomas Kopietz)

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