Impfung gegen Coronavirus

Niedersachsen: Impfungen schon bald möglich? - Auch die Kostenfrage ist geklärt

Eine Spritze.
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In Niedersachsen sollen schon bald die ersten Corona-Impfzentren an den Start gehen.

Niedersachsen bereitet sich auf Corona-Massenimpfungen vor. Sozialministerin Reimann äußert sich zu einem möglichen Start. Auch wer zahlt, steht nun fest.

  • Niedersachsen bereitet sich mit bis zu 60 Impfzentren auf die Massenimpfungen gegen das Coronavirus vor.
  • Pharmafirmen machen Hoffnung auf eine schnelle Verfügbarkeit von wirksamen Impfstoffen gegen Corona.
  • Die Kosten für den Aufbau der Impfzentren übernimmt das Land.

Hannover – Das ist die Impfstrategie gegen Corona: Ärzte, Pflegekräfte und Senioren in Pflegeheimen kommen zuerst dran, dann folgen Risikopatienten und später die breite Bevölkerung. Mit mobilen Teams und bis zu 60 festen Impfzentren, die über das ganze Land verteilt werden sollen, wappnet sich Niedersachsen für Massenimpfungen gegen das Coronavirus.

Niedersachsen: Anfangs nur begrenzte Anzahl von Corona-Impfstoff

„Wir wollen und wir werden vorbereitet sein“, erklärte Sozialministerin Carola Reimann (SPD) am Donnerstag mit Blick auf positive Nachrichten von Pharmafirmen. „Sie machen uns Hoffnung, dass schon in absehbarer Zeit mehrere wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen könnten.“ Anfangs aber werde es nur eine begrenzte Anzahl von Dosen geben.

Die geplanten Zentren übernähmen eine „Brückenfunktion“ – auch um Erfahrungen mit möglichen Nebenwirkungen zu sammeln. Wann genau sie in Betrieb gingen, mochte die Ministerin nicht vorhersagen. Später sollen Hausarztpraxen die Corona-Impfungen übernehmen. „Wir wollen das so schnell wie möglich ins ambulante System überführen.“

Corona-Impfzentren für jeweils etwa 150 000 Einwohner in Niedersachsen geplant

Die Impfzentren sollen jeweils etwa für 150 000 Einwohner zuständig sein. Für Südniedersachsen heißt das: Zwei Zentren für den Landkreis Göttingen, ein Impfzentrum für die Stadt und eines für den Landkreis Northeim. Genaue Standorte stehen noch nicht fest, sie müssen aber gewisse Voraussetzungen wie eine zentrale Verkehrsanbindung und eine gute Erreichbarkeit für Bürger erfüllen. Auch ausreichende sanitäre Anlagen, Umkleideräume und Parkplätze gehören dazu.

„Sie müssen zudem eine stabile Internet-Verbindung haben“, so Reimann. Nur damit ließen sich Termine online vergeben und die Kapazitäten optimal nutzen. Termine sollen auch über ein Bürgertelefon vergeben werden. „Kleine Turnhallen oder Kirchen sind nur bedingt geeignet“, stellte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), Hubert Meyer, klar. Es laufe auf Veranstaltungszentren oder Stadthallen hinaus. Dabei besteht für alle Standorte ein logistisches Problem. Die bisher erfolgversprechenden RNA-Impfstoffe müssen bei minus 70 Grad gekühlt werden. Das bringe „ganz besondere Herausforderungen mit sich“, sagt auch Reimann.

Corona in Niedersachsen: Je nach Impfstoff ist eine zweite Injektion nötig

Je nach Impfstoff ist nach 14 oder 21 Tagen eine zweite Injektion erforderlich. Die ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts wird laut Reimann noch eine genaue Reihenfolge der Prioritäten nach Alter und Vorerkrankungen ausarbeiten. Geprüft werde noch, wie Anrufer nachweisen, dass sie tatsächlich einer Risikogruppe angehören oder sich vielleicht nur vordrängeln wollen. Im Gespräch ist ein vom Hausarzt ausgestellter QR-Code. Bezahlt wird die Impfung von den Krankenkassen.

Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) und Innenminister Boris Pistorius (SPD) bei der Landespressekonferenz zu den geplanten Impfzentren.

Land Niedersachsen übernimmt Kosten der Corona-Impfzentren

Die Kosten für Aufbau und Steuerung der Impfzentren übernimmt das Land. Die Rekrutierung des Impfpersonals soll mit der Kassenärztlichen Vereinigung erfolgen. Vor jeder Impfung ist ein Arztgespräch nötig. Die Kommunen sind für Auswahl und Betrieb ihrer jeweiligen Standorte verantwortlich.

Für alles sei besondere Eile geboten, mahnte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Dazu will er auch Personal und Ausrüstung des Katastrophenschutzes und der Polizei einsetzen sowie gemeinnützige Hilfsorganisationen einbinden. Pistorius: „Das Coronavirus ist ein starker, zäher Gegner. Noch zwingt er uns, in Deckung zu bleiben. Wenn wir jetzt aber mit der Impfkampagne aktiv werden können, kehren wir auf das Spielfeld zurück und können in die Offensive gehen.“ (Peter Mlodoch)

Kommentar von Thomas Kopietz:

Land muss die klare Linie beibehalten

Dass die Gesundheitsministerin und der Innenminister in diesem frühen Stadium klar über mögliche Impfzentren und das Vorgehen informierten, war wichtig. Denn für die Menschen in Deutschland ist die anstehende Massenimpfung momentan „das“ Thema. Viele warten auf die Impfung, die das Corona-Szenario entschärfen, die Angst vor Ansteckung mindern und einen Schritt zur Normalität bringen soll. Die Hoffnung darauf ist bei vielen größer als die Unsicherheit vor Nebenwirkungen.

Diese aber fürchten manche. Sie werden nicht ganz vorne in der Schlange um die Injektion anstehen. Sei es drum, die Impfkampagne wird ein Kraftakt. Die Landesregierung hat die Verantwortung für die Einrichtung der Impfzentren übernommen. Auch das ist ein kluger Schachzug, denn das Beispiel Testzentren hatte mancherorts für Ärger gesorgt, dem Betreiber Kassenärztliche Vereinigung die Grenzen aufgezeigt. Das kann nun vermieden werden. Zudem werden die Landkreise und Kommunen entlastet. Sie waren zunächst als Verantwortliche für die Zentren im Gespräch, sind aber zurzeit bei der Nachverfolgung in den Gesundheitsämtern über die Maße belastet. Bleibt zu hoffen, dass die Landesregierung die angekündigte klare Linie beibehält, damit der Impfmarathon sicher zum Ziel führt.

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