Geheimpolizei der DDR

Die Stasi hatte ihre Augen und Ohren überall

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Die Aufarbeitung der Unterlagen der Stasi läuft weiter.

Der frühere Staatssicherheitsdienst der DDR hatte seine Augen und Ohren überall. Er ließ sich immer neue technische Finessen einfallen, um an Informationen zu kommen.

So wurden Diplomaten irgendwo auf dem Erdball sogar bei der Jagd belauscht. Dazu hatten die Geheimdienstler einen Reitsattel präpariert, wie Detlev Vreisleben, Ingenieur für Nachrichtentechnik aus Leverkusen, im Grenzlandmuseum Teistungen berichtete.

Vreisleben (70) hatte 1987 als Tourist in Jena bei einer Ausstellung eine Kamera entdeckt. Das gab den Anstoß, sich dem Thema Stasi-Technik intensiv zu nähern. Mini-Kameras waren in Alltagsgegenständen versteckt – vom Füllfederhalter bis zum Lippenstift. Mit Raumfotografie war es möglich, Personen in Situationen zu fotografieren, die sie bloßstellten und damit erpressbar machten.

Abhörwanzen der Stasi konnten überall versteckt werden 

Zum Abhören von Gesprächen, so Vreisleben, boten sich in einer Wohnung überall Möglichkeiten an. Wanzen (Stasi-Jargon: Raumkontrollanlagen) konnten in der Steckdose, in der Lampe oder in der Wand sitzen: Das Bohren eines winzigen Loches von der Nachbarwohnung aus war gängig, um die Mini-Abhörgeräte anbringen zu können.

Original-Technik der Stasi: Nachrichteningenieur Detlev Vreisleben hatte eine Sammlung von Stücken mitgebracht – von der Wanze bis zur Mini-Kamera.

Eine besondere Rolle spielte die Telefonüberwachung. Technisch war es möglich, DDR-weit 4800 Ferngespräche gleichzeitig aufzuzeichnen, davon entfallen tausend allein auf Ostberlin. Das ganze Land war mit Kontrollpunkten für die Telefonüberwachung bestückt, allein 120 in Erfurt, zehn im Eichsfeldkreis.

Die Stasi bediente sich auch an KGB- und West-Technik

Die Stasi nutze eigene Erfindungen, bediente sich aber auch beim sowjetischen KGB, um sich auszurüsten. Aber auch Geräte aus dem Westen, von der Bundesrepublik oder aus Fernost, wurden für eigene Zwecke eingesetzt – zum Beispiel die Mini-Kamera Minox.

Ende 1989 sollten die Technik-Experten des Geheimdienstes eine Mini-Kamera eigener Bauweise Staatssicherheitsminister Erich Mielke präsentieren. Dazu kam es nicht mehr, die Wende brachte das Ende für „VEB Horch und Guck“, wie es im Volksmund hieß.

War der DDR-Geheimdienst den westlichen Diensten technisch überlegen? Zumindest partiell sei das der Fall gewesen. Vom bundesdeutschen Verfassungsschuss sei nicht bekannt, dass er eigene Geräte entwickelt hat, so der Experte. 

Mehr als 33 Tausend Anträge auf Akteneinsicht

Zum zweiten Mal in diesem Jahr bot die Stasi-Unterlagenbehörde, Außenstelle Erfurt, in Teistungen eine Bürgerberatung an, sie wurde auch gut genutzt. Wie die Leiterin der Außenstelle Erfurt, Alrun Tauche, mitteilte, wurden bundesweit in diesem Jahr 33.480 Anträge auf Akteneinsicht gestellt. Auf Thüringen entfallen 5808. Im gesamten Jahr 2018 weist die Statistik 43.000 Anträge aus (2017: 49 000).

Das Interesse geht offenbar etwas zurück, ist aber immer noch hoch. Auffallend ist, dass immer mehr Kinder in die Akten ihrer Eltern sehen wollen. Gesetzlich ist es seit einigen Jahren möglich, die Akten verstorbener Angehörigen einzusehen. Tendenziell, so heißt es in der Erfurter Außenstelle, kommen mehr Anträge aus dem Osten wie aus den Alt-Bundesländer. Hier habe es auch weniger Berührungspunkte gegeben. 

Weitere Infos gibt es im hier.

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