Oberharzer Wasserwirtschaft

Gericht: Status des Unesco-Weltkulturerbes im Harz wird nicht durch Campingplatz-Umbau gefährdet

Das Verwaltungsgericht Göttingen an der Berliner Straße: Hier wurde über die Klage eines Campingplatzbetreibers verhandelt.
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Das Verwaltungsgericht Göttingen an der Berliner Straße: Hier wurde über die Klage eines Campingplatzbetreibers verhandelt.

Der Status der „Oberharzer Wasserwirtschaft“ als Unesco-Weltkulturerbe wird nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Göttingen nicht durch einen Umbau des Campingplatzes am Wiesenbeker Teich in Bad Lauterberg gefährdet.

Göttingen/Bad Lauterberg – Das Gericht gab damit einer Klage des Campingplatzbetreibers gegen den Landkreis Göttingen statt. Der Betreiber möchte das Kassenhaus des Campingplatzes im Obergeschoss ausbauen und dort sechs Schlafräume errichten, um der zunehmenden Nachfrage nach Familienunterkünften nachzukommen.

Der Kreis lehnte den Bauantrag nach Beteiligung des Landesamtes für Denkmalpflege mit der Begründung ab, dass das Projekt aus denkmalrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig sei. Laut Gericht darf die Behörde dem Kläger die Genehmigung aber nicht versagen, denn es gebe für das Gebiet einen Bebauungsplan der Stadt Lauterberg, in den sämtliche Denkmalgesichtspunkte eingeflossen seien. Nach diesem geltenden Plan sei der Umbau zulässig (AZ 2 A 482/18)

Der Wiesenbeker Teich ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes Erzbergwerk Rammelsberg, Altstadt Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft. Von dem Status ist eine Pufferzone um den Teich herum umfasst. Das Kassenhaus des Campingplatzes liegt in dem Bereich.

Verwaltungsgericht: Gebäude steht im Einklang mit wirksamem Bebauungsplan der Stadt

Der Kreis begründete seine Ablehnung damit, dass durch die Baumaßnahme in der Umgebung des als Baudenkmal und Welterbe geschützten Teichs ein neuer Blickfang im Sinne einer farblich markanten, zweigeschossigen Architektur entstehe. Damit verlagerten sich die Schwerpunkte der Bebauung des Campingplatzes in Richtung Ufer. Auch verändere sich durch die Einrichtung von Schlafräumen die Nutzung des Gebäudes erheblich. Dadurch beginne sich der Charakter der Uferzone zu verändern. Der Aussagewert des Kulturdenkmals und Welterbe-Bestandteils Wiesenbeker Teich werde geschmälert und beeinträchtigt.

Das Gericht verwies zum einen darauf, dass das Projekt im Einklang mit dem wirksamen und nicht mehr angreifbaren Bebauungsplan der Stadt Lauterberg stehe. Insoweit komme es auf die Geschossigkeit des Gebäudes und die neue Nutzung nicht mehr an. Zum anderen sei die vom Äußeren des Kassenhauses ausgehende Beeinträchtigung des Wiesenbeker Teiches so gering, dass eine Versagung aus Denkmalschutzgründen nicht zulässig sei.

So sei die geplante Gestalt des Dachgeschosses der waldreichen Umgebung angepasst und ordne sich dem Denkmal „Oberharzer Wasserwirtschaft“ eindeutig unter. Auch der Weltkulturerbe-Status werde nicht gefährdet, zumal lediglich die nähere Umgebung eines sehr kleinen Teils des gesamten Weltkulturerbes betroffen sei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann Berufung beantragt werden. (Heidi Niemann)

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