Göttinger Literaturherbst

Gerhard Steidl und der Duft der schönen Bücher

So riecht Buch: Der Göttinger Bücher-Macher und Verleger Gerhard Steidl bei der Veranstaltung des Literaturherbstes im Alten Rathaus. Foto: Kopietz

Göttingen. Über Inhalte von Büchern wird viel gesprochen – auch beim Literaturherbst  mit seinen 50 Lesungen. Eine Veranstaltung aber ragte aus dem Schema heraus: Es ging um die Faszination der Herstellung schöner Bücher.

Keine Überraschung war, dass auf der Bühne Gerhard Steidl und Klaus Detjen saßen. Beide spielen in der Champions League, Steidl als Buchdrucker und -verleger, Detjen als Typograf und Gestalter. Und beide zeigten überzeugend, dass ein Buch eben mehr als nur ein Textüberbringer ist.

Der Göttinger Gerhard Steidl  wird oft nur als Verleger bezeichnet. Das ist eine unzutreffende Reduktion. Denn Steidl, der während der Veranstaltung das Literaturherbst-Programmheft hält, betastet, dreht, ist mehr: eben auch ein „Papierschnüffler“, wie Moderatorin Uta Brandes sagt.

Nichts wurmt Gerhard Steidl übrigens mehr als Schund. Ein Wort, dass er gern sagt. Es gibt für ihn, den Drucker, der die edlen Papiere noch selbst aussucht, Schrott auf selbigen wirft, für ihn, der die Fotografien seiner Steidl-Bildbände in immer wiederkehrenden Sichtungen auswählt und verwirft, viel zu viel Schund auf dieser Bücherwelt. Billigproduzierte Bücher, die nach wenigen Jahren auseinanderfallen, haben für Steidl, der mit 18 seinen Verlag gründete, noch nicht einmal als Taschenbuch eine Daseinsberechtigung. „So etwas kann man in digitaler Form auf dem Pad lesen“, sagt selbst Steidl, der für Bücher dieser Art auch keinen Markt mehr sieht.

Demgegenüber hätten gut gemachte Bücher, hergestellt aus Top-Materialien, stark konzipiert und gestaltet immer eine Zukunft. „Gutes Drucken hat seinen Preis.“ Den würden Kunden auch zahlen. Ein hochwertiger Fotoband aus dem Hause Steidl für 150 Euro findet seine zwei- bis dreitausend Abnehmer. Ein Luxusgut aber dürften Bücher niemals sein.

Riesig ist das Angebot der Bildbände und ebenso groß der Ausschuss unter ihnen. Dazu käme laut Steidl auch noch der Unsinn der zwanghaften Betextung. „Gute Fotos sprechen für sich und brauchen keine Beigaben“, sagt der puristische Buchgestalter Steidl, der ein Werk aus seinem Fundus als zeitlos schön heraushebt: Den Fotoband von Robert Frank in der Folgeauflage aus 2007.

Zurückhaltend ist der Buchdrucker Steidl auch beim Einsatz der Schrifttypen und findet Zustimmung bei Klaus Detjen: „Die guten alten Garamond und Antiqua und einige wenige weitere sind die Basis“, sagt der Typologie-Papst. Das Computerzeitalter brachte und bringt unzählige neue oder in Nuancen veränderte Typen hervor. Gravierenden Einfluss aber hätten sie nicht.

Der Abend endet übrigens mit einem Verschnüffeln des Steidl-Parfüms „Paper-Passion“. Das war ein großer Werbe-Erfolg. Es steht aber auch für das, was der eigenwillige Typ Gerhard Steidl lebt: seine Passion, die Leidenschaft, schöne Bücher zu machen.

Von Thomas Kopietz

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