Die Zukunft der Bewegung

Steidl-Näder-Ausstellung im Uni-Klinikum zum Göttinger Literaturherbst

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Scherenschnitt von Bürgermeisterin Helmi Behbehani zum Auftakt: Der Göttinger Literaturherbst startete vorzeitig mit der Ausstellung „Futuring Human Mobility“ im Klinikum, die von Gerhard Steidl (links) konzipiert wurde. Beobachter sind Philipp Schulte-Noelle (Ottobock CEO), Wolfgang Brück (UMG-Vorstandssprecher) und Johannes-Peter Herberhold (Geschäftsführer Literaturherbst).

In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wurde am Donnerstag anlässlich des Göttinger Literaturherbstes eine besondere Ausstellung eröffnet, die von Verleger Gerhard Steidl konzipiert und von Ottobock-Chef Hans-Georg Näder initiiert wurde.

Kultur im Klinikum hat Tradition und lebt: Seit einem Vierteljahrhundert bietet die Universitätsmedizin ein offenes Kulturangebot. Aktuell ist es damit Akteur beim Göttinger Literaturherbst, der am Donnerstagabend, einen Tag vor dem eigentlichen Beginn, im Klinikum einen Frühstart feierte. Anlass war die Eröffnung einer herausragenden Ausstellung, kreiert vom Göttinger Buchmacher Gerhard Steidl und initiiert von Ottobock-Chef Hans-Georg Näder.

Buch und Ausstellung

Der Titel ist ein Kunstprodukt und doch klar: „Futuring Human Mobility“. Kurzum: Es geht um die Zukunft der menschlichen Bewegung und Mobilität, somit auch um die Zukunft des Orthopädietechnik-Riesen Ottobock.

Dessen Chef, Hans-Georg Näder, wollte anlässlich des 100. Bestehens keine x-beliebige und tausendfach da gewesene Chronik erstellen lassen, sondern ein zukunftsweisendes Werk. Davon ließ sich denn auch der zunächst gelangweilte Steidl überreden. Herausgekommen ist ein faszinierendes Werk auf feinem Baumwollpapier aus einer irischen Manufaktur. „Ich konnte ihn überzeugen“, sagt Steidl in seiner ureigenen nüchtern-schelmischen Art, meint Näder und die Idee, aus dem opulenten Buch eine Ausstellung zu machen. Die steht nun in der Westhalle des Klinikums, vorher gastierte sie während der Buchmesse in Leipzig und in Berlin, wo das Nädersche Gelände der ehemaligen Bötzow-Bauerei für eben jene zukunftsoffene Ausrichtung des Unternehmens und als Treff für ideentragende junge Menschen gilt.

Gebäude ohne Zukunft

Nun also das Klinikum-Hauptgebäude, das keine Zukunft mehr hat, beziehungsweise durch einen Neubau ersetzt werden wird, der allerdings wiederum und ebenfalls einen Aufbruch in die Jetzt- und Future-Zeit mitsamt Digitalisierung der Medizin mit sich bringen wird, wie Vorstandssprecher Wolfgang Brück sagt.

Exzellente Fotos

Die Ausstellung – Basis sind hervorragende Porträtfotografien von Christoph Neumann und kurze, aus dem Englischen übersetzte Texte von Thomas Huber in der Seitenhalle am Haupteingang führt den Betrachter von den Anfängen des Familienunternehmen Ottobock samt der Zukunft in Person der Näder-Töchter Georgia und Julia, sie werden sich einmal aus den Fußstapfen des Papas, der seit 1990 die heute zum Global-Player gewordene Ottobock-Gruppe führt, ausklinken und mehr Verantwortung übernehmen.

Eröffnung im Uni-Klinikum: In der Westhalle ist „Futuring Human Mobility“ kostenlos zu sehen – eine Ausstellung von Gerhard Steidl und Hans Georg Näder.

Prominente

Auch sie stehen für die Zukunft – wie viele andere, die in Näders Futuring-Buch zu Wort kommen, und teilweise in der Ausstellung zu sehen sind, darunter: Nobelpreisträger Stefan Hell, Paralympics-Sieger Heinrich Popow, Mediziner Dietrich Grönemeyer, der erste Cyborg der Welt, Kevin Warwick, oder Roboter-Pionier und ERICA-Schöpfer Hiroshi Ishiguro – aber auch die Philosophin Misselhorn. Sie alle stehen für einen kontroversen Diskurs in einer digitalen Welt, von der niemand weiß, was sie genau bringen wird – auch für das Unternehmen Ottobock. Die Ausstellung zieht so den Betrachter schnell in das Spannungsfeld zwischen Mensch, Maschine und Mobilität.

„Jeder Mensch kann jeden Tag eine neue Zukunft starten“. Diesen Spruch hat das Künstlerduo Eva & Adele kreiert. Mit ihm identifiziert sich der digital-offene Näder, der mit dem traditionellen Handwerkskünstler Steidl etwas Faszinierende geschaffen hat. Auch die Ausstellung, die auf Zeitungspapierrollen gedruckt ist und nach „ein paar Mal Aufhängen, fix wieder recycelt werden kann“, wie Pragmatiker Steidl sagt.

Riesen-Banner

„Futuring“ im Gebäude ohne Zukunft – das passt also doch zusammen. Ebenso wie draußen das übergroße Buchcover auf einem Werbebanner. Beides macht das Gebäude schöner und interessanter.

Die Ausstellung „Futuring Human Mobility“ ist in der Westhalle des Uni-Klinikums, Robert-Koch-Straße 40, kostenlos zu sehen – bis zum 28. Oktober.

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