Vier Steine erinnern an der Groner Straße 9 an die Familie Katz

Zehn Stolpersteine zur Erinnerung an NS-Opfer in Göttingen verlegt

Weit gereist: Zoe Ibbson und Ralf Ibbson, die Nachkommen der jüdischen Flüchtlinge aus der Groner Straße 9, kamen aus Amerika zur Verlegung der Steine nach Göttingen. Foto: Triesch

Göttingen. Um die Göttinger Stolpersteine, die an jüdische Opfer der NS-Zeit erinnern sollen, wurde lange gestritten - seit Dienstag ist der Streit beendet.

Zehn Messingsteine erinnern nun vor den Häusern der Göttinger Betroffenen an ihre Geschichte.

„169 mal kommt das Wort Sachor - Gedenke und erinnere Dich - in der hebräischen Bibel, dem Alten Testament, vor.“ Mit diesen Worten beginnt Heiner J. Willen von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sein Grußwort und zitiert anschließend aus dem Talmud, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

Erinnert seit 1995 mit „Stolpersteinen“ an die Opfer der NS-Zeit: Künstler Gunter Demnig. Foto: Triesch

Um dies zu verhindern liegen nun zehn schimmernde Stolpersteine in GöttingensInnenstadt. Hier wohnte...“, steht auf den zehn mal zehn Zentimeter großen Tafeln, dann Name und Geburtsdatum der Betroffenen und Informationen zu Deportation, Flucht oder Ermordung. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten“, ist der Kölner Künstler überzeugt. Damit hat Demnig das weltweit größte dezentrale Mahnmal für die Opfer des Dritten Reichs geschaffen.

Die Steine vor der Groner Str. 9 in Göttingen.

So erinnern nun in der Groner Straße 9 vier Steine an die Familie Katz: Leopold und Mathilde Katz, die 1942 in das Ghetto Warschau deportiert und dort ermordet wurden, sowie ihre beiden Kinder Rosa und Ludolf, die vor der Reichspogromnacht in die USA fliehen konnten. Rosa Katz - später Rosa Ibbson - erreichte in den Staaten das stolze Alter von 101 Jahren. Bruder Ludolf Katz wurde 91 Jahre alt. Die Nachfahren von Rosa Ibbson, Sohn Ralf und Enkeltochter Zoe Ibbson ließen es sich nicht nehmen aus Amerika anzureisen und an der Gedenkfeier teilzunehmen.

Im Papendiek 26 erinnern fünf Stolpersteine an die Familie Asser: Sie liegen dort für Julius und Jenny Asser, ihre Kinder Kurt und Lissy und die Mutter von Jenny Asser Bertha Fernich, die zu fünft 1942 in das Ghetto Warschau deportiert und dort ermordet wurden.

In der Weender Landstraße 12 liegt ein Stolperstein für Hermann Hirsch, der sich, nachdem er entrechtet und durch das Naziregime gedemütigt wurde, bereits 1934 das Leben nahm. (mel)

Unter www.stolpersteine-online.com finden sich alle bisher verlegten Stolpersteine.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.